Das Jahr 2022 hat uns heute bereits einige Änderungen beschert. In den Supermärkten der Republik ist das nicht anders. Die Regierung hat sich einen Kniff überlegt, mit dem wir umweltbewusster einkaufen können, weniger Müll produzieren und gleichzeitig weniger nachdenken müssen. Das deutsche Pfandsystem wird vereinfacht. Was das für uns bedeutet und wo die Tücken darin liegen können, erfährst du hier.

Heute, Montag, der 03.01.2022, ist der erste Tag im Jahr 2022, an dem du die Regel spüren kannst. Denn wir konnten am 01. und am 02. Januar nicht in die geschlossenen Märkte gehen.

Schon seit Jahren setzen Lidl, Aldi und Co. auf neue und nachhaltigere Geschäftskonzepte und innovative Lösungsansätze für alte Probleme. Dabei geht es vor allem darum, Verpackungsmüll einzusparen und den Fleischkonsum der Bevölkerung so weit wie möglich zu drosseln. Mit der neuen Pfandregel im Supermarkt gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.

Neues Pfandsystem in Deutschland

Vier wichtige Dinge werden sich im nächsten Jahr ändern: So wird Einweg-Plastik genauso mit Pfand belegt werden wie Getränkedosen – im Laden bekommt man 25 Cent für den Einweg-Pfand zurück. Außerdem werden im nächsten Jahr auch Smoothies und andere Getränke mit Pfand belegt werden. Bis heute war das Pfandsystem in Deutschland noch sehr verwirrend. Das war das bisherige Pfandsystem:

  • Einwegflaschen und Dosen: 25 Cent Pfand
  • Mehrwegflaschen aus Glas und Plastik: 15 Cent Pfand
  • Bierflaschen: 8 Cent Pfand
  • Bierflaschen mit Bügelverschluss: 15 Cent Pfand
  • Eiskaffee mit Hafermilch: 25 Cent Pfand
  • Eiskaffee mit Kuhmilch: kein Pfand

Um Licht in dieses Kuddelmuddel zu bringen, werden die Pfandpreise nun angeglichen. Die oben stehenden Flaschen werden einheitlich mit einem Pfandbetrag von 25 Cent belegt. Außerdem werden auch Saft- und Smoothieflaschen Pfand bekommen.

Es wird also grundsätzlich Pfand auf Flaschen von bis zu drei Litern Inhalt erhoben.

Es gibt aber eine Ausnahme im neuen Pfandsystem: Milch

Die einzige Ausnahme dieses neuen Pfandsystems sind Molkereiprodukte. Milch und Joghurt-Flaschen werden (noch) nicht mit Pfand belegt. Erst ab Januar 2024 wird auch Milch im Pfandsystem eingeschlossen sein und mit 25 Cent bepfandet werden.

Wichtig: Die Überbleibsel dürfen noch abverkauft werden. Bis zum 01.06.2022 können die Supermärkte noch die alten Flaschen verkaufen.

So funktioniert Pfand in Deutschland

Deutschland hat vor 18 Jahren den Flaschen- und Dosenpfand eingeführt. Bei der Kasse werden 25 Cent auf Plastikflaschen, 8 Cent auf Bierflaschen und ebenfalls 25 Cent auf Dosen draufgeschlagen. Das Geld wird uns erstattet, wenn wir die leeren Behältnisse zurück in den Laden bringen.

Wusstest du, dass… Pfand richtig nachhaltig ist? Eine normale Plastikflasche kann so bis zu 50 Mal wiederverwendet werden. Eine PET-Plastikflasche wird ebenfalls wiederverwendet. Sie werden einfach gut durchgewaschen und noch einmal befüllt. Dünne Plastikflaschen können auch wiederverwendet werden. Diese werden allerdings zunächst zerschrottet und danach erst wieder zu Plastikflaschen verarbeitet.

