++++ Update vom 29.05.2020; 20:35 Uhr: Der beschuldigte Beamte wurde nun festgenommen. Das teilten die Sicherheitsbehörden mit. ++++

„Ich kann nicht atmen“, ächzt der Afroamerikaer George Floyd. Er liegt mit nacktem Bauch am Boden. Ein weißer Polizist drückt sein Knie in den Nacken des Afroamerikaners und lässt nicht ab von Floyd. Obwohl dieser ihn mehrmals daraufhin weist, dass er Schmerzen hat und nicht atmen kann. Selbst Passanten rufen dem Polizisten zu, dass er endlich von dem Afroamerikaner loslassen soll. Seine Nase blutet. Der Polizist macht weiter. Kurze Zeit später stirbt der in Handschellen gefesselte Mann. Die grausame Polizeigewalt wurde auf Video festgehalten. Nun zeigt jedoch ein weiteres Video eine andere Perspektive. Demnach knien 3 Polizisten auf dem am Boden liegenden George Floyd. Außerdem zeigt das neue Video, wie Floyd um Gnade bettelt – und die Polizisten trotzdem nicht aufhören.

George Floyd, der Name des jungen Mannes ist einer von vielen, die in den USA durch Polizeigewalt gestorben sind. Trayvon Martin, Eric Garner, Ahmaud Arbery, um nur einige zu nennen. Und jetzt auch noch George Floyd. Wird er der letzte Afroamerikaner sein, der durch die unnötig brutale Gewalt eines Polizisten stirbt? Wahrscheinlich nicht.

Fall von George Floyd zeigt: Polizeigewalt ist immer noch großes Problem

Denn allein im letzten Jahr sind in 1099 Fällen Menschen in den USA durch Polizeigewalt gestorben. Das berichtet die Washington Post. In 99 Prozent der Fälle kam es weder zu einem Strafverfahren noch zu einer Verurteilung der US-Polizisten. Polizei und Justiz? Arbeiten hier anscheinend Hand in Hand zusammen. 

Die Statistiken zeigen aber auch, dass es überproportional viele Schwarze trifft, wie die Washingon Post zeigt. So sind je 1 Million Einwohner 30 Schwarze, 22 Hispanische und nur 12 Weiße an Polizeigewalt gestorben. Und das, obwohl die Schwarzen nur 13 % der Bevölkerung ausmachen. Fachleute gehen davon aus, dass institutioneller Rassismus eine wesentliche Ursache ist.

Feuer, Ausschreitungen & Wut

Nun aber ruft der weitere, sinnlose und schreckliche Tod von George Floyd die Einwohner von Minneapolis auf die Straße. Demonstranten fordern Gerechtigkeit. Ausschreitungen haben begonnen. Es ist zu Plünderungen gekommen. Und laut einem Video haben Protestler ein Polizeirevier betreten und Feuer gelegt. Die Demonstranten riefen: „Keine Gerechtigkeit – kein Frieden“. Der Polizeichef Medaria Arrandondo erklärt aber auch, dass die meisten Menschen friedlich protestiert haben. Die Plünderungen und Brandstiftungen gehen nur auf eine kleine Gruppe zurück.

Die Polizei ist mit Tränengas, Pfefferspray und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorgegangen.  Der Governeur des Staates hat den Notstand ausgerufen und die Nationalgarde mobilisiert. Aber auch in anderen Staaten, wie etwa Denver, New York Louisvillel Memphis, Columbus und Phoenix demonstrieren Menschen. 

Der Fall von George Floyd wühlt nicht nur die Bürger in den USA auf. Der Fall geht weiter über die Grenzen des Staates hinaus. Mittlerweile haben auch die Vereinten Nationen Alarm geschlagen. 

Obwohl das FBI die Ermittlungen übernommen hat und die Polizisten entlassen wurden, die George Floyd getötet haben, geben Afroamerikaner und andere Bürger keine Ruhe. Denn Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass Polizisten, die Afroamerikaner töten, ohne Strafe davon kommen.

  • 2014 starb der 43-jährige Eric Garner in New York, weil ein Polizist ihn regelrecht erstickte. Der Polizist? Kam erst einmal ohne Anklage davon. Erst im vergangenen Jahr wurde er entlassen.
  • In Baltimore wurde der 25-jährige Freddie Gray durch eine gewaltsame Festnahme getötet. Es kam zur Anklage, aber kein Polizist wurde verurteilt.

Der Bürgermeister von Minneapolis nennt den den Tod von George Floyd „falsch auf jeder Ebene. In Amerika sollte schwarz sein kein Todesurteil sein“. 

Das Traurige daran: Das ist es längst geworden. Afroamerikaner sterben nicht nur überproportional häufig an Polizeigewalt, sondern auch an dem grassierenden Coronavirus. In den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass eine Infektion mit dem Virus für Schwarze mehr als doppelt so häufig tödlich verläuft wie für Weiße.

Frauen auf einem blacklivesmatter March
In Amerika gehen Menschen auf die Straße um gegen rassistisch-motivierte Polizeigewalt zu kämpfen.

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet erklärte nun, der Tod von George Floyd sei nur der jüngste Vorfall in „einer langen Reihe von Tötungen unbewaffneter Afroamerikaner durch US-Polizeibeamte“. 

Sie forderte Maßnahmen, um die Morde zu stoppen und Gerechtigkeit sicherzustellen.  Sie empfahl den USA sogar, untersuchen zu lassen, welche Rolle eine „fest verwurzelte und verbreitete Diskriminierung“ von Menschen anderer Hautfarbe bei der Polizeigewalt spiele.

„Tausch einfach mal“

Nur wenige Wochen vor dem Tod von George Floyd wurde der schwaze Jogger Ahmaud Arbery von Weißen verfolgt und getötet. Der Fall ging durch die Medien, weil Arbery laufen ging und brutal niedergeschossen wurde. Die Täter hatten falsche Aussagen gemacht, erst ein Video deckte die Lügen auf.

Kurz darauf veröffentlichte ein bekannter Journalist und Blogger eine provozierende Frage, auf die wahrscheinlich niemand eine Antwort hat. Und die sich dennoch viele stellen. Nämlich was wäre, wenn schwarze Menschen unschuldige Weiße töten würden? Dazu schreibt er: 

„Tausch einfach mal die Rassen. Stell dir vor, ein schwarzer Mann wie ich würde versuchen, einem Cop diese Story zu verkaufen: Officer, Ich war draußen und habe meine Pflanzen gegossen, als ein junger Mann am hellichten Tag an meinem Haus vorbeigerannt ist. Er hat so ausgesehen, wie ein typischer Verdächtiger eines Überfalls. Ja vielleicht haben ich und ein Freund ihn getötet. In Selbstverteidigung. Ich hab nur meinen Teil erledigt, Officer. Gern geschehen

.“

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