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In China haben die Menschen das Virus mit harten Maßnahmen bekämpft. In Deutschland wissen wir noch nicht, wie lang Corona uns auch in der Zukunft begleiten wird. Foto: gettyimages/Kevin Frayer /

Das Jahr 2021 ist da. Und damit ist auch ein Jahr zu Ende gegangen, das uns viel abverlangt hat. Eines, das möglich gemacht hat, was viele für unmöglich hielten. So haben wir uns zuhause eingesperrt, anstatt unsere Freunde zu sehen. Wir haben im Homeoffice gearbeitet, obwohl viele Firmen diese Art des Arbeitens jahrelang abgelehnt haben. 

Anstatt einer großen Weltreise wurde plötzlich der Urlaub in der Heimat interessant. Vieles, was lange als unattraktiv galt, hat die Corona-Pandemie in wenigen Monaten zum Erstrebenswerten gemacht. Kurzum: 

Im Jahr 2020 hat unser Gehirn, das immer auf der Suche nach Sicherheit, Stabilität und Planung und damit auf der Suche nach Mustern ist, das komplette Gegenteil erlebt. Die Folge: Viele sind erschöpft. Sie sehnen sich nach Veränderung. Und haben Hoffnung, dass im Jahr 2021 alles besser wird.

Doch: Wie viel anders wird dieses Jahr? Wie sieht unsere Zukunft allgemein in den nächsten Jahren aus? Was haben wir aus der Vergangenheit gelernt? Und welche Trends entstehen, während andere wieder von der Bildfläche verschwinden? 

wmn hat sich den Zukunftsreport 2021 vom Zukunftsinstitut angeschaut und stellt euch die spannendsten und provokativsten Thesen daraus vor.

Jahr 2021
Corona stellt unser Leben auf den Kopf. Doch: Was wird sich im Jahr 2021 ändern?(Photo: shutterstock/ AV_photo)

Das Jahr 2021 vs 2020: Willkommen in der Hölle

Die lauten Querdenker-Demos oder die aggressiven Debatten um die Nebenwirkungen eines Impfstoffes gegen Corona haben bei vielen Menschen den Eindruck hinterlassen, dass unsere Gesellschaft gespalten ist. Doch tatsächlich ist das Gegenteil eingetreten. Denn fast neun von zehn Deutschen halten die Demokratie für das beste politische System. Damit sind die Zustimmungswerte für die Politik noch besser als vor der Flüchtlingskrise im Jahr 2015.

Mit verklärtem Blick auf die Corona-Krise zu schauen, wäre dennoch falsch. Denn die Corona-Krise hat auch verdammt viele Opfer gefordert. Und damit sind nicht nur die zahlreichen Toten gemeint. Denn die Pandemie hat auch dazu geführt, dass Frauen wieder in alte Rollenverhältnisse gedrückt werden – und öfter am Herd stehen. Häusliche Gewalt hat zugenommen, die Spaltung zwischen Arm und Reich wurde vorangetrieben und die Einsamkeit steigt durch die Krise ebenfalls.

Und dennoch haben sich die schlimmsten Schreckensszenarien nicht immer erfüllt: Obwohl beispielsweise viele ExpertInnen noch zu Beginn des Jahres davon ausgingen, dass das Coronavirus ausgerechnet den Kontinent Afrika am schlimmsten treffen würde, haben sich die Prognosen nicht erfüllt. Die afrikanischen Länder haben die Krise (bislang!) besser gemeistert als so manch anderes europäisches Land. 

Trends & Zukunftsprognosen: Was im Jahr 2021 wichtig werden wird

Alles in allem hat das Jahr 2020 jedoch einige Trends befeuert, die wir auch im Jahr 2021 begrüßen könnten. Welche Trends das sind, erfährst du hier.

1. Ciao, Großstädte

Die Großstädte wurden in der Vergangenheit immer wieder als Sehnsuchtsorte bezeichnet. Als Orte der Selbstentfaltung, der Freiheit, der never ending Parties und großartigen Jobchancen. Doch in der Pandemie hat sich das Blatt gewendet. Überfüllte Züge, volle Einkaufsstraßen und die vielen Menschen, die sich auf den wenigen Grünflächen der Großstädte tummeln, wirken für viele bedrohlich. 

Das Jahr 2021
Großstädte könnten die Verlierer der Krise sein(Photo: saiko3p/ istock)

Die Folge: Nun sind es die Kleinstädte mit ihren süßen Häusern mit Garten und die ländliche Stille, die zum Sehnsuchtsort geworden sind. Und ganz ehrlich? Die mobile Arbeit macht es nun mehr möglich denn je, nicht nur dort zu arbeiten, wo man wohnt. Sondern einen Job in der Großstadt zu haben, während man viel weiter draußen in einer kleinen Kommune lebt und von zuhause aus Meetings abhält.

Das Leben auf dem Land bietet insbesondere in so einer Krise aber noch mehr. Nämlich ein enges Netz aus Beziehungen, die Halt geben. Und die einen in schweren Krisen unterstützen. In Zukunft könnte der ländliche Raum also wesentlich attraktiver werden als all die Jahre zuvor.

2. Online-Petitionen unterschreiben reicht nicht mehr!

Es war nur ein Video, das mit dem Handy aufgezeichnet wurde. Ein Video, in dem Polizisten 8 Minuten und 46 Sekunden lang auf dem Hals des Schwarzen George Floyds knien, der daraufhin erstickt. Es ist dieses Video, das die Black Lives Matter-Demonstrationen ausgelöst hat. 

