„Sperrt sie ein! Sperrt sie ein“ ruft die Menge. Ihr Führer lächelt. „Ja, man sollte sie einsperren! Sperrt die Bidens ein! Sperrt Hillary ein!“ Die Menge bebt. Ist außer sich. Die Rufe werden immer lauter. Selbstzufrieden nickt Trump seinen Fans zu „ja, sperrt sie ein!“.

Es ist ein Wahlkampfauftritt von vielen. Einer, bei dem es Donald Trump gelingt, die eigene Rhetorik so zuzuspitzen, dass die Menge ihn feiert.

Doch: Wie schafft es der US-Präsident, Menschen für sich zu begeistern? Auf welche Tricks setzt er? wmn erklärt, was hinter der Kommunikationsstrategie von Donald Trump steckt.

Die Rhetorik von Donald Trump: Gar nicht mal so dumm

Auf der Bühne wirkt Donald Trump chaotisch. Mal schreit er ins Mikrofon, dann fängt er einen Satz an, den er nicht zu Ende bringt oder er springt von einem Thema zum nächsten. 

Und auch wenn es nicht so wirkt, ist in Donald Trumps Rhetorik nichts dem Zufall überlassen. Die US-Professorin für Sprache Jennifer Mercieca von der A&M University in Texas erklärt im SWR dazu: „Wenn er spricht, denkt man, er wisse nicht worüber er eigentlich redet. Aber tatsächlich ist er sehr klug, anspruchsvoll und kontrolliert darin, wie er Sprache einsetzt.“ Die Expertin untersucht die Rhetorik von Donald Trump schon seit dem ersten Tag seiner Kandidatur. Also seit fünf Jahren. Eine lange Zeit, in der sie wiederkehrende Stilmittel erkennen konnte.

Donald Trumps Rhetorik: Es sind wiederkehrende Stilmittel

Die Rhetorik von Donald Trump ist simpel. Doch es sind diese scheinbar einfachen Sätze, die nie ihre Wirkung verfehlen. Die sich ins Gedächtnis einbrennen. Die die Masse mitnehmen und zu Schlachtrufen mutieren. Es sind Sätze wie diese: „Wenn Biden gewinnt, gewinnt China. Wenn Biden gewint, gewinnt der Mob, die Anarchisten, die Flaggenverbrenner.“ 

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Donald Trump versteht sich selbst als Entertainer.(Photo: imago images/ZUMA Wire)

Sie beruhen auf sieben Prinzipien.

Die sieben Erfolgsgeheimnisse von Donald Trumps Sprache

1. In seinen Reden greift er seine Gegner an, aber nicht ihre Argumente. So bezeichnet er seinen Kontrahenten Joe Biden als „Sleepy Joe„. Und erweckt damit den Eindruck, dass Joe Biden nicht die nötige Power besitzt, um das Land zu regieren.

2. Donald Trumps Rhetorik hebt sich von der anderer Politiker ab. Anstatt sich politisch korrekt auszudrücken, macht Trump genau das Gegenteil. Er setzt gezielt auf Beleidigungen, Witze und verständliche Sätze. Er nutzt eine Sprache, die ihn nahbar für die Arbeiterschicht macht. 

3. Donald Trump weiß ganz genau, wie er seine Wähler um den Finger wickeln kann. So sagt er ihnen immer wieder: „Ihr wisst es besser / Ihr seht die Probleme /Ihr seid die wahren Patrioten!“ Er impliziert damit, dass sie klüger sind als der Rest der Nation und dass sie die angeblichen Zusammenhänge erfassen, die andere noch nicht einmal sehen.

4. Gleichzeitig präsentiert sich Donald Trump als den einzig wahren Verkünder der Wahrheit. Dafür nutzt er Redewendungen wie: „Sie sagen euch das nicht. Ich bin der einzige, der es euch sagt…

5. Donald Trumps Rhetorik zielt darauf ab, ihn als Retter der USA darzustellen. Trump, der Anarchisten zur Rechenschaft ziehen wird. Trump, der die Amerikaner vor einer Katastrophe bewahren wird. Trump, der als schützende Mauer zwischen dem Unheil und den beschützenswerten Menschen steht.

6. Donald Trump schafft es wie kein anderer zu lügen und das auch ohne sich angreifbar zu machen. Obwohl es zum Beispiel keinen Grund dafür gibt, dass Kamala Harris nicht Vizepräsidentin werden kann, behauptet Donald Trump einfach das Gegenteil: „Ich habe gehört, dass Kamala Harris nicht Vizepräsidentin werden kann. Das war übrigens ein sehr qualifizierter Journalist, der das gesagt hat. Ich habe das nur gehört, aber ich schaue mir das an„.

7. Donald Trumps Sätze sind einfach, kurz und einprägsam. Vor allem weil er auf Alliterationen setzt, wie etwa „Nasty Nancy„.

Donald Trump Rhetorik
TV-Duell: Auch heute liefern sich Joe Biden & Donald Trump einen Schlagabstausch(Photo: imago images / UPI Photo)

Fazit: Donald Trumps Rhetorik ist wichtig für seinen Wahlkampf

Es wäre vielleicht übertrieben, Donald Trump als Sprachgenie zu bezeichnen. Dennoch schafft er es, Worte als Waffe zu nutzen. Auf erstaunliche Art und Weise gelingt es ihm sogar, Slogans zu erschaffen, die die Menge gerne übernimmt. Ja, er kann seine Gegner in Grund und Boden schimpfen, sie diskreditieren und sich selbst als Retter der USA präsentieren. Doch nehmen ihm die Wähler sein Versprechen noch ein weiteres Mal ab? Nach allem, was passiert ist? 

Noch ist es zu früh, auf diese Frage zu antworten. Frühestens im November wird sich die USA für oder gegen Trump entscheiden. Doch bis dahin gibt es noch einige TV-Duelle, in denen sich Trump mit seiner Rhetorik beweisen muss.

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