Ein Blick auf die Inzidenz-Karte genügt. Schon ist das Dilemma klar. Menschen, die in ärmeren Stadtviertelen leben, stecken sich häufiger mit dem Coronavirus an. So sind die die Inzidenzzahlen der Stadt Köln auf der rechten, ärmeren Seite vom Rhein und im Nordwesten besonders hoch, die Karte hier besonders dunkel gefärbt. Wohingegen die wohlhabenderen Viertel wesentlich heller sind und damit auch niedrigere Corona-Fallzahlen aufweisen. Die Stadt, die eine Gesamt-Inzidenz von 140 aufweist, hatte auf diese Ungleichheit reagiert und mobile Impfteams in die sozialen Brennpunkte geschickt, um die Menschen hier gegen das Virus zu immunisieren. Doch nur ein paar Tage später wurde das Impfprojekt schon wieder auf Eis gelegt. Warum?

Was steckt hinter dem Impfprojekt der Stadt Köln?

Um auch arme Menschen sowie Migrant:innen in den Corona-Hotspots zu impfen, wurde im Kölner Stadtbezirk Chorweiler ein Impfbus aufgestellt. Hier konnten sich viele Menschen kostenlos mit dem Impfstoff von Moderna immunisieren lassen.

Neben der Kritik, dass die Politik erst so spät auf die altbekannten Probleme reagiert, wurde das Kölner Impfprojekt jedoch auch in der Presse gelobt. So erklärte etwa die Studentin Berfin Tas gegenüber dem WDR: „Ich hoffe, dass das ein Schritt zur Besserung ist und dass die Zahlen in Chorweiler dadurch bald sinken.“

Schützt man die Menschen in den sozialen Brennpunkten, schützt man auch die Intensivstationen vor einer Überlastung

Zuletzt hatten viele Intensivmediziner:innen die Länder und Kommunen aufgefordert, mehr Menschen in den sozialen Brennpunkten zu impfen. „Auf den Intensivstationen liegen überdurchschnittlich viele Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten, Menschen mit Migrationshintergrund und sozial Benachteiligte“, erklärte etwa Christian Karagiannidis, der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters in der Rheinischen Post.

Und auch Christian Miller, der Leiter der Kölner Feuerwehr lobte, dass Köln auf die problematische Lage reagierte und zuerst die Ärmeren geimpft würden: „In den Hochhäusern sind hier viele Menschen auf kleinem Raum.“ Schütze man die Menschen in den Brennpunkten vor einer Infektion, schütze man auch die Intensivstationen vor einer Überlastung, erklärte er.

Die Aktion sollte sogar schrittweise auf andere Stadtteile ausgeweitet werden, die die selben Probleme haben. Die große Hoffnung dahinter: Dass die Corona-Zahlen endlich sinken. Doch nun, knapp eine Woche nach dem Start des Projektes, wurde es schon wieder auf Eis gelegt. Warum?

Zuerst die Menschen in den sozialen Brennpunktvierteln impfen: Warum Köln das Impfprojekt gestoppt hat

Eine Stadtsprecherin erklärte am Montag: „Es finden derzeit keine städtischen Impfaktionen in vulnerablen Sozialräumen statt.“ Der Grund dafür: Zu wenig Impfstoff.

Weitergehen solle es erst, wenn das Land ein weiteres Zusatzkontingent an Impfstoff bereitstellt. Doch laut dem NRW-Gesundheitsministerium ist noch offen, wie die weiteren Impfdosen vom Land verteilt werden sollen. Von der SPD hagelt es dafür Kritik: „Dass die so wichtige Impfkampagne in den benachteiligten Kölner Vierteln nun zu scheitern droht, liegt am skandalösen Versagen der Landesregierung von CDU und FDP, für mehr Impfstoff zu sorgen“.

Mittlerweile wurden die Anwohner:innen aus den sozialen Brennpunkten höher priorisiert (in Impfgruppe 3). Das Problem dabei: Gleichzeitig sollen sie aber nicht den anderen, vulnerablen Gruppen Impfstoffe wegnehmen.

Es bleibt also abzuwarten, wann das Projekt in Köln weitergeht ….

Mehr zum Thema Corona gefällig? Dann lies hier, warum wir es bald eine Anti-Corona-Tablette geben wird & warum Jüngere mehr Nebenwirkungen der Corona-Impfungen spüren.