Brustvergrößerung ohne OP
Brustvergrößerung ohne OP? Das ist davon zu halten Foto: Yuri_Arcurs/ istock / Yuri_Arcurs/ istock

Unsere Schönheitsideale werden immer extremer. Frauen sollten schlank, aber nicht zu dünn, durchtrainiert, aber nicht zu männlich sein. Und bitte einige Rundungen haben – aber das auch nur an den richtigen Stellen.

Da viele Frauen dem Schönheitsideal aber von Natur aus gar nicht entsprechen, wird immer wieder künstlich nachgeholfen. Neben Lippenunterspritzungen, Nasenkorrekturen, Fettabsaugungen und den sogenannten Mommy-Makeovern sind vor allem Brustvergrößerungen sehr beliebt. 

Dabei werden Silikonimplantate in die Brust eingesetzt. Doch neben dieser operativen Methode werden auch immer mehr Brustvergrößerungen ohne OP und mit den sogenannten Fillern angeboten.  

Brustvergrößerung ohne OP nicht sinnvoll
Brustvergrößerung ohne OP(Photo: Shutterstock/ Voyagerix)

Ärzte werben für Brustvergrößerung ohne OP

Im Internet wird für diese Methode geworben: „Eine Brustvergrößerung OHNE OP und Implantate? Los DelineTM macht es möglich! Da das Gel biokompatibel ist, wird es nach einigen Jahren vom Körper vollständig abgebaut. 

Unter lokaler Betäubung wird es mit einer kleinen Kanüle in die Brust injiziert. Diese minimal-invasive Behandlung dauert ca. 45-90 Minuten und ist dank Biokompatibilität verträglich für den Körper und wird erst nach 5-10 Jahren vollständig vom Körper abgebaut. Keine unschönen Narben und ein besonders natürliches Aussehen sind der große Vorteil dieser Behandlung.“ 

Ein Vorteil der Brustvergrößerung ohne OP soll demnach sein, dass dabei ein komplett natürliches Gel in die Brust eingespritzt wird, das zu 97 % aus Wasser und zu 3 % aus Polyamid besteht. In den sozialen Medien kommt die Methode gut an. 

Zahlreiche Frauen erkundigen sich nach weiteren Details und dem Preis. Doch eine kleine Recherche zeigt, dass die meisten Ärzte eher auf Silikonimplantate setzen anstatt auf Los Deline. Doch: Warum wird die Brustvergrößerung ohne OP und mit den sogenannten Fillern nicht häufiger angeboten, wenn sie doch so natürlich ist? 

Wieso nicht mehr Ärzte diese Behandlung anbieten

Los Deline ist nicht der erste Filler auf dem Markt. In den letzten Jahren wurden immer wieder Brustvergrößerungen ohne OP und mit Gelen angeboten und durchgeführt. Damals dachte man, man habe eine sichere und einfache Alternative zu Silikonomplantaten gefunden. 

Da gab es zum Beispiel die Hyaluronsäure, die als körpereigener Stoff angepriesen wurde. Oder auch das als natürlich geltende Aquamid. Doch letztlich konnte sich keine der Brustvergrößerungsmethoden langfristig durchsetzen. Und das hat einen bestimmten Grund. So zeigt beispielsweise eine Studie mit 106 Patientinnen, dass sich durch die sogenannten Filler vermehrt Knötchen gebildet und Schmerzen entstanden sind. Patientinnen berichten, dass sich das Gel mit der Zeit unregelmäßig abgebaut hat.

Brüste der Frau
Für größere Brüste legen sich viele Frauen auch unters Messer(Photo: iStock, soup__studio)

 „Die Brustvergrößerung ohne OP wurde schon in der Vergangenheit immer wieder promotet. Beispielsweise bestand das Gel Aquamid aus Wasser und Polyacrylamid. Immer wieder wurde gesagt, dass es sich dabei um ein ganz natürliches Produkt handele. 

Dabei ist Polyacrylamid ähnlich wie Nylon, also ein synthetischer Stoff. Wird dieser in unseren Körper gespritzt, reagiert dieser mit Abwehr darauf. Das Immunsystem wird gefordert. Und genauso ist es auch mit dem Los Deline“, erklärt Lukas Prantl, der der Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen gegenüber wmn.

Die schädlichen Folgen solcher Filler: Es können sich Entzündungen bilden, vermehrt Bindegewebe kann produziert werden, Abkapselungen können entstehen und wenn die Frauen Probleme mit dem Gel bekommt und es wieder loswerden will, kann man das Gel laut Prantl nicht richtig entfernen, weil es diffus ins Gewebe gespritzt wurde. 

Zwar bekommt nicht jede Patientin Probleme und Nebenwirkungen. Und nicht immer entstehen diese sofort nach dem Einspritzen des Gels, sondern manchmal auch erst nach ein paar Monaten oder Jahren.“ 

Lukas Prantl über Brustvergrößerungen
Lukas Prantl spricht in wmn über die Risiken einer Brustvergrößerung

Brustvergrößerung ohne OP? Seid kritisch, seid aufmerksam!

Prantl rät Frauen, die sich eine Brustvergrößerung wünschen, bei der Materialauswahl vorsichtig zu sein. Auch bei Silikonimplantaten kann es zu Problemen kommen. Allerdings haben diese den Vorteil, dass sie, wenn die Frau das wünscht, komplett samt Kapsel entfernt werden können und sich nicht im Gewebe verteilen. 

Bei den Silikonimplantaten wurde zuletzt vor allem die sogenannte Breast Implantat Illness und das Anaplastische großzellige Lymphom bekannt. Dabei reagieren die Frauen mitunter auf den Fremdkörper in ihrer Brust und leiden unter Symptomen, wie Schmerzen, Abgeschlagenheit, ähnlich wie bei Auto-Immunerkrankungen. Die Zusammenhänge sind hier allerdings noch nicht klar. 

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen empfiehlt, falls möglich  die natürlichste aller Methoden. Nämlich die Brustvergrößerung mit Eigenfett. Bei dieser Methode wird kein Fremdkörper in die Brust gespritzt oder eingesetzt, sodass die eigenen Zellen nicht mit Abwehr reagieren. 

Silikonimplantate können zu Problemen führen
Silikonimplantate rufen bei manchen Frauen Beschwerden hervor(Photo: Shutterstock/ Josep Suria)

Hinzukommt, dass es sich beim Eigenfett um einen körpereigenen Stoff handelt und das Material nicht wie bei Silikonimplantaten  ausgetauscht werden muss. Diese Methode ist aus Prantls Augen deshalb sehr viel nachhaltiger: „Eine Brustvergrößerung mit Eigenfett ist aus meiner Sicht bei dafür geeigneten Patientinnen ein sehr gutes Verfahren.“ 

Mehr zum Thema Brustvergrößerung mit Eigenfett findest du hier in diesem Artikel.

Spielst du mit dem Gedanken, eine Brustvergrößerung zu machen? Natürlich ist es dein Körper und deshalb deine Wahl, was du machst. Aber frage dich doch erst mal, ob du überhaupt die Risiken eingehen willst oder ob du dich nicht mit deinem Körper anfreunden kannst – so wie er ist.

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