Das Timing könnte nicht schlechter sein. Während die bundesweite Inzidenz weiter steigt, stagniert der Impffortschritt im Land. Der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) scheint das aber egal zu sein. Trotz Corona sind sie in den Bahn-Streik getreten – mit verheerenden Auswirkungen.

Bahn-Streik trotz Corona: Massive Einschränkungen befürchtet

Mitten in der Pandemie hat die GDL mit nicht einmal 24 Stunden Vorlaufzeit beschlossen, in den Bahn-Streik zu treten – Corona spielt anscheinend keine Rolle. Obwohl die Inzidenz gerade bundesweit auf 25,1 gestiegen ist und die Impfquote bei 55,1 Prozent liegt, haben die Mitglieder der Lokführergewerkschaft ab heute Nacht die Arbeit niedergelegt.

Jeden Tag fahren in Deutschland mehr als 1000 Fern- und mehr als 20 000 Nahverkehrszüge. Jetzt fahren nur noch ein Viertel davon. Man muss kein:e Mathematiker:in sein, um sich auszurechnen, dass Millionen Passagier:innen sich sowohl mit Verspätungen und Ausfällen abfinden müssen. Doch damit nicht genug: Sollte man zu den Glücklichen gehören, die es in einen fahrenden Zug schaffen, wird dieser mit Sicherheit überfüllt sein.

Auch auf der Website der Deutschen Bahn wird vor einem „massiv beeinträchtigen“ Verkehr gewarnt und darum gebeten, nicht zwingend notwendige Reisen zu verschieben. Es wird eine hohe Auslastung der noch zu verkehrenden Züge erwartet. „Wir empfehlen Ihnen, in diesem Zeitraum einen Sitzplatz zu reservieren“, heißt es weiter. Außerdem empfiehlt das Unternehmen dringend, in Zügen, Bussen und Bahnhöfen FFP2-Masken zu tragen.

Im Video: Kanzlerin Merkel ruft erneut zum Impfen auf:

Harte Kritik an den Lokführer:innen

Gerade in Zeiten von Corona einen Bahn-Streik durchzuziehen, sorgte bundesweit für Empörung. So erklärten die Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) laut Handelsblatt auch mit Blick auf die Corona-Ansteckungsgefahr, dass die Lokführergewerkschaft unverantwortlich handle, „wenn sie ausgerechnet jetzt einen Streik vom Zaun bricht“. UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck sagte: „Möglicherweise überfüllte Züge sind noch immer ein Risiko.“

Auch wirtschaftlich gesehen ist der Bahn-Streik eine Katastrophe. Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bahn einen Rekordverlust von 5,7 Milliarden Euro eingefahren. „Gerade jetzt, wenn die Menschen wieder mehr reisen und die Bahn nutzen, macht die GDL-Spitze den Aufschwung zunichte, den wir in Anbetracht der massiven Corona-Schäden dringend brauchen“, sagte Bahn-Personalchef Martin Seiler dem Handelsblatt.

Du brauchst noch mehr Infos zum Bahn-Streik? Lies hier, welche Orte besonders betroffen sind und wie du reagieren solltest.

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