Die Kolonialzeit haben wir als langes dunkles Kapitel abgestempelt. Damals, als Spanier, Portugiesen, Holländer und Deutsche sich über den Globus verteilten und die Machtverhältnisse anderer Länder grundlegend auf den Kopf stellten. Doch wer war eigentlich der schlimmste Verbrecher der Kolonialzeit? Wir werden sehen…

Die Verbrecher der Kolonialzeit in Amerika, Indianer
Die Verbrecher der Kolonialzeit in Afrika.(Photo: imago/imagebroker)

Das Basisproblem des Kolonialismus

Als die Europäer in See stachen, um die Welt zu entdecken, nahm das Unheil bereits seinen Lauf. Denn in den fernen Ländern fanden sie unvorstellbare Schätze, die man daheim gewinnbringend an den Mann (und die Frau) bringen konnte. Die großen Entdecker wie Kolumbus, Cortez und Co. waren zunächst private Entdecker ohne Einfluss vom Staat.

In ein neues Land zu siedeln und dort zu versuchen, reich zu werden, war ein enormes Risiko für die Verbrecher der Kolonialzeit. Im Land hatten sie natürlich viel weniger Macht als die Einheimischen. Alleine hätten sie es nie geschafft, die unteren Schichten zu unterjochen. 

Die Ankömmlinge verbündeten sich also mit der reichen und mächtigen Oberschicht, um die unteren Schichten im Land gemeinsam auszubeuten. Die Eineimischen stellten sich also gegen ihre eigenen Landsleute. So wanderten Land, Macht und eben auch Menschen in ihren persönlichen Besitz.

USA: Das Namensproblem der I-Wort

Die USA ist unweigerlich mit dem Kolonialismus verbunden. Als die ersten Siedler aus Spanien ausversehen in Amerika landeten und bald darauf auf Tahiti ihre erste Kolonie aufbauten, sahen sie sich als die offziellen Entdecker der Vereinigten Staaten. Dass hier schon jemand lebte, die Ureinwohner nämlich, war ihm damals vollkommen egal. 

Er taufte sie ‚Indianer‘. Warum? Weil der Typ dachte er sei in Indien gelandet. Die Einwohner Indiens sollten eben ein sehr einfachen Namen bekommen. Dass die hier lebenden Stämme und Kulturen aber ihre ganz eigenen Bezeichnungen für sich und einander hatten, war Columbus vollkommen egal. 

Er unterdrückte sie und verscheuchte sie von ihrem Land. Das Trauma, das dadurch entstand, ist noch heute riesig. Wegen Columbus, einem der größten Verbrecher der Kolonialzeit, sprechen wir heute das I-Wort genauso wenig aus wie das N-Wort.

Die Verbrecher des Kolonialismus in Asien indien
Jagd-Gesellschaft, bestehend aus Briten und Indern ca. 1935.(Photo: imago/imagebroker)

Wer war der größte Verbrecher des Kolonialismus?

Die Kolonialzeit zog sich über viele Jahrhunderte hin. Schon im 15ten Jahrhundert ging der Wettstreit zwischen den Spaniern, Portugiesen und Holländern auf den Weltmeeren los. Die Briten, die Deutschen, die Dänen, die Russen und viele mehr trugen ihren Teil zur Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung bei…

In diesem Artikel gehen wir davon aus, dass im Kolonialismus viele unverzeihliche Verbrechen geschahen und wollen die Grausamkeiten nicht noch einmal detailiert aufzählen.

Großbritannien 

Das Britische Empire ist absoluter Spitzenreiter der Kolonialismusverbrecher. Im Jahr 1922 hatten die Briten ihre Zelte auf einem Viertel der Fläche des Globus aufgeschlagen und herrschten über den gesamten Globus verteilt. Asien, Afrika, Amerika… You name it. 

Spanien

Die waren wohl die ersten, die sich mit den Boden- und Menschenschätzen fremder Länder schmückten. Mit Christoph Columbus, der unter der spanischen Krone ‘entdeckte’, annektierten sie vor allem Amerika für sich.

Frankreich

Frankreich siedelte sich im 19ten Jahrhundert vor allem in Westafrika an. Damals galt das französische Empire sogar als zweitgrößtes der Welt. Noch heute ist Französisch die Amtssprache in 29 verschiedenen Ländern.

Deutschland

Deutschland wird oft vergessen, wenn wir über die Verbrechen des Kolonialismus sprechen, da die Unterdrückung hier über einen relativ kurzen Zeitraum geschah. Dabei hatten wir flächenmäßig von 1880 bis 1914 das flächenmäßig drittgrößte Reich. Die deutschen Kolonien gab es vor allem in Süd- und Westafrika, in China, Ozeanien. Wegen einer 1818 gegründeten Kolonie in Brasilien sprechen noch immer 9 brasilianische Gemeinden deutsch. 

Übrigens: Jeder, der sich den Namen Lothar von Trotha merkt, der wird nie wieder behaupten, dass Deutschland nur wenig mit Kolonialverbrechen am Hut hat. Der Typ zettelte nämlich den Völkermord an den Herroro an.

Niederlande 

Ein so klitzekleines Land und doch so viele Kolonien überall auf der Welt. Klingt ein wenig nach einem Minderwertigkeitskomplex, oder? Vor allem in Südafrika, Mittelamerika, Ostindien und Indonesien fielen die Niederländer ein.

Verbrecher des Kolonialismus white privilege weiß und schwarz
Die Weißen waren sich jahrundertelang sicher, dass sie geboren waren um zu herrschen.(Photo: imago stock&people)

Kolonialverbrechen: Warum eigentlich?

Die Europäer fühlten sich dazu ermächtigt, sich in anderen Ländern breit zu machen und den Einwohnern zu zeigen, wer die herrschende Rasse ist. Es galt als “die Bürde des weißen Mannes”, andersfarbigen Gesellschaften den rechten Weg zu zeigen. 

Die Bürde des weißen Mannes

– Rudyard Kipling

Rudyard Kipling, der Autor des Dschungelbuch machte 1899 mit einem siebenstrophigen Gedicht deutlich, wer an der Spitze stehen sollte und wer nicht. Schwarze und BIPoC wurden als „frischgefangene Halbwilde und halb Kind“ betitelt, denen es ihren Platz in der Gesellschaft mitzuteilen galt.

Die weißen Missionare, Eroberer und Philosophen dieser Zeit waren sich alle einig: Schwarz ist schlecht, Weiß ist gut. Eine Fehleinschätzung, die bis heute den Rassismus und das White Privilege grundlegend prägt. 

Noch mehr zum Thema Rassismus?

Der Mord an George Floyd hält die Welt nun seit Wochen in Atem. Durch die Medienberichte wird der Blacklivesmatter-Bewegung endlich die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie verdient. 

Rassismus und Gewalt gegen Ausländer gibt auch bei uns in Deutschland. Wir zeigen euch einen kleinen Rückblick über die Verbrechen der letzten Jahre. 

Wir sind schon so weit gekommen. Vor allem in Deutschland haben wir es oft viel mehr mit positivem als mit negativem Rassismus zutun. Was das bedeutet und warum das ein ebenso verletzendes Konzept ist, erfährst du hier.

Wenn jemand über Alltagsrassismus Bescheid weiß, dann ist das unsere weekly heroine Alice Hasters. Sie spricht seit Jahren über ihre Erfahrungen als Afro-Kölnerin.