Das deutsche Pfandsystem sorgt dafür, dass die Materialien wiederverwendet werden können und dafür, dass die Straßen einigermaßen sauber bleiben. Ein weiterer Nebeneffekt: Als „Flaschensammler:in“ verdienen sich viele Menschen hier und da etwas dazu.

Übrigens: Wusstest du, dass Deutschland nicht das einzige Land mit einem Flaschenpfand ist? Auch Österreich, Schweiz, Kroatien, Schweden, Norwegen, Estland, die Niederlande und Dänemark haben ähnliche Systeme.

Mehr Arbeit für die Kund:innen

Für einen nachhaltigeren Umgang mit der Umwelt sollten wir uns als Verbrauchende darüber freuen, dass Aldi und Co. diese neue Regel einführen. Immerhin haben wir eine Verantwortung unserer Umwelt gegenüber.

Allerdings bedeutet die Regel mehr Arbeit für uns. Der Grund ist, dass wir nun viel mehr Flaschen sammeln und zum Supermarkt zurückbringen müssen. Bisher konnten wir bei vielen Glasflaschen einfach den Glascontainer aufsuchen, doch ab jetzt wird ein Gang zum Supermarkt fällig, um die Flaschen wieder loszuwerden.

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An der Supermarktkasse: Diese neue Regel könnte echt ekelhaft enden. Foto: IMAGO / photosteinmaurer.com

Das große Problem ab 2024: Die Milch

Die meisten Produkte lassen sich ohne weiteres mit Pfand belegen. Doch schon jetzt sollten wir uns Gedanken darüber machen, was passiert, wenn auch die Milch im Pfandsystem eingeschlossen ist. Das große Problem liegt aber bei den Milchprodukten. Kaffee-Spezialitäten mit Milch, Milchtüten oder auch Kakaoprodukte sollen auch bald mit einem Rückgabepfandsystem versehen werden. Allerdings ist hier nicht klar, wie die Rückgabe erfolgen soll.

Milchprodukte schimmeln nämlich und das erzeugt nicht nur ekelhafte Gerüche, sondern auch noch gesundheitsschädliche Bakterien. Wie gerade im Sommer die Hygiene erhalten bleiben soll, ist dem Bundesumweltministerium noch unklar. Je länger die Milchflaschen in den Wohnungen liegen, desto gefährlicher wird es für Konsument:innen wie auch für die Verkäufer:innen. Eine Idee ist, dass die Verbraucher:innen dazu aufgefordert werden, die Tüten nach dem Leeren auszuspülen. Jedoch ist fraglich, ob das umgesetzt wird.

Almonds and almond milk
Selbst auf Milchprodukte könnte bald Pfand erhoben werden. Foto: istock/ Soekaphoto /

Ab wann wird Milch schlecht?

Wenn Milchprodukte zukünftig wirklich mit Pfand belegt werden sollen und du keine Lust hast, alle Tüten nach dem Leeren auszuspülen, solltest du wissen, ab wann eine Milch schlecht wird und anfängt zu müffeln. Laut der Verbraucherzentrale sollte geöffnete H-Milch innerhalb von 3-4 Tagen verbraucht werden. Spätestens nach dieser Zeitspanne fängt die Milch an, sauer zu riechen oder auszuflocken.

Was passiert im Jahr 2024?

Jetzt, wo wir einmal damit angefangen haben, das Material über dene Pfand entscheiden zu lassen, hören wir damit auch nicht mehr auf. Ab dem Jahr 2024 gilt der Pfand nicht mehr nur für Plastik- und Glasflaschen. Auch Tetra-Packs und andere Tüten können ab diesem Jahr mit Pfand belegt werden. Das soll dazu beitragen, dass mehr Flaschen zurückgegeben werden.

Einweg- und Mehrwegverpackungen zusammengenommen liegt bei 99 Prozent Rückgabequote. so sagt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC für die Deutsche Umwelthilfe.

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