#Medbikini
Unter dem Hashtag #Medbikini posten Ärztinnen Bikinibilder von sich. Foto: instagram/ camilamelonii / instagram/ camilamelonii

Wirken Ärztinnen und Ärzte unseriös, wenn sie Fotos von sich im Bikini oder mit nem Bierchen in der Hand posten?

Die Antwort auf diese Frage könnte lauten: Wen interessiert das überhaupt? Oder wen geht es etwas an, welche Freizeitfotos Ärztinnen und Ärzte in den Sozialen Netzwerken posten? Doch: Wenn es nach einer Studie geht, sieht die Antwort gänzlich anders aus. Unter dem Hashtag #Medbikini regt sich Protest. Wir sagen dir, was dahinter steckt.

Bilder von Ärztinnen im Bikini wirken demnach unseriös

So haben Forschende die privaten Social-Media-Accounts von mehreren Hundert angehenden Gefäßchirurgen und Gefäßchirurginnen zwischen den Jahren 2016 und 2018 analysiert. Und ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Journal of Vascular Surgery veröffentlicht.

Das Urteil der Forschenden: Wenn sich Mediziner in Bikinis, Unterwäsche, freizügigen Halloween-Kostümen oder mit alkoholischen Getränken ablichten lassen, verlieren die Patienten das Vertrauen in die Ärzte. 

Unter dem Hashtag #Medbikini protestieren Ärzte nun

Aber ist das private Leben von Ärzten wirklich wissenschaftlich relevant? Und lassen sich anhand von Freizeitbildern überhaupt Rückschlüsse auf die Arbeit von Ärzten machen?

Ärzte auf der ganzen Welt finden: Nein!

Und so nutzen nun immer mehr Ärztinnen und Ärzte den Hashtag #Medbikini als Protest gegen die Studie. Unter diesem posten sie Bikinibilder von sich. Und wollen so darauf aufmerksam machen, dass die Studie in ihre Privatsphäre eingreift und dass ihre Kleidung keine Auswirkungen auf ihre Arbeit hat. Sie werfen den Studienautoren Sexismus und mittelalterliches Denken vor.

So stellen sie Bikini und weiße Kittel gegenüber.

 

Oder lächeln einfach nur entspannt in die Kamera.

 

Auch Männer nehmen Stellung.

Jetzt kommt die Entschuldigung

Obwohl die Studie schon im Dezember 2019 in der Fachzeitschrift veröffentlicht wurde, wird erst jetzt so heftig über sie diskutiert. Nach tausendfachen Posts auf Instagram und Twitter unter dem Hashtag #Medbikini, haben sich die Studienautoren nun entschuldigt und angekündigt, die Studie zurückzuziehen.

So heißt es: “Ich möchte mich entschuldigen. Unser Anliegen war,  Chirurgen zu ermutigen, sich bewusst zu machen und selbst zu  entscheiden, was sie für Patienten und Kollegen sichtbar machen wollen”,  schreibt etwa Thomas Cheng in einem Tweet. “Das war aber nicht das Ergebnis. Es tut uns leid, dass wir den jungen Chirurgen das Gefühl gegeben haben, dass wir sie angreifen und dass wir voreingenommen waren.

Es scheint also, dass der #Medbikini Protest das erreicht hat, was er wollte. Nämlich auf das Thema aufmerksam zu machen und die Studienautoren zum Nachdenken anzuregen.

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