Eine Studie der American Psychological Association hat jetzt herausgefunden, dass 49 Prozent der Erwachsenen sich unwohl fühlen zu engen Treffen mit Freund:innen oder Bekannten nach der Pandemie zurückzukehren. Das zeigt: Die Ungewissheit, die uns nach der Pandemie bevorsteht, macht uns Angst. Und das ist auch komplett normal. An Social Anxiety leiden gerade viele Menschen verständlicherweise. Wie du diesen Zustand überwinden kannst, erfährst du hier.

Die Fälle von Social Anxiety sind rapide gestiegen

Wenn du momentan Angst davor hast, wieder unter Leute zu gehen, obwohl du deine Freund:innen vermisst hast, dann bist du nicht alleine. Es ist ein häufiges und verständliches Phänomen, was sich als Social Anxiety beschreiben lässt.

Social Anxiety kann man als Sozialphobie bezeichnen: Man fühlt sich unwohl in der Außenwelt und hat Angst von anderen für seine Verhaltensweisen verurteilt zu werden. Dass die Anzahl der Menschen mit Social Anxiety während der Corona-Krise extrem gestiegen ist, ist nicht verwunderlich.

Zusätzlich zu Social Anxiety: ‚Heatwave Guilt‘

Jetzt, wo die Tage wärmer werden, trifft uns allerdings nicht nur das unangenehme Gefühl von Social Anxiety, sondern auch der ‚Heatwave Guilt‘ (zu Deutsch: Hitzewellen-Schuldgefühl).

Die Tage werden wärmer und länger und es wird regelrecht von einem erwartet, diese schöne Zeit zu nutzen und seine gesamte Zeit draußen zu verbringen. Auch wenn es dir noch so schlecht geht und du dich zusammenrollen möchtest: Du hast ein schlechtes Gewissen, das schöne Wetter nicht zu nutzen, weil es ja bald wieder vorbei sein könnte und die Posts auf Social Media über Freude und Sonnenschein helfen dort auch nicht.

Heatwave Guilt
Auch wenn der ‚Heatwave Guilt‘ dich manchmal überwältigt, ist es auch okay, drinnen zu bleiben. Credit: Marcin Jucha via canva

Aber: Es ist okay, mal nicht rauszugehen, wenn das Wetter wunderschön ist. Manchmal fühlst du dich nicht danach und musst deshalb auch kein schlechtes Gewissen haben, das BBQ deiner Freund:innen mal auszuschlagen. Nimm dir vielleicht auch eine Social Media-Auszeit. Durch die Storys deiner People wirst du dich unter Druck gesetzt fühlen und das ist das Letzte, was man in einer Post-Pandemic-World braucht, die einem schon starke Angst machen kann.

Die Angst vor dem Leben in einer Post-Pandemic-World

Die Psychologin Ellen Hendriks vom Centre for Anxiety and Related Disorders sprach bei BBC World News genau über dieses Thema und was man bei dieser Angst tun kann. Hendriks berichtet, dass Social Anxiety durch Vermeidung angetrieben wird. Die Menschheit habe ihr soziales Leben für über ein Jahr so sehr vermieden, dass es nun vollkommen normal sei, wenn sich das Post-Pandemic-Leben wie eine Gefahr anfühle.

Mädchen traurig am Schreibtisch mit Kopf auf dem Tisch
Nach fast einem Jahr Homeschooling und Homeoffice ist der Gedanke an das Leben nach der Pandemie für viele beängstigend. Credit: phototek / imago

Doch nicht nur das Vermeiden des sozialen Lebens treibt die Social Anxiety an. Die Unsicherheit bezüglich der Situation und des Coronavirus allgemein trägt zusätzlich zu einer gewissen Angst bei. Auch wenn wir Menschen „social animals“ sind, wie Hendriks es beschreibt, wurde uns gleichzeitig eingebläut, eben das nicht zu sein. Das steigert die Unsicherheit, die Vermeidung und damit die Social Anxiety.

Aus FOMO wird FOMU: Aus „fear of missing out“, die Angst, etwas zu verpassen, wird gerade „fear of meeting up“, die Angst, sich mit jemandem zu verabreden.

Wie du dir die selbst die Angst vor dem neuen Leben etwas nehmen kannst

Wir mussten uns schneller als uns lieb war an die isolierte Situation gewöhnen. Doch das kann auch ein Vorteil werden: Wir sind Gewohnheitstiere. Und genau deshalb können wir uns langsam, aber sicher auch wieder daran gewöhnen, unser Leben zurückzubekommen.

Aber was tun, wenn du dich in solch einer Situation wiederfindest und die Social Anxiety dir einen allgemeinen Strich durch die Rechnung macht?

  • Laut Hendriks sollst du genau auf das Gegenteil von Vermeidung setzen, was in diesem Sinne eine erneute Annährung an die Gesellschaft und die sozialen Kontakte ist.
  • Es ist wichtig langsam wieder ins Leben zurück zu finden, auch wenn du dich eingerostet und nervös fühlt.
  • Das Wiederaufnehmen von alten Aktivitäten, von Hobbies, von wöchentlichen Treffen sollte auch auf deinem Anti-Social-Anxiety-Plan stehen. Und auch wenn du ängstlich bist: Das ist kein Zeichen, dass etwas falsch läuft, sondern dass du dich selbst langsam wieder in dein altes Leben integrierst.

Und das Wichtigste – Hab Geduld mit dir selbst. Um es mit Hendriks Worten zu sagen: „It may take some time but we’ll get there“, also zu Deutsch: „Es mag eine Weile dauern, aber wir kommen dorthin.“

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