Sie werden geschnupft, geschluckt oder gespritzt und sind dafür verantwortlich, dass allein im Jahr 2019 in Deutschland 1.398 Menschen gestorben sind: Drogen. Sie haben längst das Herz unserer Gesellschaft erreicht und werden auf Festivals, Parties oder zuhause genommen.

Drogen Prävention: So läuft das in der Hauptstadt

Die Bundesregierung, Pädagogen und Eltern setzen auf eine Drogen Prävention inklusive Beratung und Aufklärung – um Menschen davor zu schützen, in eine Sucht abzudriften. Wir haben uns in Deutschlands pulsierendster Stadt Berlin umgehört und mit einer feierwütigen 29-Jährigen darüber gesprochen, wie gut sie über das Thema in der Schule aufgeklärt wurde und welches Leuchtturmprojekt bei der Drogen Prävention helfen könnte.

Anlässlich der neuen Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, die am 19.02. bei Amazon Prime erscheint, wollen auch wir das Thema Drogen Prävention aufgreifen und haben uns in der Berliner Partyszene umgehört

Drug-Checking: Wie Berlin gegen den Drogenkonsum kämpft

Berlin ist laut, wild und für seine schillernde und drogenreiche Partyszene bekannt. Um Konsument:innen in Zukunft vor Abstürzen, Vergiftungen und Überdosierungen zu schützen, setzt die Hauptstadt auf ein sogenanntes Drug-Checking. 

Heißt: Berliner können ihre Drogen abgeben. Diese wiederum werden ins Labor geschickt und auf Verunreinigungen und Überdosierungen überprüft. Pünktlich vor dem Wochenende sollen sie zurückgegeben werden. Und die Party kann steigen. Doch: Wie aussichtsreich ist das Projekt? Die schnelle Antwort: Sehr erfolgsversprechend. Denn tatsächlich zeigen Umfragen, dass das Interesse am Drug-Checking Angebot riesig ist. 90 % würden die Drogen-Dosis reduzieren, wenn im Labor herauskäme, dass die Drogen überdosiert oder verunreinigt sind.

Drug-Checking: Berlin baut auf die Erfahrungen anderer Länder

In anderen Ländern, wie etwa den Niederlanden oder der Schweiz, gibt es das Drug-Checking schon längst. Und die Erfahrungen zeigen, dass sich der Konsum von Drogen durch die Projekte nicht erhöht hat. Sogar ganz im Gegenteil: Drug-Checks können Überdosierungen und die Einnahme von unreinen Substanzen verhindern. Und auch die Gespräche mit den Sozialarbeiter:innen vor Ort können eine große Stütze sein.

Doch gleichzeitig müsste die Aufklärung ja eigentlich schon früher stattfinden. Doch wie gut ist die Drogen Prävention in Berlins Schulen überhaupt? Was läuft gut und wo ruckelt es noch? Wir haben bei einer 29-Jährigen Berlinerin nachgefragt.

Drogen Prävention: Wie werden Deutschlands Großstadtkinder aufgeklärt?

Die 29-Jährige Leslie* arbeitet als Bau-Ingenierin und ist viel in Berlins Partyszene unterwegs. Im Gegensatz zu ihren Freunden jedoch meist drogenfrei. Wie kommts?

wmn: Hey Leslie, wie stehst du zum Thema Drogen?

Leslie: Als Stadtkind wird man schon früh mit dem Thema Drogen konfrontiert. Schließlich braucht man hier in Berlin nur einmal in die U1 einzusteigen, um all die Junkies zu sehen und um eine deutliche Warnung dafür zu bekommen, wie eine Sucht enden kann. Prinzipiell bin ich bei dem Thema Drogen aber ziemlich entspannt. Ein paar Freunde von mir nehmen hin- und wieder etwas. Ich selbst habe auch schon ein paar Sachen ausprobiert. 

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Psychedelische Drogen sind bei Partys in Berlin gerne gesehen. (Photo: istock.com/Jun)

wmn: Was denn zum Beispiel?

Leslie: Alkohol, Gras, Koks, Ecstasy und Speed.

wmn: Waren alles einmalige Trips oder nimmst du öfter Drogen?

Leslie: Nein. Das waren Ausnahmen. Denn meist reicht mir der Alkohol, der ja gesellschaftlich ziemlich akzeptiert ist.

wmn: Warum greifst du nicht wie deine Freunde zu harten Drogen? Hat dich die Drogen Prävention in der Schule etwa so abgeschreckt?