Über die Sozialen Medien wurde sich vernetzt, Petitionen ins Leben gerufen und große Bewegungen gegründet. Doch manch einer fragt sich: was ist nach all dem Aufruhr geblieben? Lediglich ein schaler Beigeschmack, dass all die Demonstrationen nichts am grundlegenden Problem geändert haben. 

Kurzzeitig wurde mit einer Taschenlampe auf das Wort RASSISMUS geleuchtet, doch die Batterien haben nicht lange gehalten. Das Wort wird kaum noch gebraucht, grassiert noch auf ein paar Social Media-Kanälen. Aber die Masse? Beschäftigt sich damit nicht mehr.

Jahr 2021
Greta Thunberg und Fridays For Future waren ein Leitbild der Generation Z.(Photo: unsplash)

Das Online-Proteste nicht dieselbe Wirkkraft haben wie wiederkehrende Straßendemos hat auch die Fridays For Future-Gruppe gemerkt, um die es in der Corona-Pandemie außerordentlich still geworden ist. Damit sich im Jahr 2021 wirklich etwas ändert, braucht es laut Zukunftsinstitut zwar auch die Online-Bewegungen.

Da Facebookvideos oder Online-Petitionen von Despoten jedoch auch ignoriert werden können, braucht es vor allem die 3,5 %-Regel. Nach dieser müssen sich 3,5 % der Bevölkerung engagieren, damit sich langfristig etwas verändert. Zum Vergleich: Fridays For Future konnte im Jahr 2019 rund 1,5 % der Menschen mobilisieren.

3. Social Media: Wir vertrauen nicht mehr jedem

Die sozialen Medien sind längst nicht mehr nur für Spaß und Feierei bekannt. So haben TikToker, die US-Präsident Donald Trump verarscht haben oder feministische Blogerinnen wie Louisa Dellert längst gezeigt, wie politisch diese Plattformen werden können. Doch die Währung der Zukunft ist aus Sicht des Zukunftsinstitutes nicht die Aufmerksamkeit sondern das Vertrauen:Gelikt oder geteilt werden zunehmend Inhalte, die von Vertrauenspersonen verifiziert werden – Influence braucht Evidenz“.

4. Die Werbung, die wir sehen, wird anders. Besser. Wertvoller.

Für PR-Leute wird es im Jahr 2021 und den darauffolgenden Jahren wichtig, den Blick zu weiten und Verantwortung zu übernehmen. So schreibt das Zukunftsinstitut: „Künftig geht es nicht mehr primär um Produkte und Preise, um das Denken in Kundensegmenten. 

Sondern um Sinnstiftung, Integrität, Verantwortung – und damit auch um die aktive Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Die starken Marken von morgen übernehmen zunehmend Aufgaben, die über rein wirtschaftliche Ziele hinausgehen. Sie werden im wahrsten Sinne zu Wert-Schöpfern: Anstatt auf kurzfristige Marketingmaßnahmen zu fokussieren, stellen sie Mensch, Gesellschaft und Natur konsequent ins Zentrum.“

Zukunftsfähige Marken setzen eigene Standards und können damit auch Felder besetzen, die traditionell Sache der Regierung waren.

5. Ein Wandel für unsere Gesundheit, unser kostbarstes Gut

Aber die Pandemie hat uns auch gezeigt, wie zerbrechlich unsere Gesundheit ist. Und dass es nur ein einziges Virus braucht, damit viele Menschen krank werden oder sterben. Längst haben wir erfahren, dass es nicht nur ein paar Besuche im Fitnessstudio oder ein Salat zum Mittagessen sind, die uns vital halten. 

Sondern, dass unser gesamtes Gesundheitssystem vom Zustand unseres Planeten und von den Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern und der Pflege abhängt. Wenn wir in den nächsten Jahren gesund bleiben wollen, brauchen wir aus Sicht des Zukunftsinstitutes vor allem eines, nämlich die Aufwertung von Pflege- und Care-Arbeit. So schreibt das Institut: „Die längst überfällige Aufwertung von Care- und Pflegearbeit hierzulande ist nur einer von vielen Schritten, die zu einem zukunftsweisenden, ganzheitlichen Gesundheitssystem nötig sind.“

Das sind die 5 größten Mythen über Corona.

Corona: Wie das Jahr 2021 wirklich wird

Damit sich im Jahr 2021 und in all den Jahren darauf all die Dinge ändern, müssen wir laut dem Zukunftsinstitut aber vor allem einsehen, dass wir Menschen selbst die Zukunft sind. Dass wir unser Leben in der Hand halten und es steuern können.

Aber vor dem Wandel dürfte erst einmal die Hoffnung im Frühjahr kommen – aufgrund des Corona-Impfstoffes. Wenngleich sich die Pandemie nicht in Luft auflösen wird und wir uns nicht auf Linien bewegen, sondern auf Schleifen. So geht es laut dem Zukunftsinstitut „vor und wieder zurück, auf und wieder ab. Und nie bleiben wir dabei auf demselben Platz, alles ist in Bewegung. Damit verschiebt sich ständig der Horizont: In Phasen der Hoffnung scheint er näher, in dunklen Zeiten ist er außer Sicht geraten.“

 Mehr zum Thema gefällig?

Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat bereits im Frühling 2020 eine Regnose auf das Coronajahr gewagt. Wie damals seine Einschätzungen waren, kannst du hier nachlesen.

Lies hier, wieso so viele Menschen das Wort Silvester falsch schreiben.

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