Es flogen Steine, Wasserwerfer zielten genau in die Menge und in der Luft stand dicker Nebel mit Tränengas. In der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile ist es gestern zu Straßenschlachten zwischen der Polizei und vielen Angehörigen der indigenen Mapuche gekommen.

Der Grund dafür: der sogenannte Kolumbustag. In vielen Ländern wird der Tag gefeiert. Doch seit längerem häuft sich die Kritik daran.

Kolumbustag: Kritik am Feiertag

In den letzten Jahren ist eine Debatte rund um den Kolumbustag entstanden. Denn er wurde nach dem italienischen Seefahrer Christoph Kolumbus benannt. Und für viele steht Kolumbus für den Beginn einer schrecklichen Geschichte. Denn im Jahr 1492 war  er im Auftrag der spanischen Krone unterwegs und erreichte am 12. Oktober Amerika. Dort empfangen ihn die Ureinwohner freundlich, doch Kolumbus kehrte ein Jahr später zurück und verbreitete dort Furcht und Schrecken.

Die Folgen: Frauen der Ureinwohner wurden vergewaltigt und Männer ermordet, Indigene unterdrückt und versklavt.

Auf Kolumbus folgten weitere Entdecker. Die spanische Kolonialzeit in Amerika  entstand, und am Ende überlebte nur ein Bruchteil der indigenen Bevölkerung.

Und auch heute sind die Auswirkungen dieser Zeit noch zu spüren. So sagen viele Ureinwohner, dass sie auch aufgrund des Kolonialismus am Rande der Gesellschaft und in Armut leben müssen. Viele fordern deshalb, dass Kolumbus, der Wegbereiter allen Übels, nicht noch mit einem Feiertag, dem sogenannten Kolumbustag, geehrt werden sollte.

Kolumbustag
Gestern kam es zu Ausschreitungen.(Photo: JAVIER SALVO/ATON CHILE via www.imago-images.de)

Aber nicht alle teilen diese Meinung. Denn insbesondere die Italo-Amerikaner sehen in dem Feiertag ein Stück Einwanderungsgeschichte und für viele Spanier ist der Tag ebenfalls ein wichtiger Feiertag.

Wie die Länder auf die Kritik reagieren

Nach massiver Kritik haben die ersten Länder reagiert. So haben die Bundesstaaten in den USA den Tag umbenannt. So heißt er jetzt beispielsweise in South Dakota, Alaska, Hawaii, Oregon, Michigan, Louisana und Vermont „Tag der Urbevölkerung“. Mit dieser Umbenennung soll nicht mehr die Ausbeutung von indianischen Ureinwohnern gefeiert, sondern an die Opfer der Kolonialisierung erinnert werden. Und auch in Lateinamerika haben viele Länder den Kolumbustag mittlerweile umbenannt.

Übrigens: In diesem Jahr ist auch Virginia dazu gekommen. Der Governor erklärte, dass dort zum ersten Mal der „Tag der indigenen Völker“ gefeiert wird.

Aber auch mehr als 130 Städte wie Los Angeles und Nashville haben mittlerweile erklärt, dass sie den Kolumbustag nicht mehr feiern werden und damit auch nicht mehr die Verbrechen und schrecklichen Folgen der Kolonialgeschichte.

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