Leslie: Nein, überhaupt nicht (lacht). In der Schule haben wir zwar richtig gute Filme wie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ rauf und runter geschaut. Aber im Anschluss an die Filme folgten leider merkwürdige Diskussionen. In denen die Lehrer:innen uns weis machen wollten, dass schon ein einziger Drogen-Trip in einer Sucht und damit als Junkie unter den Brücken enden könnte. Und auch dass der Weg von einem Partyabend zum Alkoholiker nicht weit ist. Für meinen Geschmack war das zu übertrieben und wenig glaubhaft. 

wmn: Und was passiert, wenn Schüler:innen wie du ihren Lehrer:innen die Risiken nicht abnehmen?

Leslie: Dass die Drogen Prävention genau das Gegenteil bewirkt. Viele aus meiner Klasse wollten dann erst recht verschiedene Drogen ausprobieren. Einfach um ihre Grenzen selbst auszutesten und sie waren sich sicher, dass sie nicht so schnell die Kontrolle verlieren. 

wmn: Aber bei manchen Drogen, wie beispielsweise Heroin ist das Risiko ja sehr hoch, schon nach einmaligen Konsum abhängig zu werden.

Leslie: Auf jeden Fall. Aber hier hätten die Lehrer:innen viel stärker zwischen den verschiedenen Drogen differenzieren müssen. Anstatt alle in einen Topf zu werfen. Aus meiner Sicht war das ein großer Fehler in der Drogen Prävention.

wmn: Hast du neben der Differenzierung noch weitere Tipps für eine gelungene Drogen Prävention? Und wie könnte man es aus deiner Sicht schaffen, junge Menschen vor einer Sucht zu bewahren?

Leslie: Naja, die Aufklärung erfolgte stets mit erhobenem Zeigefinger und man wurde das Gefühl nicht los, dass die Erwachsenen überhaupt keinen Plan von der Thematik hatten. Denn ganz anders als die Lehrer uns glauben ließen, wurde aus keinem der Partytrinker ein standfester Alkoholiker. 

Viel authentischer wäre es, wenn die Schule ehemalige Drogenabhängige eingeladen hätte, die von ihrer Sucht und ihrem sozialen Absturz erzählt hatten. Und die uns so vor Augen geführt hätten, wie verführerisch und gleichzeitig gefährlich Drogen für junge Menschen sein können. 

Hinzukommt, dass die Drogen Prävention schon viel früher hätte thematisiert hätte werden müssen. Zum Beispiel ab der 7. Klasse. Denn bereits heute beginnen die ersten doch schon mit 13 oder 14 zu trinken und auf Parties zu gehen, wo auch das ein oder andere konsumiert wird.

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Drogen können Depressionen fördern.(Photo: shutterstock/Iryna Kalamurza)

wmn: Oftmals gehen Depressionen und psychische Instabilität mit einer Drogensucht einher. Hattest du das Gefühl, dass deine Schule genug auf dieses Thema eingegangen ist? 

Leslie: Jein. Das Thema wurde zwar angerissen, aber psychische Probleme sind noch immer ein großes Tabuthema. Vor allem in der Schule. Wir hatten zwar einen Vertrauenslehrer, aber die Schüler:innen mit Redebedarf hätten sich dort nie Hilfe gesucht – aus Angst, dass die Probleme publik geworden wären. Hier wäre es besser gewesen, wenn die Schulen im Rahmen der Drogen Prävention oder von Mental Health-Maßnahmen noch viel stärker auf externe Anlaufstellen und Hilfsangebote hingewiesen hätten.

wmn: Wie findest du denn eigentlich das Berliner Projekt „Drug Checking“? Also, dass Konsument:innen ihre Drogen abgeben können, um sie auf beigemischte Substanzen zu überprüfen?

Richtig gut. Aus meiner Sicht kann das Projekt verhindern, dass junge Menschen sich irgendeinen Stoff reinballern und aufgrund von gestreckten oder überdosierten Drogen sterben. Und leider wissen wir ja auch, dass die Drogen Prävention in vielen Fällen nicht wirkt und die Leute die ganzen Tropfen, Pillen und Pülverchen ja so oder so konsumieren. Und ich finde es gut, dass sie dann wenigstens viele Informationen über das bekommen, was sie sich da abends reinschmeißen.

* Name von der Redaktion geändert

Vielen Dank fürs Interview, Leslie!

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