Das erste Jahr mit Baby: "Eine echte Grenzerfahrung!"

Ein Baby stellt das Leben gehörig auf den Kopf. Hier berichten Eltern, wie sie die das erste Jahr als Familie empfunden & gemeistert haben.

Ihr könnt Ratgeber wälzen, zig Kurse besuchen, eure Freunde und Eltern aushorchen und doch wird euch nichts, aber auch gar nichts wirklich auf die Elternrolle vorbereiten können. Gerade das erste Jahr mit Baby ist für Paare oft eine echte Belastungsprobe.

Kurz nach der Geburt sind die meisten Eltern im Glückstaumel. Doch es dauert nicht lange, bis die Realität knallhart zuschlägt und der Schlafmangel der Erwachsenen und die Schreiphasen des Babys an den Nerven zerren.

wmn hat sechs Mütter und Väter gefragt, wie sie die Herausforderungen im ersten Babyjahr gemeistert haben. Sie verraten euch, was für sie besonders schön, besonders schwer und unerwartet war – und sie geben Tipps für Paare, die diese aufregende, glückliche, aber auch sehr anstrengende Zeit noch vor sich haben. 

Emma (36), 2 Jungs (10 Monate & 4 Jahre)

 Als Eltern gibt es kaum Erholung – Emma

wmn: Was ist unerwartet?

Emma: Wie intensiv das erste Jahr mit einem Baby dann doch ist. Bei der Arbeit konnte ich 5 Tage durchpowern und wusste aber, dass ich mich am Wochenende erholen kann. Als Eltern gibt es diese freien Tage nicht. Das ist eine 180-Grad-Drehung.

Und mit dem zweiten Kind ist das noch extremer. Irgendwie ist jeder von uns „alleinerziehend“. Ich kümmere mich hauptsächlich wegen des Stillens um den Kleinen und mein Mann bespaßt den Großen. Aber anders als wirkliche Alleinerziehende teilen wir uns die Verantwortung und können uns austauschen und auch abwechseln.

Trotzdem stecken wir gerade noch voll im Überlebensmodus. Zum Glück weiß ich vom ersten Mal, dass diese Phase auch wieder vorbeigeht und es dann auch mehr Zeit zu zweit geben wird.

wmn: Was ist am schwersten?

Emma: Der Schlafmangel hat mich komplett aus der Bahn geworfen. Ich bin unwahrscheinlich dünnhäutig, wenn ich nicht genug schlafe. Ihn nicht wirklich nachholen zu können, hat mich echt richtig wütend gemacht. 

wmn: Was ist am schönsten?

Emma: So verrückt es klingt, aber die Corona-Zeit hat uns richtig gutgetan. Wir waren non-stop mit den Kindern zusammen. Das war zwar anstrengend, aber auch extrem schön und intensiv. So sind wir zu viert noch mal ganz anders zusammengewachsen. 

wmn: Welche Tipps hast du für zukünftige Eltern?

Emma: Habt keine Erwartungen, nehmt euch nicht zu viel vor und versucht den Zustand einfach anzunehmen. Es sind alles nur Phasen. Beim ersten Kind habe ich noch alles zum Thema Schlafprobleme beim Baby gegoogelt, beim zweiten habe ich einfach akzeptiert, dass der Kleine immer wieder wach wird.

Papa Baby
Vom Partner zum Papa: In den ersten Monaten muss man sich erst einmal in die neuen Rollen einfinden.(Photo: Unsplash/Katie Emslie)

Max (33), 1 Jungen (4 Jahre) & 1 Mädchen (10 Monate)

Jede Sekunde, die wir zusammen lachen ist schön!– Max

wmn: Was ist unerwartet?

Max: Auf die Glücksgefühle, aber auch den Schlafmangel und das Chaos im ersten jahr mit Baby war ich eingestellt. Aber ich hätte nie gedacht, dass wir mitten in der Nacht voller Sorge ins Krankenhaus fahren, weil das Kind Krankheiten hat, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte.

Drei-Tages-Fieber, Pseudokrupp, Hand-Fuß-Mund-Krankheit – die meisten stellten sich glücklicherweise als relativ harmlos heraus. 

wmn: Was ist am schwersten?

Max: Zu akzeptieren, dass durch das Kind andere Prioritäten wie Arbeit, Partnerin, Freunde und Hobbys nicht mehr so leicht unter einen Hut gebracht werden können.

Für eine gewisse Zeit hat der kleine Mitbewohner die komplette Aufmerksamkeit, aber irgendwann muss der Alltag wieder seinen geregelten Gang gehen. Das funktioniert aber nicht immer.

wmn: Was ist am schönsten?

