Diversität, Durchsetzungskraft und Erfahrung – Der künftige US-Präsident Joe Biden zeigt bei seinen Personalentscheidungen modernen Zeitgeist. So ist beispielsweise seine Stellvertreterin Kamala Harris Schwarz, sein Heimatschutzminister ein Latino und Rachel Levine, eine Transgender-Politikerin soll seine künftige Staatssekretärin im US-Gesundheitsministerium werden. Die Nominierung gab sein Team am Dienstag bekannt.

Aber: Wer ist Rachel Levine eigentlich? Welches Zeichen setzt Joe Biden mit ihr? Und warum ist der extreme Fokus auf Diversität auch gefährlich? wmn klärt kurz und knapp auf.

Rachel Levine ist „eine historische Wahl“

Die 64-Jährige Rachel Levine soll eine leitende Funktion im Gesundheitsministerium bekommen. Noch ist sie Gesundheitsministerin im US-Bundesstaat Pennsylvania. Zuvor hat sie an der Harvard-Universität studiert und als Kinderärztin sowie als leitende Medizinerin gearbeitet.

Joe Biden hat mit der Nominierung von Dr. Rachel Levine Geschichte geschrieben.

Insbesondere in den Sozialen Medien fallen viel Begeisterung und Lob für Bidens Personalentscheidung. Denn mit ihr könnte zum ersten Mal in der Geschichte der USA eine Transgender-Frau Staatssekretärin werden. Auch Joe Biden bekräftigte, dass Levine eine „historische“ Wahl sei, legte den Fokus aber auch auf ihre Arbeit, indem er erklärte, dass sie darüber hinaus auch eine „bestens qualifizierte“ Wahl sei. Rachel Levine bringe Führungsstärke und entscheidende Fachkompetenz mit, die das Land brauche, um durch die Pandemie zu kommen.

Und damit wird auch klar, welch entscheidende Rolle Rachel Levine in Zukunft spielen könnte. Denn die USA gelten als das am schwersten von der Corona-Krise gebeutelte Land der Welt. Laut Johns-Hopkins-Universität haben sich mehr als 24 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Mehr als 400.000 sind in Folge einer Infektion gestorben. Um die Pandemie zu stoppen, will Joe Biden nicht nur das Thema Impfungen voranbringen, sondern auch auf Masken setzen.

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Joe Biden sendet wichtige Signale

Die Trans-Community jedenfalls begrüßt Joe Bidens Vorstoß. So erklärte die Aktivistin Raffi Freedman-Gurspann beispielsweise: „Wir haben alle geschrien. Die Wahl ist verdient und ich denke, sie sendet die Nachicht an die Trans-Community, dass wir geschätzt werden. Wir haben einen Platz am Tisch. Daran besteht kein Zweifel.“

Sie machte auch darauf aufmerksam, dass Transsexuelle immer noch ausgegrenzt, beleidigt oder verletzt werden und die Gewalt- und Mordrate insbesondere bei Schwarzen Transgender-Frauen hoch sei.

Dass der Öffentliche Dienst diverser, vielfältiger und moderner gestaltet wird und damit einen Querschnitt der Gesellschaft abbildet, ist wichtig. Denn damit werden die dringend notwendigen Signale an Menschen mit Migrationshintergrund oder aus der LGBTQ+-Szene ausgestrahlt, die ihnen zeigen, dass auch sie wertgeschätzt werden und dass auch ihnen eine großartige Karriere bevorstehen kann. Aber gleichzeitig offenbaren die Medienechos auf Nachrichten wie eben die Norminierung von Rachel Levine ein großes Problem.

Dennoch offenbaren Joe Bidens Personalentscheidungen ein großes Problem

Denn oftmals wird die Hautfarbe, das Geschlecht oder die Sexualität der Anwärter in den Fokus gerückt. Dabei sollte es vielmehr die politische Linie sein, der mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Weil sie das Land stark viel stärker prägen wird. 

Das zeigt sich an mehreren Beispielen. So kritisierte die Zeit-Zeitung beispielsweise, dass die Tatsache, dass Bidens designierter und wohlgemerkt Schwarzer Verteidigungsminister Lloyd Austin im Aufsichtsrat des Rüstungskonzerns Raytheon sitzt, in den Medien zu wenig Erwähnung fand. Obwohl es durchaus wichtig gewesen wäre, kritisch darüber zu berichten, dass jemand, der beste Verbindungen zur Rüstungsindustrie hält, nun auch Hauptauftraggeber für diese sein soll. Stattdessen wurde jedoch die Hautfarbe von Austin zum Thema.

Aber auch Joe Bidens Vieze Kamala Harris wurde weltweit bejubelt und als Vorbild für Schwarze betitelt. Und das, obwohl sie mit ihrer Law-and-Order Politik maßgeblich Einfluss darauf hatte, das Schwarze heutzutage überproportional häufig im Gefängnis sitzen –aufgrund von Bagatellfällen.

Und auch das Beispiel des charismatischen Barack Obama zeigt, dass sich das Leben von Afroamerikanern nicht positiv verändern muss, nur weil das Land von einem Schwarzen Präsidenten geführt wird.

Oder anders gesagt: So wichtig es auch ist, dass Kinder diverse Vorbilder haben, gilt gleichwohl, dass der Fokus nicht allein auf die Hautfarbe oder die Sexualität von Politikern gelegt werden darf. Stattdessen sollte – oder besser gesagt – muss dieser vielmehr auf ihrer Politik liegen. 

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