Das Coronavirus hat unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Aber schon bald dürfte es einen oder mehrere Impfstoffe gegen das Virus in der EU geben. Da es gerade zu Beginn noch nicht genug Dosen geben wird, hat die Ständige Impfkomission (Stiko) eine Prioritätenliste erstellt: Zuerst sollen die Risikogruppen und medizinisches Personal geimpft werden.

Nur: Wie viele ÄrztInnen und wie viele medizinische MitarbeiterInnen würden sich wirklich gegen Corona impfen lassen? Und was bedeutet es, wenn sich viele von ihnen gegen eine Immunisierung entscheiden? wmn klärt kurz und knapp auf.

Wie viele ÄrztInnen wollen sich wirklich gegen Corona impfen lassen?

Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedzin (DIVI) haben in einer anonymen Online-Umfrage im Dezember rund 2300 ÄrztInnen und Pflegekräfte gefragt, wie sie zu einem möglichen Corona-Impfstoff stehen. Die meisten von ihnen arbeiten auf einer Intensivstation.

Das Ergebnis: 73 % der ÄrztInnen und 50 % der Pflegenden würden sich derzeit gegen SARS-CoV-2 impfen lassen.

impfstoff corona ärzte
Pfizer & Moderna gehören derzeit zu den Hoffnungsträgern.(Photo: imago images/Laci Perenyi)

Auffällig ist, dass die Impfbereitschaft vor allem beim weiblichen Geschlecht gering ist. So würden sich nur 50 Prozent der Ärztinnen und Pflegerinnen gegen das Coronavirus immunisieren lassen.

Warum wollen sich so viele von ihnen nicht impfen lassen?

Obwohl die meisten der Befragten gar nicht daran zweifeln, dass ein Impfstoff wirkt, haben 50 % der Pflegenden jedoch Bedenken, was die Nebenwirkungen angeht. Bei den Medizinern sind es knapp 25 %.

Aber auch die Sorge vor Langzeitschäden spielt eine große Rolle. Denn laut der Umfrage haben 55 % der Pflegenden und 35 % der ÄrztInnen Sorgen davor. „Das Ergebnis der Umfrage drückt die Sorgen vor einem neuen Impfstoff aus, bei dem es noch keine Langzeiterfahrung gibt“, urteilt Christian Karagiannidis, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin im Ärzteblatt.

Wie schlimm ist es, dass sich ÄrztInnen und Pflegende nicht impfen lassen wollen?

Damit wir eine Herdenimmunität erreichen, müssten sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) 60 bis 70 Prozent der Menschen impfen lassen. Aber: „Aus unserer Sicht sollte die Impfquote bei medizinischen Personal noch höher liegen, um weitere Ausbrüche in medizinischen Einrichtungen zu verhindern“, warnt Karagiannidis.

Das bedeutet, dass es inmitten dieser Pandemie vor allem auch auf die Impfbereitschaft bei ÄrztInnen und medizinischem Personal ankommt – weil sie das Virus in Krankenhäusern verbreiten können. Doch gerade bei KrankenpflegerInnen, ÄrztInnen und ApothekerInnen ist die Impfskepsis höher als beim Rest der Bevölkerung, wie ein Stiko-Bericht zeigt, der Anfang Dezember veröffentlicht wurde.

Das bedeutet, dass es inmitten dieser Pandemie vor allem auch auf die Impfbereitschaft bei ÄrztInnen und medizinischem Personal ankommt – weil sie das Virus in Krankenhäusern verbreiten können. Doch gerade bei KrankenpflegerInnen, ÄrztInnen und ApothekerInnen ist die Impfskepsis höher als beim Rest der Bevölkerung, wie ein Stiko-Bericht zeigt, der Anfang Dezember veröffentlicht wurde.

Um die Impfbereitschaft zu erhöhen, wollen Experten wie Uwe Janssens, der Präsident der DIVI auf eine gute und breitflächige Aufklärung setzen. Zudem könnte die Kommunikationsstrategie angepasst werden und viel stärker auf bestehende Unsicherheiten ausgelegt werden. „Denn die Effektivität der Impfung ist hoch und die auftretenden Nebenwirkungen sind vertretbar und gering„, ist sich der Präsident sicher.

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