Wenn Frauen, die 90 Minuten pro Tag für den „perfekten“ Körper trainieren, auf Instagram unter Beweis stellen wollen, dass Schlanksein eine Sache von Posing und Lichteinstellung ist, kann das nach hinten losgehen. Ist es auch.

Zeigt her eure (einzige) Speckrolle!

Unter dem Hashtag #SameBodyDifferentPose findet man zur Zeit jede Menge schlanker Frauen auf halbnacken Spiegelselfies. Auf den Duofotos zeigen sich die Instagrammerinnen links mit definierten Bauchmuskeln, Wespentaille und – na klar –Tigh gap.

Und rechts findet man das „unperfekte“ Abbild der Realität. Soll heißen, hier durfte beim Fotografieren geatmet werden und eine betont lässige Pose, leicht vorn über gebeugt, wurde eingenommen. Schön, denke ich mir. Jetzt bin ich noch frustrierter, weil diese Frauen auch mit Blähbauch besser aussehen als ich mich fühle. 

Nun ist es natürlich eine Frage der Einstellung und ja – der Selbstliebe, wie man sich im Vergleich zu Frauen betrachtet, die mit ihren Fotos auf Instagram ihren Lebensunterhalt verdienen. Selbst Schuld, könnte man mir also vorwerfen. Dann love yourself halt ein bisschen mehr. 

„Same Body, different Pose“: Schlank bleibt schlank.

Was mich an dem Hashtag aber stört, ist nicht, dass schlanke Frauen nach wie vor schlank sind, ob mit eingezogenem Bauch oder nicht (Denn wo kein Fett ist, kann auch nichts quillen, das ist Physik). Mich stört, dass der Trend unter dem Glitzerregenbogen der Empowermentbewegung stattfindet.

„Schaut her, das ist alles eine Frage des Posings! Wenn ihr euch richtig hinstellt, dann seht ihr genau so schlank aus wie ich!“ Liebe Influencer-Girls, ich könnte mich mit Seilen an Händen und Füßen in Streckung spannen lassen und ich sähe nicht so aus wie ihr. Das Ding ist nur: Muss ich auch gar nicht.

Empowerment geht anders

Was ist die Message hinter den Bildern? Ich sehe hier schlanke Körper, die in beiden Varianten dem entsprechen, was in unserer Gesellschaft als normschön gilt. Und das ist auch völlig okay so. Wer viel Sport treibt und Diät hält, hat sich seine Wespentaille verdient. Aber mit Feminismus hat das nichts zu tun.

Zugegeben, der Grundgedanke hinter dem Hashtag ist ja ein guter. Er soll uns „Normalos“ zeigen, dass es die instagramable Perfektion im echten Leben nicht gibt und dass auch die schlankesten Models auf richtiges Posing und Lichteinfall angewiesen sind. 

Was dabei aber ignoriert wird, ist, dass ein sehr schlanker Körper auch in der unvorteilhaftesten Pose immer noch absolut normschön ist und dass es viele, viele Menschen gibt, für die beide Körperbilder schlicht nicht erfüllbar sind. Denn allein diese unterschiedlichen Posen einnehmen zu können, erfordert ein bestimmtes Körperbild.

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Die Realität ist nicht perfekt, genau das macht sie so schön.(Photo: cottonbro/ Pexels)

Die wahre Realität 

Während also schlanke Frauen auf Instagram dafür bejubelt werden, dass sie offen ihr vermeintlich unschöneres Ich präsentieren und damit andere Frauen empowern, reproduzieren sie eigentlich nur weiterhin ein Schönheitsideal, von dem wir uns doch eigentlich loslösen wollten.

Wie wäre es also, wenn wir unseren Fokus nicht mehr auf eingezogenen Bäuche richten, sondern auf die Vielfalt wunderschöner Körperformen, die in jeder Pose sichtbare Speckrollen und Dehnungsstreifen haben dürfen? Denn das ist die wahre Realität.

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Autorin Julia Korbik erklärt im Interview, was der moderne Feminismus mit nackter Haut zu tun hat. Und in unserem Gleichberechtigungs- ABC erklären wir dir, was Feminismus überhaupt ist.