Wir kaufen leckere Süßigkeiten, basteln kleine Geschenke oder füllen kleine Säckchen mit schönen Erinnerungen: Adventskalender sollen uns und unseren Liebsten eine Freude bereiten.

Doch in diesem Jahr gibt es einen, der genau das Gegenteil bewirkt. Einen, der bei den NutzerInnen Ekel und Fassungslosigkeit hervorruft. Der Adventskalender wurde von AktivistInnen auf Instagram veröffentlicht und befasst sich mit dem Thema Polizeigewalt. Jeden Tag wird ein sogenannter „Einzelfall“ veröffentlicht. 

Ein Adventskalender über Polizeigewalt: Das ist der Hintergrund

Die Polizei macht einen wichtigen Job. Sie beschützt uns BürgerInnen rund um die Uhr, bekämpft Kriminalität und klärt Straftaten auf. Aber nicht nur das. Von den Beamten wird ein hoher Tribut gefordert, weil sie nicht selten an Feiertagen auf Veranstaltungen arbeiten, sondern auch ihr eigenes Leben gefährden, wenn sie in Großstädten wie Berlin im Dienst sind. 

Allerdings kommen immer wieder Fälle ans Licht, die einen ganz anderen Eindruck von den Beamten vermitteln. Fälle von Polizeigewalt. Fälle, die uns erschüttern, die das Vertrauen in die Institution Polizei nachhaltig zerstören und die viele Menschen daran zweifeln lassen, dass es sich dabei nur um ein paar schwarze Schafe handelt, die ihre Macht missbrauchen.

Gleichzeitig aber können diese Vorfälle nicht richtig eingeordnet werden, weil es keine verlässlichen Zahlen dazu gibt, die uns einen Überblick über das gesamte Ausmaß an Polizeigewalt erlauben. Hinzu kommt auch, dass Experten wie der Kriminologe Tobias Singelnstein davon ausgehen, dass es in den meisten Fällen von Polizeigewalt nicht zur Anzeige kommt, weil die Erfolgsaussichten gering sind. 

Die Gewerkschaft der Polizei hingegen glaubt, dass Betroffene oft keine Anzeige erstatten, um ihr eigenes Fehlverhalten zu verdecken. Dennoch bleibt die Folge gleich: Viele der Fälle landen nicht in den offiziellen Statistiken. Der Experte Singelnstein rechnet deshalb damit, dass die Dunkelziffer von Polizeigewalt etwa sechsmal größer sein könnte als bisher bekannt.

Zu diesem Thema hat eine Gruppe Ehrenamtlicher nun recherchiert und unter dem Namen Copservation einen Adventskalender zum Thema ins Leben gerufen. Auf Instagram sollen 24 Türchen erscheinen. Jeden Tag verstecken sich dahinter Fälle von Polizeigewalt und rechten Strukturen in der Polizei. 

Einige Beispiele gefällig? In den bisher geöffneten Türchen geht es um Polizeibeamte, die antisemitische Videos teilen. Oder Polizisten, die sich Bilder von Hakenkreuzen und Adolf Hitler zuschicken und in die Missbrauchsvorfälle von Kindern involviert sind.

 

 

Und wieso braucht es dafür unbedingt einen Adventskalender?

Nachdem viele Medien bereits über die Fälle berichtet haben, stellt sich nun die Frage, wieso es am Ende des Jahres auch noch einen Adventskalender über Polizeigewalt geben muss. Ein Teammitglied nimmt im Magazin Jetzt Stellung dazu und erklärt, dass solche Fälle von Polizeigewalt immer wieder als Einzelfall abgetan werden. 

Aber: Bei der Recherche ist uns immer wieder aufgefallen, wie viele Fälle es bereits gibt und wie wenige davon wirklich gut oder übersichtlich dokumentiert sind. Besonders in den letzten Jahren ist noch einmal deutlich geworden, wie wenig der Begriff Einzelfall auf die Menge der Vorkommnisse zutrifft„. 

Nur: Was soll der Adventskalender schon gegen Polizeigewalt bewirken? Zuallererst will die Copservation-Gruppe mit ihrer Aktion Aufmerksamkeit auf das Thema lenken. Für eine wirklich nachhaltige Veränderung braucht es aus ihrer Sicht aber vor allem eines: unabhängige Kontrollinstanzen, die diese Vorfälle untersuchen. Eine Meinung, die auch andere Experten, Autoren und Aktivisten teilen. Und die fordern, dass es kontrollierende, empirische und ergebnisoffene Untersuchungen zu dem Thema geben muss.

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