Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ohne meine abendliche Dusche geht nichts. Treibe ich Sport, stehe ich sogar zwei Mal am Tag unter dem Duschkopf. Anhänger:innen der Cleansing Reduction meinen allerdings, dass ich mir, meiner Haut sowie meinen Haaren damit schaden würde. Sie schäumen sich in der Woche höchstens zwei Mal ein. In diesem Artikel erfährst du, was hinter dem Trend der Schmalspur-Körperhygiene steckt und wie gesund das wirklich ist…

Was steckt hinter dem Trend der Cleansing Reduction?

Der Cleansing Reduction-Trend meint übersetzt so viel wie: Trend zum reduzierten Waschen. Im Netz stolpert man immer mal wieder über Starlets aus Amerika und Großbritannien, die darauf schwören. Auch Mila Kunis und Ashton Kutcher sollen dem Trend anhängig und überzeugt davon sein, dass weniger Duschen gesünder ist. Zwei ausgiebige Duschen wären ihrer Meinung nach völlig ausreichend.

Etwas paradox klingt es schon, dass weniger Körperhygiene gesund sein soll. Ganz unrecht haben die Verfechter:innen der Cleansing Reduction aber nicht. Denn übermäßige Körperhygiene kann den natürlichen Schutzmantel der Haut tatsächlich zerstören und die Haut in der Folge austrocknen lassen. Vor allem, wer zu heiß und zu lange duscht, spült die natürlichen Öle und Bakterien der Haut weg, die eine gesunde Hautflora aufrechterhalten. Fehlt diese, ist die Haut anfällig für Verletzungen und Infektionen.

Frau Dusche
Wer falsch duscht, also zu heiß und zu schaumig, trocknet seine Haut unnötig aus. Credit: DAPA Images via canva.com

Was meinen Expert:innen zum Trend?

Hautärzt:innen wie auch Dr. Joshua Zeichner, der Assistenzarzt am Mount Sinai Krankenhaus in New York ist, sind sich sicher, dass der Kontakt mit Schmutz und Bakterien im Alter weniger anfällig macht. Er meint gegenüber Buzzfeed, dass weniger duschen Allergien wie auch Ekzemen vorbeugen kann. Das heißt, dass vor allem Menschen, die zu Hautkrankheiten und Irritationen neigen, vom Trend der Cleansing Reduction profitieren können.

Andere Ärzt:innen stehen dem Trend eher skeptisch gegenüber. Die Dermatologin Dr. Zenker meint gegenüber dem Online-Magazin stylebook zum Beispiel, dass „Hygiene ganz oben“ stehen sollte. Sie betont, dass Duschen der Haut keineswegs schaden würde – Gesetz dem Fall, man geht es richtig an. Richtiges Duschen meint, dass man lauwarm und bei sparsamer Verwendung von Shampoo und Duschbad duschen sollte. Spannt die Haut danach, sollte man seine Routine überdenken und zusätzlich auf Pflegeprodukte wie parfümfreie Bodylotions setzen.

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Frau Sweat
Wer viel Sport treibt und viel schwitzt, sollte danach auch duschen gehen. Credit: Foto: shutterstock/ Viktor Gladkov /

Wie oft sollte man nun duschen?

Die Frage danach, wie oft man in der Woche duschen gehen sollte, kann nur individuell beantwortet werden. Eines ist allerdings sicher: Nur des Trends der Cleansing Reduction wegen vom einen Tag auf den anderen auf das regelmäßige Duschen zu verzichten, ist wohl kaum die richtige Wahl. Vielmehr sollte man persönliche Faktoren mit einbeziehen:

  • Wie ist die eigene Haut beschaffen? Neigt sie zu Irritationen und dazu, schnell auszutrocknen? Dann kann der Trend der Cleansing Reduction wohlmöglich hilfreich sein.
  • Wie sind die klimatischen Verhältnisse? Raues Winterwetter trocknet die Haut beispielsweise schneller aus als ein mildes Sommerwetter. Im Winter kann die Cleansing Reduction demnach ebenfalls sinnvoll sein.
  • Hat man am Tag viel geschwitzt und Sport getrieben? In diesem Fall ist die Cleansing Reduction der falsche Weg. Denn sobald der Schweiß trocknet, beginnt er unangenehm zu riechen.  
Wein & Weiber ist der Podcast vom wmn-Magazin. In dieser Folge sprechen Mona & Lisa darüber, wie man gesund durch den Hitzesommer kommt.

Keinesfalls sollte man den Trend der Cleansing Reduction jedoch mit dem absoluten Verzicht von Körperhygiene gleichsetzen. Zwar verzichtet man hier auf tägliche Duschen. Doch gewisse Regionen des Körpers verlangen dennoch nach einer täglichen Reinigung:

  • Die Hände: Gerade in Zeiten einer Pandemie sollte es klar sein, dass die Hände regelmäßig mit Seife und Wasser in Berührung kommen sollten.
  • Der Intimbereich: Auch der Intimbereich sollte täglich richtig gereinigt werden. Dafür braucht es allerdings keine Dusche. Auch ein Bidet oder ein Waschlappen können dienlich sein.
  • Das Gesicht: Dr. Zenker betont zudem, dass auch die Gesichtspflege nicht vernachlässigt werden sollte. Denn hier finden sich zahlreiche Spuren des Tages: Make-up, Schweiß, Talg. Der Schlüssel ist hier das richtige Produkt, um die Haut nicht unnötig auszutrocknen.

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Cleansing Reduction: Top oder Flop?

Man sollte den Trend der Cleansing Reduction nicht als radikalen Weg verstehen, auf Körperhygiene zu verzichten. Vielmehr sollte es darum gehen, die eigenen Dusch- und Körperhygieneroutine zu hinterfragen.

Überpflege ich meinen Körper womöglich? Braucht er all die Schäume und Düfte wirklich oder würde es ihm ohne sogar besser gehen? Wer diese Fragen für sich ausloten möchte, wird wohl um das ein oder andere Selbstexperiment nicht umhinkommen. Um sanft in den Trend einzusteigen, kannst du zunächst klein beginnen und es mit dem Trend des Haareausfettens versuchen. Hierbei soll die Kopfhaut extrem profitieren und die Haare sollen sich danach samtig weich anfühlen.

Und wer den Trend für sich ablehnt? Auch ich werde weiterhin an meiner täglichen Dusche festhalten – allein, weil sie für mich pure Entspannung bedeutet. Darauf achten, ob ich meine Haut austrockne, werde ich zukünftig aber noch mehr!

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