Zu klein, zu groß, zu schlaff, zu drall – jede dritte Frau ist unzufrieden mit ihrer Brust. Doch: Heutzutage muss niemand mehr unter seinen vermeintlichen Makeln leiden. Während es früher vor allem die Stars aus Hollywood waren, die sich unters Messer gelegt haben, sind es heutzutage berufstätige Frauen, Mütter und Sportlerinnen, die sich für eine Schönheitsoperation entscheiden. Pro Jahr werden 1,5 Millionen Brustvergrößerungen durchgeführt. Das Material der Wahl? Silikonimplantate.

Silikonimplantate
Silikonimplantate gelten als sicher(Photo: shutterstock/UzFoto)

Immer wieder erklären Ärzte ihren Patienten, dass Silikonimplantate so sicher sind wie noch nie. Dass sie bis zu zehn Jahre im Körper bleiben können. Dass sie auslaufsicher sind und die Patienten außer einer Kapselfibrose und den typischen Komplikationen einer OP nichts zu befürchten haben. Dabei häufen sich die Meldungen über schwerwiegende gesundheitliche Probleme. Die sogenannte Breast Implantat Illness wird immer öfter genannt.

Breast Implantat Illness: Wenn Silikonimplantate krank machen

„Tatsächlich vertragen die meisten Frauen die Silikonimplantate gut. Dennoch melden sich seit zwei Jahren immer mehr Frauen, die durch die Silikonkissen regelrecht krank werden“, erklärt Dr. Ursula Tanzella, stellvertretende Chefärztin und Leitung der Praxis für Plastische Chirurgie an der Park-Klinik-Birkenwerder.

Silikonimplantate Risiken
Ursula Tanzelle spricht in wmn über die Risiken von Silikonimplantaten

In Facebook-Gruppen und den sozialen Medien tauschen sich die betroffenen Frauen untereinander aus und warnen vor den Nebenwirkungen der Silikonimplantate. Unter den Hashtags #toxictits und #breastimplantillness teilen die Frauen ihre Erfahrungen. So beschreiben viele die Symptome der Breast Implantat Illness mit einer extremen Müdigkeit, Gedächtnisverlust, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Schlafstörungen, schweren Depressionen. Andere wiederum entwickeln Auto-Immunerkrankungen bei denen es zur Verknöcherung der Haut oder Arthritis kommt.

Manche spüren einen starken Druck auf dem Brustkorb, nehmen rasant an Gewicht ab und klagen über Atemprobleme. Das Problem ist jedoch, dass viele Frauen unspezifische Symptome haben und gar nicht auf die Idee kommen, dass ihre Brustimplantate für all die Leiden verantwortlich sind. Oftmals haben Betroffene eine regelrechte Ärzte-Odyssee hinter sich. Obwohl sich die Patientinnen krank fühlen, bleiben die ärztlichen Befunde unauffällig. Zu der Verzweiflung kommt oftmals auch der finanzielle Ruin.

Stille Vergiftung

„In Untersuchungen konnte ich herausfinden, dass circa 70 % der Beschwerden verschwinden, wenn das Silikonimplantat entfernt wurde, erklärt Tanzella. Ihre Aussage deckt sich mit zahlreichen Erfahrungen von betroffenen Frauen. Viele von ihnen berichten, dass sich ihre Symptome extrem verbessert haben, seitdem das Implantat entfernt wurde. Allerdings ist das auch nicht immer der Fall.

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#Repost @malinbjork with @get_repost ・・・ Sorry for all the breast posts the last week But it’s an important subject since the plastic industry taking over many lives. I’m not against people that get plastic surgery at all. I think everyone can do whatever they want with their bodies. But today I have more knowledge and I will never put toxic silicon in my body again ‍♀️ Everyone deserve to know the side affects. That you can be sick from implants, you can get cancer from them, your body can react in a very negative way and give you autoimmune diseases. Surgeouns don’t tell you this and make it sound really good and safe. Remember this is their job and they want to earn money, so ofc they don’t want to admit #breastimplantillness The woman’s body is amazing in all shapes I like my natural breasts more than my plastic ones and my pregnancies and loose skin gave me a little extra than before I got implants Lets see if they shrink a lot But I will embrace my natural shape no matter what❤️ #breastimplants #beforeandafter #fitmom #breastimplantillness #explant #breastfeeding #hashimotosdisease #cancer #fitnessmodel #breastaug #boobjob #breastcancer #arthritis #ibs #eczema #jointpain #fibromyalgia #lymedisease #healthylifestyle #healthiswealth #toxictits #mommymakeover #newmum #mummy #mommyblogger #mummyblogger #newborn

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Und tatsächlich steigt auch die Zahl der Frauen, die den Fremdkörper in ihrer Brust wieder loswerden wollen. Während in Tanzellas Klinik noch vor ein paar Jahren 10 bis 20 Silikonimplantate pro Jahr entfernt wurden, ist die Zahl in den letzten zwei Jahren sprunghaft angestiegen. Heute sind es bereits 20 Implantate in drei Monaten.

Dass Tanzella vermehrt Fälle der Breast Implantat Illness behandelt, liegt aber auch daran, dass sich die Parkklinik als einige von wenigen spezifisch mit der Thematik der Breast Implantat Illness befasst und sich deshalb speziell Patienten mit dieser Problematik bei ihr melden.

Warum warnen die Ärzte nicht deutlicher vor den Folgen?

Erste Ärzte haben sich mittlerweile dazu entschlossen, keine Silikonimplantate mehr einzusetzen. Zu groß ist die Sorge, den Frauen damit zu schaden. Dennoch zeigen die Homepages der Schönheitsärzte, dass die Mehrzahl von ihnen eine Breast Implantat Illness nicht thematisiert. Woran liegt das?