Max: Jede Sekunde, die wir zusammen lachen, ist schön! Außerdem haben mich die ganzen Premieren im ersten Jahr mit Baby begeistert. Das erste Mal Krabbeln, das erste Mal Stehen, das erste Mal Laufen und das erste Mal „Papa“ sagen haben mich total stolz gemacht.

wmn: Welche Tipps hast du für zukünftige Eltern?

Max: Macht euch locker, es ist alles nur eine Phase! Und: Jedes Kind ist anders. Lasst euch da nicht von anderen, besonders nicht von euren Eltern, verrückt machen.

Eltern Baby glücklich
Mit der Geburt eines Babys ändert sich auch viel in der Partnerschaft.(Photo: Shutterstock/Flamingo Images)

Katharina (34), 1 Junge (7 Monate) 

Manchmal habe ich das Gefühl, ich habe mein komplettes Leben verloren – Katharina

wmn: Was ist unerwartet?

Katharina: Wie sehr ich in dem ersten Jahr mit Baby zwischen zwei Phasen schwanke. In der einen bin ich mega happy, so viel Zeit mit dem Kleinen zu verbringen. Ich kann jede noch so kleine Entwicklung selbst beobachten und kenne ihn im Prinzip von allen am allerbeste. Ich treffe mich dann auch gerne mit andern Muttis und quatsche über Babythemen, gehe kilometerweit spazieren und genieße die Zeit.

Dann gibts die andere Phase. In der fühle ich mich wie ein Heimchen am Herd und habe das Gefühl, ich hätte mein komplettes Leben verloren. Ich denke an meine Rentenpunkte, die mir flöten gehen und heule, weil mein Tag aus Kind, Einkauf, Haushalt und Kochen besteht. Ich treffe mich dann lieber mit kinderlosen Freunden und merke, dass ich gerade nichts zu erzählen habe, außer dem tollen Move, den mein Kind grade gemacht hat. Das ist ganz schön frustrierend! 

wmn: Was ist am schwersten?

Katharina: Dass man für diese Arbeit keine Anerkennung bekommt. Man ist abends nur platt und denkt sich: "Toll, morgen alles von vorne!"

wmn: Was ist am schönsten?

Katharina: Genau dann, wenn ich gerade in einem Tief bin, macht das Baby wieder irgendwas Bezauberndes und reißt mich aus der schlechten Laune raus und die gute Phase bricht wieder an.

wmn: Welche Tipps hast du für zukünftige Eltern?

Katharina: Man muss wirklich darauf achten, dass man sich seinen Ausgleich schafft und sich Freiräume einfordert, sonst bleibt man auf der Strecke.

Mama Baby kuscheln
Ein Baby braucht seine Bezugspersonen Tag und Nacht. Das kann schon mal überfordern.(Photo: iStock/milorad kravic)

Franziska (40), 1 Jungen (5) & 1 Mädchen (15 Monate): 

Das Leben ist viel turbulenter – Katharina

wmn: Was ist unerwartet?

Franzsika: Ich hätte nicht gedacht, dass das erste Jahr mit Baby beim zweiten Kind so anders verläuft als beim Ersten. Damals hatte ich die Möglichkeit, mich öfter mit dem Baby zurückzuziehen und auch mal zwischendurch zu schlafen. 

Mit zwei Kindern ist das kaum noch möglich und das Leben ist viel turbulenter. Außerdem hat sich unser Zeitkontingent noch mal halbiert. Wir hatten so viele Pläne, aber die ließen sich leider nicht wirklich umsetzen.

wmn: Was ist am schwersten?

Franziska: Prägend war auf jeden Fall Corona. Wir konnten die Monate nicht so flexibel nutzen, wie wir das geplant haben. Unser Elternzeit-Urlaub fiel ins Wasser und wir verbrachten stattdessen viel Zeit zuhause.

Aber dadurch haben wir eine sehr intensive Zeit zusammen gehabt. Alle haben eine Wahnsinnsverbindung zueinander. 

wmn: Was ist am schönsten?

Franziska: Zu sehen, wie aus den beiden Geschwisterkindern ein tatsächliches Geschwisterpaar geworden ist, war superschön! 

wmn: Welche Tipps hast du für zukünftige Eltern?

Franziska: Versucht euch zu entspannen. Das ist einfacher gesagt als getan. Aber jetzt, als Zweifach-Mama bin ich viel relaxter, selbstsicherer und lasse mich nicht so schnell von Kleinigkeiten aus der Bahn werfen.

