Kein Geld, kein Essen im Kühlschrank & düstere Aussichten für die Zukunft – auf Mallorca steigen die Coronazahlen & die Situation spitzt sich immer weiter zu.

Neben den Obdachlosen stehen junge Studenten, Eltern mit ihren Kindern sowie Betreiber von Hotels und Cafès in der Schlange und warten auf eine kostenlose Essensausgabe. Vor der Coronakrise hatten viele von ihnen einen Job, genug Geld und einen gefüllten Kühlschrank. Doch hier, auf Mallorca, hat das Coronavirus alles verändert. 

Coronavirus auf Mallorca: Die Not wird immer größer

„Ich habe weder Strom noch Wasser, und auch nichts zu essen“, sagt der arbeitslose Kellner Damian der Zeitung Crónica Balear. So wie ihm geht es vielen. Denn vor Corona waren auf Mallorca viele Menschen im Gastgewerbe tätig. Doch die steigenden Corona-Zahlen setzen der Branche enorm zu. Und das hat finanzielle und soziale Folgen. Laut der Regionalzeitung Dirario de Mallorca soll die Nachfrage nach Hilfsleistungen nie so groß gewesen sein wie in diesen Tagen.

Und auch eine Studie der Universität der Balearen (UIB) zeigt, wie das Coronavirus Mallorca verändert: Demnach habe sich die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen in nur einem Jahr auf circa 34.000 verdoppelt. Mehr als jeder Vierte gilt als arm. 

Nur wie soll den Menschen in Not geholfen werden? Maria Antònia Carbonero, die Leiterin des Sozialen Obersvatoriums der UIB-Hilfsorganisationen, zeigt sich pessimistisch und erklärt, dass es nicht genug Mittel gibt, um allen zu helfen: „Die Hilfsorganisationen sind überfordert“.

Die Corona-Zahlen steigen

Dabei hat Mallorca neben einer Maskenpflicht, die auch für den öffentlichen Raum gilt, die Bewegungs- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt. Seit Ende Oktober gibt es eine nächtliche Ausgangssperre. Und dennoch steigen die Corona-Zahlen massiv. 

Nach Angaben der Regierung liegt die 14-Tage-Inzidenz bei 530. 

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Mittlerweile geht die Angst um, dass die Intensivstationen kollabieren. Die Zeitung Diario de Mallorca titelte bereits, dass die Lage hier „außer Kontrolle“ sei. Und Regionalpräsidentin Francina Armengol erklärt: „Wir erleben eine schreckliche Situation, die wir uns auch nicht in unseren schlimmsten Träumen hätten vorstellen können“.

Coronavirus: Mallorca sitzt in der Falle 

Obwohl das Coronavirus Mallorca in Atem hält, will man einen längeren Lockdown verhindern. Denn auf der Insel wird rund 35 % des Einkommens durch die Tourismusbranche erwirtschaftet. Wenn alles dicht ist, bleiben nicht nur die Urlauber, sondern auch das Geld weg.

Aber es sind nicht nur die hohen Corona-Zahlen und der Jobverlust, die Sorge bereiten. Auch Überfälle und Einbrüche sollen zunehmen und die Insel erschüttern. Die Anfragen nach Alarmanlagen und Warnsystemen steigen. Die regionalen Zeitungen bringen die Einbrüche mit der wachsenden Armut in Verbindung. 

Das Stimmungsbild der Bewohner ist im Keller. So erklärt eine Rentnerin, die in der Schlange für die kostenlose Essensausgabe steht der dpa gegenüber: „Die Menschen hier in den Schlangen werden immer mehr. Wenn das so weiter geht, gibt es hier Krieg“.

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