Familienplanung Frau mit Baby
Wir müssen aufhören Frauen immer nach der Familienplanung zu fragen. (Photo: UZphoto/ Shutterstock) Source: Pixabay

Hört auf, Frauen nach der Familienplanung zu fragen

Früher habe ich Singles und Paare nach der Familienplanung gefragt. Doch ein schrecklicher Moment hat meine Sichtweise geändert...

Es war vor ungefähr 5 Jahren, als ich bei meiner Frisörin auf der Couch saß und mit ihr über das Leben in Berlin quatschte, während sie mir übers Haar bürstete. Wir kennen uns seit mehr als 13 Jahren und sprechen demtentsprechend auch mal über das ein oder andere Private. Aber nichts wirklich Intimes. Doch dieser eine Tag vor 5 Jahren bleibt ein Tag, an den ich immer wieder denken muss. Und der mich nicht los lässt. 

Die Frage nach der Familienplanung

Sie erzählte mir von ihrer Arbeit, ihren Freunden und irgendwann auch von ihrem Mann. Die Stimmung war locker. Also fragte ich irgendwann: "Wie sieht es eigentlich bei euch beiden aus mit der Familienplanung? Wollt ihr keine Kinder?" Kaum war die Frage ausgesprochen, ließ sie die Bürste sinken und wurde ganz still. "Also, ich frag mich nur, wann es bei euch beiden so weit ist, du liebst Kinder doch so", ergänzte ich. Dann herrschte Stille. Und sie begann zu weinen. 

"Wir haben es jahrelang versucht. Es hat nicht geklappt". Fast sieben Jahre hatten sie und ihr Mann alles getan um, ein Kind zu bekommen. Selbst mehrere Versuche mit der künstlichen Befruchtung schlugen fehl. In dieser Zeit haben die beiden nicht nur viel Geld verloren, sondern auch Kraft und die Hoffnung, dass es irgendwann doch noch mal klappt. Erlebnisse, die die beiden prägen. Und Geschehnisse, die immer noch verletzen. 

Vor 5 Jahren war ich 24 Jahre alt. Ich hatte mich bis zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich mit dem Thema Familienplanung auseinandergesetzt. Ich war jung und für mich standen Studium und Arbeit im Vordergrund. Dass es in der Hinsicht ein Problem geben könnte? Davon hatte ich schon mal gehört. Aber mich noch nie bewusst auseinandergesetzt. 

Ganz und gar nicht wollte ich meine Frisörin mit meiner Frage verletzen. Ganz im Gegenteil. Ich interessierte mich aufrichtig für sie. Ich wollte vom Small Talk weg und Nähe zu ihr aufbauen. Aber heute weiß ich, dass ich mit meiner Frage nach der Familienplanung Wunden aufgerissen habe, die sie vielleicht sorgsam verschließen wollte. 

familie zu Weihnachten familienplanung
Nicht jede Frau träumt von der heimeligen Familie.(Photo: Unsplash)

Die Frage nach dem Kinderwunsch ist omnipräsent

In unserer Gesellschaft sind Fragen nach der Familienplanung normal. Wir wollen wissen, wie Bekannte und Freunde ihr Leben planen, wir wollen Anteil nehmen und auch irgendwie unsere Neugierde stillen. An sich ist das nichts Verwerfliches. Aber: Dabei vergessen wir, dass jeder Mensch eine eigene Geschichte und damit ein eigenes Päckchen an Verletzungen, Wut und Trauer mit sich trägt.

Wenn wir also nach Kindern und der weiteren Familienplanung fragen, riskieren wir, andere ständig an ihre Verletzungen zu erinnern, die sie vielleicht gerne vergessen würden. Heute, 5 Jahre nach dem Vorfall bin ich in einem Alter, in dem viele Frauen ein Kind bekommen. Auch viele meiner Freundinnen. Mein Freund und ich sind seit fast 10 Jahren zusammen und wollen auch irgendwann Kinder bekommen. Und so werden auch wir auf Parties immer wieder gefragt, wann es denn bei uns beiden soweit ist. Mich persönlich? Stört die Frage nicht.

Aber ich stelle sie anderen Pärchen nicht mehr. Ich möchte nicht noch mal diejenige sein, die die Partystimmung crasht und bei anderen das Pflaster schmerzhaft von der Wunde reißt. Denn ganz ehrlich, wir wissen doch nie, woran es liegt, dass ein Pärchen keine Kinder hat. 

Frauen nach der Familienplanung fragen
Wieso wir nicht jeden nach der Familienplanung fragen sollten

Vielleicht will er Kinder haben, aber sie sträubt sich dagegen, weil sie einfach keine Mama sein will? Und vielleicht will sie auch nicht das Gefühl haben, sich dafür vor mir rechtfertigen zu müssen? Vielleicht würde das Paar gerne Kinder bekommen, kann es sich aber finanziell nicht leisten. Vielleicht probieren es die beiden seit Jahren und es funktioniert nicht, weil er Erektionsstörungen hat. 

Vielleicht gab es eine Fehlgeburt und der Verlust darüber ist so schmerzhaft, dass nun eine Therapie notwendig ist? Vielleicht wollen die beiden aber auch einfach keine Kinder in diese Welt setzen. Oder vielleicht bekommt ein homosexuelles Paar auch nur Absagen, wenn es um eine Adoption geht? Wie auch immer. 

Es gibt zig Gründe, wieso jemand keine Kinder haben kann oder haben will. Und ich habe mir vorgenoommen, nicht diejenige zu sein, die flüchtige Bekannte mit einer einfachen Frage in die Ecke drängt, über die intimsten Gedanken und Wünsche zu sprechen. Aber ich möchte auch nicht diejenige sein, die in die Schranken gewiesen wird und wegen der jemand anderes dann womöglich noch abends mit schlechtem Gewissen reflektiert, ob das in die Schranken weisen auch wirklich angebracht war. 

Fazit: Werdet euch über die Wirkung der Frage bewusst

Natürlich heißt das nicht, dass ich nie wieder mit meinen Freundinnen über das Thema sprechen kann oder will. Ganz im Gegenteil. Aber ich vertraue darauf, dass diejenigen, die darüber sprechen wollen, es von alleine zum Thema machen, ohne dass ich es forcieren muss. Und natürlich bedeutet das nicht, dass mir in Zukunft die Frage nach der Familienplanung nicht noch mal unbewusst rausrutscht oder in jeder Situation unangemessen ist. Aber aus meiner Sicht sollten wir die Frage nach dem Kinder kriegen etwas bewusster stellen.

Das Nachhaken nach der Familienplanung ist vielleicht doch etwas intimer und tiefgreifender als die Frage nach dem Lieblingsessen oder dem Lieblingsfilm. Denn nicht jeder Mensch ist gleich. Und nur weil mich oder dich die Frage nicht aus den Socken haut, bedeutet das nicht, dass sie bei anderen nicht vielleicht doch sehr schmerzhafte Erinnerungen weckt. 

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