Trotzdem muss man auch ganz klar sagen: Jedes Kind ist anders. Durch die Erfahrung mit dem ersten Kind habe ich schon verschiedene Skills bekommen, die mir aber beim zweiten nicht unbedingt helfen. Man lernt also nie aus.

Mama Baby müde
Eigentlich muss sich der Körper noch von der Schwangerschaft und Geburt erholen, doch das Baby hat eben seine Bedürfnisse.(Photo: Shutterstock/Jelena Stanojkovic)

Carla (37), 1 Jungen (5 Jahre) & 1 Mädchen (11 Monate): 

Eine echte Grenzerfahrung – Carla

wmn: Was ist unerwartet?

Carla: Ich hätte nie gedacht, dass ich körperlich so abbauen würde. Ich war vor den Schwangerschaften fit, war regelmäßig Joggen und habe Yoga gemacht. Aber die schweren Geburten, das Stillen, das ständige Tragen, der wenige Schlaf, das Immer-Präsentsein im ersten Jahr mit Baby haben irgendwann ihren Tribut gefordert. 

Ich hatte lange Zeit Rücken-und Kopfschmerzen, war unausgeglichen und leicht reizbar. Erst jetzt, nach einigen Monaten finde ich langsam wieder zu mir zurück.

wmn: Was ist am schwersten?

Carla: De facto keine Zeit für sich zu haben. Gerade in den Phasen, in denen das Kind krank ist, zahnt oder aus irgendeinem anderen Grund nur auf meinem Arm ruhig ist, gehe ich auf dem Zahnfleisch.

Besonders fies ist es, wenn das Baby krank ist und man sich auch noch ansteckt. Man muss funktionieren, obwohl man eigentlich nur im Bett vor sich hinvegetieren will. Eine echte Grenzerfahrung. 

wmn: Was ist am schönsten?

Carla: Natürlich sind die ersten Tage etwas ganz Besonderes. Wenn man das kleine Wesen endlich das erste Mal sehen und berühren darf, sich jedes noch so kleine Detail ganz genau ansieht.

Aber ich finde auch die späteren Momente wundervoll. Wenn sie dich ganz fest drücken und dir sagen, dass sie dich lieb haben – einfach unbeschreiblich.

wmn: Welche Tipps hast du für zukünftige Eltern?

Carla: Scheißt einfach auf diese einschlägigen Ratgeber! Ich habe mich so verunsichern lassen und ein Dutzend davon zumindest angelesen und festgestellt, dass ich das auf keinen Fall so machen werde und lieber auf mein Bauchgefühl vertraue. 

Baby Hand Papa
Schlafen, stillen, wickeln, pflegen, spielen, kuscheln – ein Baby fordert viel Aufmerksamkeit ein.(Photo: Unsplash/Kelly Sikkema)

Stefan, (29), 1 Mädchen (16 Monate)

Die Partnerschaft bleibt teilweise auf der Strecke – Stefan

Was ist unerwartet? Unsere Kleine kam fast 5 Wochen zu früh. Wir waren gerade im Urlaub in Dänemark und wollten vor der Geburt noch mal die Akkus aufladen. Aber dann mussten wir direkt ins Krankenhaus. Zum Glück war unser Baby gesund und auch meiner Freundin ging es gut.

wmn: Was ist am schwersten?

Stefan: Ich war an irgendeinem Punkt im ersten Jahr mit dem Baby echt geschockt, wie sehr man immer mehr zu Eltern und immer weniger ein Paar wird. Man bespricht viele Orga-Sachen, aber die Partnerschaft bleibt teilweise auf der Strecke.

Zum Glück haben wir Support von der Familie, sodass wir zwischendurch mal allein essen gehen oder – unser absolutes Highlight bisher – ein gemeinsames Wochenende verbringen können.

wmn: Was ist am schönsten?

Stefan: Wenn sie friedlich auf meiner Brust einschläft. Wenn sie mich morgens direkt anstrahlt. Wenn sie über meine Grimassen lacht. Wenn sie mir einen Knutscher aufdrückt. Da gibt es sehr viele schöne Dinge. 

wmn: Welche Tipps hast du für zukünftige Eltern?

Stefan: Teilt euch die Arbeit mit dem Kind fair auf. Wir waren und sind da ziemlich strikt. Wenn sie die Nachtschicht hatte, hab ich mich am Morgen gekümmert und andersherum. Wir führen da eine ziemlich gleichberechtigte Beziehung. 

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