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18,36 / Monat: Dafür werden unsere Rundfunkgebühren wirklich ausgegeben

Weißt du, wofür der Rundfunkbeitrag, den du jeden Monat bezahlst, hingeht? Wir haben die Fakten.

Frau schaut Fernsehen
Wusstest du, dass der Rundfunkbeitrag nicht immer für das ausgegeben wird, wofür er gedacht ist? Foto: IMAGO Images / Addictive Stock

In unserem ganzen Leben geben wir ungefähr 12.960€ für den Rundfunkbeitrag aus. Momentan liegt dieser bei 18,39€ im Monat und kommt den Konten der deutschen öffentlich-rechtlichen Medien zugute, zu denen auch ARD und ZDF gehören. Und natürlich zahlen die meisten diese Summe gerne, schließlich ist Journalismus wichtig für eine gesunde Demokratie. Anders sieht es aber aus, wenn herauskommt, dass unser Geld gar nicht dafür ausgegeben wird, sondern woanders hinfließt. Wir erklären dir, was hinter dem letzten Skandal um die öffentlich Rechtlichen steckt und was wirklich mit dem Rundfunkbeitrag passiert.

Im Moment liegt der Rundfunkbeitrag bei 18,36 €. Den muss seit 2013 jeder Haushalt zahlen, unabhängig davon, ob er überhaupt ein TV-Gerät, Radio oder Internet hat. Allein 2015 zog der ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice von 44,661 Millionen Konten über 8,1 Milliarden Euro ein. Doch was passiert eigentlich mit dem ganzen Geld?

Leseempfehlung: Das ZDF stand letztes Mal schon mal groß in den Schlagzeilen – als sie Islamist:innen genderten. Was hinter diesem Internet-Aufschrei steckt, liest du hier: „Ja, Islamist:innen muss man gendern – Aus zwei einfachen Gründen.“

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden: Der Rundfunkbeitrag steigt pro Haushalt um 86 Cent im Monat. Foto: Imago/U. J. Alexande

Darum geht es in dem Skandal um Patricia Schlesinger

Über die jetzt ehemalige rbb-Intendantin Patricia Schlesinger wurde wegen Vorwürfen der Gebührenverschwendung und der Vetternwirtschaft die letzten Tage durchgehend berichtet. Das Wirtschaftsmagazin Business Insider hat Ende Juni mit ihrer Recherche über Schlesinger begonnen. Seitdem reichen die bislang ungeklärten Vorwürfe von fragwürdigen Beraterverträgen, zu einer Gehaltserhöhung für Schlesinger von 300.000 € bis zu einem Boni-System. Zusätzlich geht es auch um angebliche Essen mit „Multiplikatoren“, wie beispielsweise der Berliner Polizeipräsidentin, auf RBB-Kosten in ihrer Privatwohnung und einen luxuriösen Dienstwagen mit Massagesitzen.

Seit der Recherche ist Schlesinger als rbb-Intendantin zurückgetreten. Laut Alexander Kissler von der Neuen Züricher Zeitung wird die ehemalige Vorsitzende der ARD als Intendantin in die Geschichte eingehen, die besonders freihändig mit dem Gebührengeld der Bürger umgegangen ist, von den Sendern auch „Demokratieabgabe“ genannt.

Schau dir hier ein Video des rbb an, in dem Schlesigners Büro gezeigt wird.

YouTube video

Nicht nur für Nachrichtensendungen wird bezahlt

Die äußerst spannenden Antworten auf diese Frage hat die Nachrichtenseite t-online im 416-seitigen KEF-Bericht gefunden. Dabei dürften die hohen Summen den einen oder anderen mehr als überraschen.

So konnte in Erfahrung gebracht werden, dass allein ein Tatort unglaubliche 1,5 Millionen Euro verschlingt. In Summe werden von der ARD für Spielfilme pro Jahr rund 300 Millionen Euro an Rundfunkgebühren ausgegeben. Für Serien liegt der Betrag nicht mal halb so hoch. Vergleichsweise geringe 127,4 Millionen Euro schlagen da zu Buche.

Für Sport und für Quiz-Shows werden laut t-online jeweils 85,3 und 36,4 Millionen Euro hingeblättert. Große Überraschung: Obwohl die Tagesschau zumindest mit ihrer 20 Uhr-Ausgabe die mit Abstand meistgesehene Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen ist, kostet sie die Gebührenzahler:innen gerade mal 9,9 Millionen Euro. Geradezu erschwinglich: Magazine und Reportagen kosten nur 4,6 Millionen Euro.

Auch beim ZDF liegen die Prioritäten ähnlich. Der Mainzer Sender gibt ebenfalls besonders viel Geld fürs Entertainment aus. Rund 154 Millionen Euro werden für die rund 100 Krimis, Komödien und Romanzen hingeblättert.

Tagesschau Bildschirm
Geradezu ein Schnäppchen: Die Tagesschau kostet 9,9 Millionen Euro im Jahr. Foto: Postmodern Studio / shutterstock

Wie sieht es mit dem Bildungsauftrag aus?

Eigentlich soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Bevölkerung so umfassend und vielfältig wie möglich informieren, damit sie sich ihr eigenes Bild machen kann. Um unabhängig berichten zu können, gibt es den Rundfunkbeitrag. Doch Angesichts dieser Fokussierung auf das Unterhaltungssegment dürften sich viele Zahlenden des Rundfunkbeitrags fragen, ob der Bildungsauftrag hier noch im Vordergrund steht.

Ähnlich sah das bereits 2017 FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube und schrieb, dass das „Gross des zwangsfinanziert Ausgestrahlten […] nichts mit der Demokratie, einem Bildungsauftrag oder auch nur dem Anregen von Gedanken zu tun“ habe. Die Behauptung, man brauche „das viele Geld und immer mehr davon, um die Grundversorgung der Demokratie zu gewährleisten“, sei seiner Meinung nach unverschämt.

Unverschämt ist auch das Wort, das vielen bei den Gehältern des Führungspersonals einfallen dürfte. So erklärte ARD-Programmdirektorin Christine Strobl kürzlich, ein Grundgehalt mit 285.000 Euro zu beziehen. ZDF-Intendant Thomas Bellut lag 2019 mit etwa 368.000 Euro sogar noch deutlich darüber. Absoluter Spitzenreiter ist der WDR-Intendant und ARD-Vorsitzende Tom Buhrow, der im letzten Jahr unglaubliche 404.000 Euro verdiente.

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