Frauen haben sich für gesellschaftlichen Wandel eingesetzt, wissenschaftliche Durchbrüche erreicht oder unser Leben maßgeblich beeinflusst – und dennoch bleiben sie in unseren Städten unsichtbar. Denn wer sich einmal genauer umschaut, stellt fest, dass es sehr wenige Frauen-Denkmäler gibt.

In den USA wird längst über die Ehrung von Frauen im Öffentlichen Raum diskutiert. Und so langsam werden auch hier bei uns in Deutschland die Forderungen nach einer Veränderung immer lauter.

Frauen-Denkmäler & die Sichtbarkeit von Frauen

Egal, ob es sich um den Reichskanzler Otto von Bismarck, den bekannten Dichter Johann Wolfgang von Goethe oder den Reformator Martin Luther handelt, meist sind es Männer, die öffentlich geehrt werden. Frauen hingegen werden eher in Form von Allegorien dargestellt, wie die Historikerin Ute Scherb der Deutschen Presseagentur gegenüber erklärt. Kleines Beispiel gefällig? Die Victoria auf der Berliner Siegessäule hat es laut ihr nur an ihren Platz geschafft, weil sie den Sieg über Frankreich darstellen soll.

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Aktivist:Innen versuchen deshalb Frauen in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Etwa, indem sie Gedenktage für Frauen organisieren. Oder indem sie Erinnerungsorte für Frauen schaffen. Diese sogenannten Frauenorte gibt es mittlerweile in mehreren Bundesländern. Hier werden die Biografien von starken Frauen nacherzählt und das Erbe starker Frauen so stärker in den Vordergrund gestellt.

Ehrung von Frauen: Ein Blick ins Ausland

Doch selbst dann, wenn in den Städten mehr Frauen-Denkmäler geschaffen werden, wird weiter debattiert. Bestes Beispiel dafür ist eine neue Statue in Manhattan, die an die #Metoo-Bewegung erinnern will. Die Statue zeigt Medusa,  eine Figur, die viele aus der griechischen Mythologie kennen. In der einen Hand hält sie ein Schwert und in der anderen den Kopf von Perseus, der von Medusa geköpft wurde. Und auch der Ort der Statue spielt eine  sehr bedeutende Rolle. Denn sie steht vor dem Gerichtsgebäude, in dem Harvey Weinstein verurteilt wurde. Also genau an dem Ort, an dem ein starkes Zeichen für die Frauenbewegung gesetzt wurde.

Obwohl hinter der Frauen-Statue von Medusa eine gute Idee steckt, wurde sie jedoch heftig kritisiert. Feminist: innen ärgerten sich darüber, dass die Statue von einem männlichen Künstler geschaffen wurde, die Statue zu normschön sei und sie nicht den Kopf von ihrem Vergewaltiger Poseidon in der Hand hielt.

Neu ist die Kritik an Denkmälern nicht. Sie wurde unter anderem auch im Zuge der Black Lives Matter-Demos geführt. Die zentrale Fragen bleiben dabei gleich, etwa: Welche Figuren wollen wir überhaupt öffentlich ehren? Wie geht man am besten damit um, wenn sich die Gesellschaft so stark verändert hat, dass die Ehrung aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäß ist? Wie werden die Debatten darüber geführt?

Da sich zahlreiche Aktivist: innen dafür einsetzen, dass Frauen-Denkmäler, Frauenorte oder Frauen-Gedenktafeln aufgestellt werden, ploppt gleichzeitig noch eine ganz andere Frage auf. Nämlich: Wieso wir uns überhaupt darauf fokussieren sollten, Frauen stärker im Öffentlichen Raum zu ehren. Schließlich durften sie lange Zeit nicht in die Politik oder in die Wissenschaft und waren allein schon deshalb im gesamten Leben und damit auch in der Öffentlichkeit unterrepräsentiert.

Warum also sollten Frauen stärker geehrt werden?

Auf diese Frage antwortet die Künsterlin Lisa Hrubesch. Der dpa gegenüber sagt sie: „Jahrhundertelang wurden Frauen nicht als handelnde Subjekte wahrgenommen und als Leistungsträger: innen nicht gewürdigt – das hatte und hat noch immer Auswirkungen auf das heutige Frauenbild“.

Sie ist deshalb davon überzeugt, dass Frauen Bestandteil der Geschichte sind und wir uns dieser Bedeutung bewusster werden, wenn wir Frauen im Öffentlichen Raum sichtbarer machen.

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