Beschimpfungen, Beleidigungen, sexuelle Belästigung, persönliche Demütigung, Bodyshaming, rassisistische Kommentare, Stalking, Kommentare gegen die sexuelle Orientierung, Anti-LGBTIQ+ oder die Androhung von Gewalt – die Liste dessen, was Frauen in den sozialen Medien ertragen müssen, ist lang.

Eine neue Umfrage von der Kinderrechtsorganisation Plan International zeigt nun, in welchen Plattformen Frauen besonders oft Opfer von Hass im Netz werden und was die verheerenden Folgen sind.

Für Frauen ist der Hass im Netz ein großes Problem

Studien zeigen, dass besonders Frauen von Online-Gewalt betroffen sind. 

Für die Untersuchung der Kinderrechtsorganisation wurden rund 14.000 Frauen zwischen 15 und 24 Jahren aus 22 Ländern zu der Thematik befragt. Das Ergebnis: Bereits 58 % von ihnen hat schon einmal Bedrohungen, Beleidigungen und Diskriminierungen in den sozialen Medien erfahren. In Deutschland liegt der Wert sogar noch höher als der globale Durchschnitt. Hier haben 70 % bereits Online-Belästigung erlebt.

Frauen werden „mundtot“ gemacht

Wenn Frauen Hass im Netz erleben, hat das verheerende Konsequenzen. Denn fünf Prozent der Betroffenen verlassen deshalb die Plattformen. Weltweit schreiben 13 % der Betroffenen keine Posts mehr. Letztendlich ist das eine Entwicklung, die dazu führen kann, dass sich viel weniger Frauen politisch positionieren.

Hass im Netz
Hass im Netz: Frauen sind nicht nur Beleidigungen in den sozialen Medien ausgesetzt.(Photo: delihayat)

Maike Röttger, die Vorsitzende der Geschäftsfühung von Plan International Deutschland erklärt: „Mädchen haben das Recht darauf, sich frei und sicher im Netz zu bewegen und sich zu Themen zu positionieren. Aber sie werden viel zu oft mundtot gemacht„. Für sie haben sich die sozialen Medien deshalb zu den „dunken Unterfürungen oder Parks“ entwickelt, die junge Frauen lieber meiden.

Am häufigsten erleben die Frauen Hatespeech auf Facebook und Instagram

In welchen Netzwerken Hasskommentare besonders häufig zum Problem werden, zeigt die Umfrage ebenfalls. Demnach ist Instagram besonders betroffen. Hier erfahren Frauen digitale Gewalt besonders häufig (45%). Danach folgt Facebook mit 35 %. Aber auch auf Youtube (22%), Snapchat (19%), TikTok (9%) und Twitter (8%) ist Hatespeech ein Problem.

Influencerin Louisa Dellert positioniert sich auf Instagram zu politischen Themen und bekommt ebenfalls Hass ab.

Was gegen Hass im Netz helfen kann

Laut der Kinderrechtsorganisation sollen sich betroffene Frauen an Freunde, Familie, Beratungsstellen wie Hateaid oder Ichbinhier, sowie Vertrauenslehrer wenden. Gemeinsam könne man dann aktiv werden.

Zudem reichen die Meldemechanismen nicht aus, um wirksam gegen Hass im Netz vorzugehen. Deshalb fordert die Organisation NutzerInnen von sozialen Medien dazu auf, einen offenen Brief an die Betreiber mit Forderungen nach effektiveren Maßnahmen zu unterschreiben. Derweil testet Instagram neue Funktionen, die beispielsweise negative Kommentare ausblenden oder MobberInnen eine Warnnachricht erhalten, in der steht, dass er oder sie gegen die Richtlinien verstößt und sogar das  Konto gelöscht werden könnte.

Solche Entwicklungen sind auch dringend notwendig. Denn die Konsequenzen von Online-Gewalt sind katastrophal:Diese Angriffe haben in vielen Fällen tiefgreifende Folgen für ihr Selbstvertrauen und damit auf ihr gesamtes Leben“, schließt Röttger ab.

Hier erfährst du, wie du auf Hasskommentare im Netz gut reagieren kannst. Und wie Instagram auf Mobbing reagieren will.