Fruchtbarkeitsapp
Fruchtbarkeits-App: Allein darauf sollten sich Frauen nicht verlassen (Photo: Adene Sanchez/ istock) Source: Adene Sanchez/ istock

Fruchtbarkeitsapps: Wieso wir uns nicht auf sie verlassen sollten

Viele Paare nutzen Fruchtbarkeits-Apps für ihre Familienplanung. Doch: Experten warnen vor den Apps. Und das hat zwei Gründe.

Sie sind die digitale Freundin von Frauen. Sie wissen ganz genau, wann wir schlecht gelaunt sind, ob wir Bauchkrämpfe oder PMS haben, wann wir das letzte Mal mit unserem Freund Sex hatten und ob wir ein Kind bekommen wollen oder nicht. Sie heißen Clue, Flo oder Life und sollen unser Leben einfacher machen. Die Rede ist von den sogenannten Fruchtbarkeits-Apps.

Forscher testen Fruchtbarkeits-Apps & das ist das Ergebnis

Die Apps laufen im Hintergrund auf unserem Smartphone und bekommen dennoch mit, was sich in unserem Leben so abspielt. Aber wie genau und wie sicher sind sie eigentlich? Genau das haben sich Forscher vom University College London einmal angeschaut.

Das Ergebnis: Über die Hälfte der Fruchtbarkeits-Apps ermittelt den Eisprung allein anhand der Zyklusdaten, die die Frauen eintragen. Und dabei wird der Eisprung auf den 14. Tag des Zyklus gelegt. Das verheerende ist jedoch, dass gar nicht jede Frau an diesem Tag ihren Eisprung hat. Der Mittelwert liegt eher beim 17. Tag, wie die Forscher monieren. Die Spannbreite kann groß sein. Außerdem kann die Zykluslänge auch immer wieder schwanken.

Weitere Infos, die mehr über die fruchtbaren Tage der Frau verraten können, wie zum Beispiel die Temperaturmessung, die Konzentration von bestimmten Hormonen oder das Beobachten des Zervixschleims, lassen nur ein Viertel der Apps zu.

Aber Achtung: Viele der Apps, die diese zusätzlichen Funktionen unterstützen, nehmen dennoch ausschließlich die Daten aus dem Kalender, um den Eisprung hervorzusagen. Das könnte dazu führen, dass sich die Paare entweder in falscher Sicherheit wiegen oder aber den richtigen Zeitpunkt für ein Schäferstündchen verpassen.

Lediglich 57 % der Apps haben die Frauen davor gewarnt, dass die Aussagen nicht ganz zuverlässlich sind.

Frauen könnten sich fragen: "Bin ich eigentlich normal?"

Die Forscher kritisieren aber auch, dass die Fruchtbarkeits-Apps auf einen 28-Tage-Zyklus ausgelegt sind. Aber manche Frauen haben einen längeren oder kürzeren Zyklus und könnten deshalb verunsichert sein, ob mit ihnen etwas nicht stimmt.

Weitere Kritik für die Fruchtbarkeits-Apps

Längst ist diese Studie nicht die erste, die die Schattenseiten der Fruchtbarkeits-Apps aufdeckt.  Andere Experten haben in der Vergangenheit ebenfalls auf die fehlende Intimsphäre der Apps hingewiesen. Denn diese sammeln sensible Daten von uns, die Unternehmen gezielt für die Werbung nutzen könnten. 

Laut einer Studie der Universität Princeton sind die durchschnittlichen Marketingdaten eines Menschen etwa 0,10 US-Dollar wert. Bei einer schwangeren Frau steigt er sogar auf 1,50 Dollar. Denn das erste Baby braucht oftmals eine neue und teuere Rundumausstattung.  Angefangen bei den Kinderwagen, weiter geht es mit einem Bettchen, dem Spielzeug oder auch der Kleidung.

Fruchtbarkeits-Apps
Fruchtbarkeits-Apps: Allein darauf verlassen, sollten sich Frauen, die Kinder bekommen wollen nicht.(Photo: WAYHOME studio/ shutterstock)

Und auch Datenschützer warnen davor, dass die Apps die Daten ihrer Nutzerinnen mit Facebook teilen. Und das selbst dann, wenn diese gar keinen eigenen Account besitzt.

Für großes Aufsehen hat aber auch eine amerikanische Firma gesorgt. Denn diese wollte mit den Daten der Fruchtbarkeits-Apps herausfinden, ob die Frauen im Betrieb gerade schwanger sind oder es werden wollen. Während die Firma so mehr Planungssicherheit erhalten wollte, sollten die Mitarbeiterinnen eine bessere Gesundheitsvorsorge bekommen. Doch Kritiker befürchten, dass der Arbeitgeber so die Karrieren von Frauen gezielt beeinflussen kann.

Fazit: Ihr solltet andere Methoden in Betracht ziehen

Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, sollte sich deshalb nicht nur auf seine Fruchtbarkeits-App verlassen. Sondern lieber den Zervixschleim überprüfen oder die Basaltemperatur messen.

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