„Die Erfahrungen mit den betroffenen Frauen zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Brustimplantaten und all diesen Symptomen und Beschwerden geben muss. Aber bislang gibt es nur Vermutungen, noch keine sauber angelegten Studien, die eindeutig feststellen, dass Brustimplantate zahlreiche Erkrankungen hervorrufen. Aber nur weil dieser Zusammenhang noch nicht wissenschaftlich untersucht wurde, bedeutet das nicht, dass es die Breast Implantat Illness nicht gibt“, macht Tanzella deutlich.

In den USA ist die Diskussion über die Erkrankung bereits in vollem Gange. Die Arzneimittelbehörde ist mittlerweile alarmiert, die ersten Forschungen sollen starten. Doch valide Ergebnisse solcher Studien brauchen Zeit. Da es nicht nur viele Frauen braucht, die sich untersuchen lassen. Sondern auch Patienten, die über zehn, zwanzig Jahre begleitet werden. Die Studien sollen auch herausfinden, wieso manche Frauen die Brustimplantate scheinbar über Jahre hinweg gut vertragen und andere bereits nach zwei Jahren extreme Beschwerden haben. Sind es genetische Faktoren? Liegt es an etwas anderem? Bislang sind das Fragen, die kein Arzt wirklich sicher beantworten kann.

Und auch hier soll ab Sommer 2021 ein verpflichtendes Implantateregister eingeführt werden, um Risiken und Nebenwirkungen systematisch zu erfassen.

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Viele Frauen lassen sich die Silikonimplantate wieder entfernen

Was man jedoch sicher weiß ist, dass der Körper keinen Fremdkörper in sich duldet. Deshalb bildet er eine Art Schutzfilm, die sogenannte Kapsel, um das Implantat, sodass dieses nicht mit direkt mit dem Körper in Verbindung kommt. „Ich gehe davon aus, dass dieser ständige Aufbauprozess dieses Schutzfilms eine starke Immunantwort des Abwehrsystems fordert, die dann für andere Krankheitserreger und Probleme fehlt“, erklärt Tanzella.

Welche Alternative haben Frauen?

Zum einen sollte jede Frau einmal überlegen, ob ihr Leidensdruck tatsächlich so groß ist, dass sie sich einer OP unterziehen will oder ob sie sich nicht mit ihrem eigenen Körper anfreunden kann. Denn letztlich ist und bleibt kein Körper perfekt, selbst wenn die gefakten Bilder in den Sozialen Netzwerken den Druck auf Frauen erhöhen können.

Silikonimplantate können zu Problemen führen
Silikonimplantate rufen bei manchen Frauen Beschwerden hervor(Photo: Shutterstock/ Josep Suria)

Für diejenigen, die mit ihrer Brustform und Brustgröße sehr unglücklich sind, aber dennoch keine Silikonimplantate einsetzen wollen, bieten Tanzella und ihr Team mittlerweile auch eine Alternative an. Nämlich die Brustvergrößerung mit Eigenfett. Bei dieser Operation wird an bestimmten Stellen Körperfett abgesaugt, gereinigt und aufbereitet und in die Brüste eingespritzt.

Der Vorteil bei dieser OP: Problemzonen wie etwa Reiterhosen werden entfernt und die Brüste den eigenen Vorstellungen angepasst. Es bleiben kaum sichtbare Narben. Und die Frau implantiert keinen Fremdkörper, sondern körpereigenes Material. Die Brust fühlt sich komplett natürlich an und verhält sich auch so. „Zudem können wir die Brust mit dieser Methode noch besser und individueller formen als mit einem vorgefertigten Implantat“, berichtet Tanzella.

Und auch Lukas Prantl, der Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurge empfiehlt diese Methode. „Eine Brustvergrößerung mit Eigenfett ist aus meiner Sicht das sinnvollste Verfahren“, erklärt er im Gespräch mit wmn.

Brustvergrößerung mit Eigenfett vs Silikon

Aber die Methode hat auch einen Nachteil: Man kann mit dieser Eigenfett-Methode seine Brust nicht beliebig vergrößern. Wer also von einem kleinen A-Körbchen auf ein pralles C kommen will, muss mehrere Eingriffe in Betracht ziehen. Pro Operation werden ungefähr 500 ml Fett abgesaugt. Auf jeder Seite können dann wiederum je 250 ml Fett eingespritzt werden. Doch nicht alles wächst auch an. Sondern lediglich 70 bis 80 %. Im Durchschnitt kann mit einer OP die Körbchengröße zwischen einem halben und einem Cup vergrößert werden.

Silikonimplantate
Während einige Frauen die Silikonimplantate gut vertragen, treten bei anderen viele Symptome auf(Photo: shutterstock/ dimitrii d)

Die Technik wird seit mehreren Jahren angewendet und die Ergebnisse werden immer besser. „Früher stand die Frage im Raum, ob mit der OP ein erhöhtes Risiko für Brustkrebserkrankungen einhergeht, aber das haben Studien mittlerweile eindeutig ausgeschlossen“, erklärt Tanzella.

Nichtsdestotrotz handelt es sich auch bei der Brustvergrößerung mit Eigenfett um eine Operation, sodass auch hier potenzielle Risiken, wie etwa Blutergüsse und Schwellungen beachtet werden müssen, diese gehen aber nach ein paar Wochen wieder zurück. Aber auch Zysten in der Brust und Dellen im abgesaugten Bereich sind nicht ausgeschlossen. „Obwohl das Risiko dafür sehr gering ist“, erklärt Tanzella.

Fazit

Was also bleibt aus all den Informationen? Wer sich wirklich einer Schönheitsoperation unterziehen will, sollte sich vorher über die Nebenwirkungen und Risiken informieren. Ganz ohne? Geht es anscheinend noch nicht.

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