Taiwan – der kleine Inselstaat galt lange als Musterbeispiel für ein hervorragendes Corona-Management. Denn am Anfang der Krise haben andere Länder noch über die Gefahr des Virus diskutiert, während das ostasiatische Land blitzschnell handelte. So wurden die Grenzen dicht gemacht, die Infektionsketten rigoros unterbrochen, Infizierte schnell in Quarantäne gebracht und die Maskenproduktion hochgefahren.

Mit Erfolg: Monatelang gab es keine einzige Neuinfektion. Die Menschen lebten ihr Leben weitgehend normal und feierten Parties ohne Maske und Abstand, während Deutschland im Jojo-Lockdown hockte. Die Corona-Gefahr schien gebannt. Bis jetzt. Denn am letzten Montag (17. Mai) verzeichnete Taiwan 323 Corona-Infektionen. Wieso ist das Virus plötzlich zurück?

Taiwan: Das Coronavirus kommt zurück

In Taiwan leben rund 24 Millionen Menschen, aber lediglich 2.000 von ihnen haben sich in den letzten Monaten mit dem Coronavirus infiziert. Doch seit ein paar Tagen herrscht auf der Insel Alarmstimmung. Denn die Zahlen schnellen wieder in die Höhe und erreichen fast einen Wert von 5.000 Infizierten. Zwar konnten die Behörden die genauen Infektionsketten nicht nachverfolgen, doch es wird vermutet, dass Pilot:innen das Virus eingeschleppt und es dann in mehreren Bordellen verbreitet haben.

Wie reagiert Taiwan auf die neuen Corona-Fälle?

Mittlerweile sind Taiwans Straßen gespenstisch leer. Kabaretts, Kinos, Friseure, Fitnessstudios und Spielhallen sind dicht. Und auch eine Kontaktbeschränkung gilt: Im Haus dürfen maximal fünf Personen zusammen kommen und draußen höchstens zehn Menschen. Tägliche Pressekonferenzen sollen rund um die Virusverbreitung aufklären. Und: Wer ohne Maske auf die Straße geht, darf circa 400 Euro hinblättern.

Dass Taiwan bislang so glimpflich durch die Corona-Krise gekommen ist, könnte der Insel nun zum Verhängnis werden. Denn die Infektionsgefahr war so niedrig, dass sich bislang nur wenige Menschen gegen das Coronavirus haben impfen lassen, weshalb das Land nun verstärkt auf die Immunisierung mit AstraZeneca setzen will.

Globale Auswirkungen

Nicht nur Gesundheits-, sondern auch Finanzexpert:innen betrachten die steigenden Corona-Fälle in asiatischen Ländern wie Taiwan und Thailand mit großer Sorge. Denn je höher die Infektionszahlen dort steigen, desto größer wird auch das Risiko, dass globale Lieferketten unterbrochen werden. Denn in Taiwan sitzen viele Hightechfirmen, die elektronische Produkte herstellen, auf die zum Beispiel die chinesischen Fabriken angewiesen sind. Im Klartext bedeutet das: Verzögerungen vor Ort könnten auch zu weltweiten Verzögerungen in der Handelskette führen.

In Taiwan ist noch kein Ende in Sicht

Wie schnell Taiwan die Corona-Krise in den Griff bekommen wird, bleibt abzuwarten. Eine Herausforderung für den Inselstaat könnten vor allem die ansteckenderen Virusmutationen sein, mit denen die Insel bislang noch keine Erfahrung gesammelt hat. Doch wenn Taiwans Weg Eines zeigt, dann ist es die Tatsache, dass eine schnelle Reaktion der Regierung sehr wirksam ist und vor allem offenbart der Weg auch, wie schnell die trügerische Sicherheit wieder kippen kann.

Mehr zum Thema Taiwan & Corona gefällig? Wir haben bereits vor ein paar Monaten berichtet, wie Taiwan die Krise schnell in den Griff bekommen hat. Hier kannst du es noch einmal nachlesen.