Elisabeth Seitz (27), die deutsche Rekordmeisterin im Turnen, ist eine von drei deutschen Turnerinnen, die kürzlich bei der Turn-Europameisterschaft in Basel durch das Tragen eines Ganzkörperanzugs, des Unitard, in der Sportwelt eine kleine Bekleidungsrevolution auslösten und für Aufsehen sorgten. Ihre Botschaft: Jede Kunstturnerin soll selbst entscheiden, was sie tragen möchte und worin sie sich wohlfühlt. Das kann heute ein kurzbeiniger Leotard und morgen ein Unitard sein.

Die Kunstturnerin mit 23 gewonnen deutschen Meisterschaftstiteln wurde damit einmal mehr zum Vorbild für viele junge Sportlerinnen und Sportler und zur Fürsprecherin für mehr Selbstbestimmtheit im Sport. Doch das ist der engagierten und erfolgreichen Sportlerin nicht genug. Zusammen mit dem Website- und Domain-Anbieter GoDaddy startet sie nun online die Initiative „It’s my choice“, mit der sie dem Thema Selbstbestimmtheit im Spitzensport noch mehr Gehör verschaffen will.

Rund zwei Monate ist es mittlerweile her, dass sie gemeinsam mit Ihren Turnkolleginnen in langen Gymnastikanzügen für Aufmerksamkeit gesorgt haben, was ist seitdem passiert?

Elisabeth Seitz: Viele Interviews, ob TV oder Print. Die Aufmerksamkeit war enorm groß. Nun setze ich mich für die Selbstbestimmung von Frauen auch nachhaltig ein. Female Empowerment ist mir eine echte Herzensangelegenheit. Mit meiner Initiative „It’s my choice“ möchte ich noch mehr Aufmerksamkeit für das Thema schaffen und eine Plattform für Information und Austausch dazu bieten. Dafür habe ich schon meine Website neu aufgesetzt. In naher Zukunft, nach den Spielen, werde ich hierzu auch noch mehr Aktionen planen und unterstützen.

Wie haben Sie selbst die Berichterstattung erlebt?

Seitz: Für viele Journalisten war es eine große Sensation, dass wir mit den Unitards geturnt haben. Es hat uns als Team selbstverständlich gefreut, dass dies dann auch so umfassend wahrgenommen wurde.

Gab es mehr positives oder negatives Feedback?

Seitz: Überwiegend positives Feedback. Auch viele Turnerinnen und Mütter haben uns geschrieben und uns zu unserem Statement gratuliert.

Werden Sie auch bei den Olympischen Spielen auf die Ganzkörperanzüge setzen?

Seitz: Diese Entscheidung ist ja ein Teil des Statements. Jeder soll damit turnen, in dem er sich an diesem Tag am besten fühlt. Da ich das jetzt noch nicht sagen kann, ist die Frage so auch nicht zu beantworten. Es ist beides möglich.

Nicht nur beim Turnen auch in anderen Sportarten gibt es immer wieder Diskussionen um diverse Kleiderordnungen. Findet hier langsam ein Umdenken statt?

Seitz: Dieses Umdenken hat ja schon lange angefangen. Beispielsweise im Beach-Volleyball. Hier wird zwar immer behauptet, die Spielerinnen müssen heute noch ganz kurze Bikinis tragen, das stimmt aber nicht. Es ist doch ganz einfach. Sportlerinnen und Sportler wollen aufgrund ihrer sportlichen Leistung beurteilt werden, nicht aufgrund ihres Outfits.

Welche Rolle spielt das Internet bei solchen Initiativen/Bewegungen?

Seitz: Das Internet spielt heute bei jeder Initiative eine wichtige Rolle. Analog kann man heute die Zielgruppen nicht mehr ausreichend ansprechen. Für meine Bewegung des Female Empowerment habe ich mit GoDaddy den perfekten Partner von der Webseiten Erstellung bis zur nachhaltigen Begleitung der Online-Themen.

Serena Williams trat schon vor drei Jahren in einem so genannten Catsuit auf dem Tennisplatz an, warum haben nicht schon mehr Sportlerinnen und Sportler diesen Schritt gewagt?

Seitz: Ich kann da nur von uns sprechen. Der kurzbeinige Leotard war eben immer der Turnanzug. Auch wenn der Unitard erlaubt war, niemand hat ernsthaft darüber nachgedacht, diese Tradition zu durchbrechen. Unser Turn-Team Deutschland ist im Altersschnitt schon ein sehr erfahrenes Team. Wir hinterfragen Thematiken häufiger als wir das noch mit 16 oder 17 getan haben. So haben wir uns in den vergangenen drei Jahren immer wieder mit dem Thema der langbeinigen Anzüge beschäftigt und waren uns einig, wenn es einen passenden Anzug gibt, dann wollen wir ihn tragen. Das haben wir in Basel bei der EM dann getan.

Welche Sportlerinnen oder Sportler sind Ihre persönlichen Vorbilder?

Seitz: Ich hatte noch nie ein wirkliches Vorbild. Mein Antrieb war schon immer die Freude am Sport und das Erreichen meiner Ziele.

(obr/spot)