Auch wenn die Olympischen Spiele 2021 ohne Zuschauer:innen stattfinden, sitzen jeden Tag eine Menge Menschen vor den Bildschirmen und schauen sich einen der wichtigsten Sportwettbewerbe an. Gäbe es also einen besseren Zeitpunkt, um gegen Themen wie Bodyshaming und Sexualisierung vorzugehen? Das dachte sich wohl auch das deutsche Olympia-Turnteam und kämpft jetzt nicht nur um Medaillen, sondern auch gegen Sexualisierung.

Deutsches Olympia-Turnteam gegen Sexualisierung

Wohl jede:r kennt das Klischee der Turnerin in superenger und ultraknapper Kleidung. Doch ist dieses längst überholt. Immerhin lädt es viele Menschen dazu ein, den Körper der Sportlerinnen zu sexualisieren und unangemessene Kommentare von sich zu geben. Damit ist jetzt Schluss: Anstatt kurzer Outfits schlüpfen die deutschen Turn-Ladies nun in Ganzkörper-Anzüge.

Damit setzen die Tunerinnen nicht nur ein Zeichen gegen Sexualisierung. Sie machen auch klar, wie wichtig es ist, sich beim Sport wohlzufühlen. Durch bestimmte Kleidervorschriften wird das aber mehr als erschwert. So sagt Kunstturnerin Elisabeth Seitz gegenüber dem Sport-TV-Sender Eurosport: „Wir wollen zeigen, dass der Turnsport wunderschön ist und dass es dabei nicht darum geht, was man trägt. Das Wichtigste ist, dass sich die Turnerin wohlfühlt.“

Initiative „It’s my choice“ gegen Sexualisierung von Turnerinnen

Mit diesen Worten beschreibt die junge Frau die Initiative „It’s my choice“ (zu Deutsch: „Es ist meine Wahl“), welche schon vor den Olympischen Spielen gestartet ist und jetzt richtig an Fahrt aufnehmen soll. Die Sportlerinnen wollen sich nicht mehr vorschreiben lassen, was sie beim Turnen zu tragen haben. Und: Sie wollen auch nicht mehr zeigen, als nötig ist. Die Turnerinnen bewegen sich aufgrund ihrer Sportart sehr viel und die früheren Anzüge bedeckten gerade einmal den Schambereich. Ein ungünstiger Kamerawinkel oder eine „falsche“ Bewegung in einem tiefblickenden Skandal hätte jederzeit in einem Skandal enden können.

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„Es geht nicht darum, wenig anzuhaben, um gut turnen zu können. Man muss das anhaben, mit dem man sich wohlfühlen und wie man am besten turnen kann. Es ist auch ein Zeichen, gerade weil wir viele Spagate machen und doch relativ breitbeinig sind, dass sich jeder so präsentiert, wie er sich wohlfühlt. Das ist das Zeichen, das wir als Team setzen wollen“, sagt Elisabeth Seitz gegenüber dem Fernsehsender RTL.

Olympia-Trainerin des Turnteams reagiert auf Sexualisierung

Immer mehr Sportlerinnen äußern ihr Unbehagen über die knappe Uniform, die sie während ihres Sports tragen müssen. Für die Bundestrainerin Ulla Koch gab es deshalb keine Diskussion, als eine ihrer Athletinnen ihr sagten, dass sie sich „fast nackt“ fühlen würden. „Da muss man als Trainerin reagieren und sagen: Was kann man da machen?“ Schnell wurde eine Lösung gefunden: Drei Monate später waren schon die ersten Prototypen für einen neuen Anzug fertig.

Die sogenannten Unitards, wie die deutschen Olympia-Sportlerinnen sie nun tragen, sind seit 2009 zugelassen. Bisher wurden sie allerdings nur von muslimischen Sportlerinnen aus religiösen Gründen getragen. Und auch Elisabeth Seitz ist keine dogmatische Sportlerin. Sie möchte lediglich, dass jede Frau sich beim Sport machen wohl fühlen kann; egal, ob mit einem kurzen oder langen Anzug: „Ich fühle mich sehr wohl in den langen Anzügen, aber es ist tagesabhängig. Manchmal mag ich mehr Stoff, manchmal habe ich Lust auf weniger.“

Weiterlesen: Rund um Olympia 2021 gab es schon weitere Nachrichten, die zeigen, wie politisch die Spiele dieses Jahr sind. Unter anderem gab es einen Aufschrei zum Thema Badekappenverbot für Schwarze und bezüglich der Modest Swimwear für muslimische Frauen.

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