Auf der ganzen Welt forschen Experten mit Hochdruck an Covid-19. Sobald die Pandemie abflaut, will sich einer von ihnen jedoch wieder auf andere Viren konzentrieren. Nämlich Christian Drosten, der Chef-Virologe der Berliner Charité. Dem Wirtschaftsmagazin Capital sagte er dazu: „Wenn der Rummel jetzt vorbei ist, dann werde ich mit einer kleinen Arbeitsgruppe ein neues Thema aufbauen.“ Er wolle sich dann verstärkt mit Mers-Viren beschäftigen, da die aus seiner Sicht das Potenzial dazu haben, der „nächste Pandemiekandidat“ zu werden.

Mers-Viren: Was wir wissen

Die Abkürzung Mers steht für Middle East Respiratory Syndrome. Mers gehört zur Gruppe der Coronaviren:

  • Mers wurde laut dem Robert-Koch-Institut zum ersten Mal im April 2012 auf der Arabischen Halbinsel nachgewiesen. 
  • Seitdem verbreitet es sich vor allem in Saudi-Arabien.
  • Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es mehr als 2.000 Fälle mit bislang 858 Todesfällen. Damit sterben ungefähr 35 % der Patienten. Die Todesrate ist somit hoch. Das liegt laut RND jedoch daran, dass milde Fälle nicht registriert wurden.
  • Vereinzelt wurden auch Fälle in Deutschland festgestellt.
  • Mittlerweile ist bekannt, dass Mers von Tier (Dromedar) zu Mensch und vereinzelt auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
  • Laut RKI verläuft die Krankheit bei gesunden Menschen asymptomatisch oder Infizierte bekommen grippeähnliche Symptome. Bei schweren Verläufen kann es zu Atemnot und Organversagen kommen. 
  • Im Gegensatz zu Sars-Cov-2 vermehren sich die Viren jedoch langsamer.
  • Laut Drosten bemerken Erkrankte schneller, dass sie krank sind – im Vergleich zu Corona.
  • Es gibt bisher noch keinen Impfstoff und kein Medikament gegen die Krankheit. Es wird aber mit Hochdruck daran gearbeitet.

Wie hoch ist das Risiko, dass Mers zur Pandemie wird?

Noch im Jahr 2015 hatte Drosten gegenüber dem Focus gesagt, dass er die Ausbreitung des Mers-Virus als Epidemie oder Pandemie für „sehr unwahrscheinlich“ halte. Die Begründung: Die Viren passen sich nur langsam an den Menschen an.

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Nun hat er seine Meinung anscheinend geändert und die Mers-Viren rücken verstärkt in seinen Fokus. Laut RKI ist für die globale Risikoeinschätzung und damit auch für Deutschland wichtig, ob es anhaltende unkontrollierte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen gibt. Dafür gibt es bislang zwar keine Hinweise. Dennoch gab es in Krankenhäusern schon mehrere Ausbrüche und auch die WHO stuft Mers als Priority Disease ein, also als eine Krankheit, deren Erforschung und Entwicklung von Medikamenten höchste Priorität eingeräumt werden muss.

Obwohl es noch keinen Anlass für Panik gibt, müssen wir uns laut dem RKI vor Augen halten, dass importierte Krankheitsfälle jederzeit möglich sind. „Und sie könnten, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden [ …] zu weiteren  Ansteckungen führen.

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