Sie hielten ihm die Treue wie brave Vasallen, sie waren bereit für ihn zu kämpfen, ja sogar für ihn zu sterben. Aber nun fühlen sich die Proud Boys vom ehemaligen US-Präsidenten verraten.

Wie kam es zu diesem Stimmungswechsel? wmn klärt kurz und knapp auf.

„Totaler Versager“ & „Betrüger“: Wie die Proud Boys über Donald Trump schimpfen

Der Bruch der „stolzen Burschen“ mit Donald Trump kommt überraschend. Denn jahrelang stand die rechte Schlägertruppe hinter dem Präsidenten. Und auch er distanzierte sich nur halbherzig von ihnen. In einer TV-Debatte forderte der Moderator Chris Wallace vom TV-Sender Fox News Donald Trump auf, sich von rechten Organisationen abzugrenzen. 

Aber anstatt eine klare Ansage zu machen, sagte Trump an die Proud Boys gewandt Stand back, stand by“ (Auf Deutsch: „Haltet euch zurück und haltet euch bereit“) und erklärte fälschlicherweise, dass Linke ein viel größeres Problem seien, da sie mehr Gewalt ausüben.

Von so viel Aufmerksamkeit fühlte sich die Schlägertruppe geehrt und entwarf sogar ein Logo mit dem Slogan: „stand back, stand by“. Und als Donald Trump unaufhörlich vom Wahlbetrug sprach, besuchte die Gruppe seine Kundgebungen und rief „No Trump, no peace“ und signalisiserte, damit, dass sie hinter ihm stehen.

Über Joe Biden wurde nicht annähernd so viel berichtet wie über Donald Trump. Dabei gibt es einige Facts, die du über den Präsidenten der Vereinigten Staaten wissen solltest.

Den Höhepunkt fand die Unterstützung dann, als Trump zum Marsch auf das Kapitol aufrief. Einige der stolzen Burschen kamen diesem nämlich nach. Mehrere Männer sollen laut FBI daraufhin verhaftet worden sein und hofften, dass ihr großes Vorbild sie loben würde. 

Doch was tat Trump? Er reagierte anders, als es sich seine Anhänger gewünscht hätten. Anstatt die Angreifer zu loben, verurteilte er ihren Sturm aufs Kapitol. Laut der New York Times ärgerten sich zahlreiche Proud Boys über seine Reaktion. In Telegram-Gruppen schrieben sie nun, dass Trump, die Menschen selbst zu der Aktion angestiftet hätte und dann „seine Hände davon reingewaschen“ habe.

Aber damit noch nicht genug. Mitglieder der Truppe hatten die Hoffnung, dass Trump sein Amt als Präsident verteidigen würde – notfalls auch mit Gewalt. Aber trotz aller Befürchtungen tat Trump es nicht. Für die Proud Boys kam der Akt des Nichtstuns einem Versagen gleich. „Trump war nur ein Mann und letztendlich ein außerordentlich schwacher“, schimpften sie. Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten wurde als „Versager“ und „Betrüger“ beleidigt. Die Enttäuschung, die Wut der Gruppe ist zwischen den hasserfüllten Zeilen fast greifbar.

Proud Boys kritisieren Donald Trump
Mitglieder der Proud Boys sind enttäuscht von Trump(Photo: Stephanie Keith)

Auch andere rechte Organisationen sind enttäuscht von Donald Trump. „Die Leute waren bereit, für diesen Mann zu sterben, und er warf sie einfach alle unter den Bus. Das ist das Einzige, was an den Ereignissen der letzten 36 Stunden beschämend ist“, hat beispielsweise der Anführer einer Gruppe auf Twitter geschrieben, kurz nachdem Trump den Angriff aufs Kapitol verurteilt hatte.

Überraschend: So reagieren die „Proud Boys“ auf Joe Biden

Auf Trumps Konkurrenten, den designierten US-Präsidenten Joe Biden reagierten die Proud Boys erstaunlich positiv. „Zumindest ist diese Regierung ehrlich bezüglich ihrer Absichten“, hieß es in der Telegram-Gruppe.

Proud Boys
Die Gruppe wird schon länger von Experten für Rechtsradikalismus beobachtet. Denn die Proud Boys fallen immer wieder auf, etwa durch Prügelattacken auf Linke.(Photo: Nathan Howard)

Wie es in Zukunft mit den Proud Boys weitergehen wird, ist noch unklar. Laut der New York Times planen einige Mitglieder jedoch, sich aus der Politik zurückziehen. Dass sie dadurch weniger gefährlich werden, erwarten Experten wie etwa Christopher Stewart vom Institute of Strategic Dialoge in London leider nicht.

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