Der Antisemitismus-Vorfall in Leipzig sorgte in ganz Deutschland für großes Aufsehen. Nun berichten mehrere Zeitungen, dass in den Überwachungskameras gar keine Davidsstern-Kette zu sehen war.

Update: Trug der Sänger tatsächlich eine Davidstern-Kette?

Das Überwachungsvideo wirft Fragen auf: Der Zeitung Bild am Sonntag zufolge sollen die Überwachungsvideos zeigen, dass der Sänger keine Kette an dem Tag getragen hat. Ihnen liegt das Überwachungsvideo vor. Auch die Leipziger Volkszeitung berichtet, dass die Auswertungen der Ermittler:innen zu demselben Entschluss gekommen sind. Zudem hat er in seiner Aussage nicht genau sagen können, ob er tatsächlich eine Davidsstern-Kette trug. Gegenüber der Bild am Sonntag äußerte sich Gil Ofraim so: „Es geht hier nicht um die Kette. Es geht eigentlich um etwas viel Größeres. Da ich oft mit dem Davidsstern im Fernsehen zu sehen bin, wurde ich aufgrund dessen beleidigt.“ Gil Ofraim hat einen der Hotelmitarbeiter angezeigt. Der hat ihn wiederum wegen Verleumdung angezeigt.

— Zentralrat der Juden in Deutschland (@ZentralratJuden) October 5, 2021

Update: Trug der Sänger tatsächlich eine Davidstern-Kette?

Das Überwachungsvideo wirft Fragen auf: Der Zeitung Bild am Sonntag zufolge sollen die Überwachungsvideos zeigen, dass der Sänger keine Kette an dem Tag getragen hat. Ihnen liegt das Überwachungsvideo vor. Auch die Leipziger Volkszeitung berichtet, dass die Auswertungen der Ermittler:innen zu demselben Entschluss gekommen sind. Zudem hat er in seiner Aussage nicht genau sagen können, ob er tatsächlich eine Davidsstern-Kette trug. Gegenüber der Bild am Sonntag äußerte sich Gil Ofraim so: „Es geht hier nicht um die Kette. Es geht eigentlich um etwas viel Größeres. Da ich oft mit dem Davidsstern im Fernsehen zu sehen bin, wurde ich aufgrund dessen beleidigt.“ Gil Ofraim hat einen der Hotelmitarbeiter angezeigt. Der hat ihn wiederum wegen Verleumdung angezeigt.

Gil Ofarim mit Antisemitismus in Deutschland konfrontiert

Der Sänger Gil Ofarim wurde im Leipziger Hotel „The Westin“ aufgrund einer Davidstern-Kette abgewiesen. Nach Aussage des Hotels wurden die beiden involvierten Mitarbeiter beurlaubt.

In der ProSieben-Show „Zervakis&Opdenhövel“ gab der Sänger nun zu, dass nicht nur Unterstützung durch die Medienwelle kam. „Ich habe mich zur Zielscheibe gemacht. Ich werde jetzt bedroht.“ so Ofraim. Trotzdem lässt er sich nicht unterkriegen und spricht weiter über das Geschehene.

Kurz nach dem Vorfall wendete der Sänger sich mit einem Video an seine Instagram-Follower:innen: Im Hotel hatte sich aufgrund von technischen Problemen eine lange Schlange gebildet. Nach und nach wurden die Gäste aufgerufen. Zwar wurde er auch aufgerufen, jedoch wurden andere Gäste vorgezogen. Auf Nachfrage, warum dies so sei, baten ihn zwei Mitarbeiter seine Davidstern-Kette abzunehmen. Nur so dürfe er einchecken.

Haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt?

Gil Ofarim in seinem Instagram-Video

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und legt nach eigener Aussage die Unterlagen heute der Staatsanwaltschaft vor. Beide Mitarbeiter sind auf Dauer der Ermittlungen beurlaubt, so die Hotelkette. Die Mariott-Gruppe drückte am Freitagabend ihr „tiefes Bedauern“ gegenüber Ofraim aus.

Kundgebung vor dem Hotel

Noch am Dienstagabend rief das Bündnis „Leipzig nimmt Platz“ zu einer Kundgebung auf. Vor dem Hotel versammelten sich viele Menschen, um gegen den Vorfall zu demonstrieren. Die Teilnehmerzahl befand sich „im mittleren dreistelligen Bereich“, so schätzt die Polizei.

Reaktionen im Netz

Viele User:innen zeigen ihre Wut nun offen im Netz. Auch der Zentralrat der Juden hat sich auf Twitter zu dem Vorfall geäußert. „Die antisemitische Anfeindung gegen Gil Ofarim ist erschreckend. So wie zu hoffen ist, dass das Westin personelle Konsequenzen zieht, hoffe ich ebenso, dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden.“

Auch die Antidiskriminierungsstelle kritisiert das Hotel scharf und meint, dass der Vorfall nicht folgenlos bleiben dürfe. Besonders die Reaktion des Hotels regt viele Nutzer:innen auf: Das Hotel postete ein Foto seiner Mitarbeiter:innen, die einen Banner mit der israelischen Flagge und Mondsicheln hochhalten.

Reaktion des Comedians Shahak Shapira auf den Post des Hotels.

Autor und Moderator Hendrik Wieduwilt sieht in dem Vorfall ein strukturelles Problem: „Wer Westin für einen Einzelfall hält, sollte nochmal genau hinschauen“, schreibt er in einem Tweet.

— Shahak Shapira (@ShahakShapira) October 5, 2021
Reaktion des Comedians Shahak Shapira auf den Post des Hotels.

Autor und Moderator Hendrik Wieduwilt sieht in dem Vorfall ein strukturelles Problem: „Wer Westin für einen Einzelfall hält, sollte nochmal genau hinschauen“, schreibt er in einem Tweet.

Hotel-Security kommt offenbar aus der rechten Szene

Die Sicherheitsfirma Pro-GSL, die das Hotel abgesichert hat, ist in der rechten Szene bekannt, so berichtete t-online.de. Die Adresse, die die Sicherheitsfirma auf ihrer Webseite angibt, ist bekannt von dem Leipziger Ableger der Pegida. Die Adressen sind nämlich identisch. Zudem war der Geschäftsführer der Firma Tobias B. an dem „Sturm auf Connewitz“ beteiligt. 2016 hatten 200 Neonazis in Leipzig-Connewitz randaliert und Autos angezündet.

— Hendrik Wieduwilt (@hwieduwilt) October 6, 2021

Hotel-Security kommt offenbar aus der rechten Szene

Die Sicherheitsfirma Pro-GSL, die das Hotel abgesichert hat, ist in der rechten Szene bekannt, so berichtete t-online.de. Die Adresse, die die Sicherheitsfirma auf ihrer Webseite angibt, ist bekannt von dem Leipziger Ableger der Pegida. Die Adressen sind nämlich identisch. Zudem war der Geschäftsführer der Firma Tobias B. an dem „Sturm auf Connewitz“ beteiligt. 2016 hatten 200 Neonazis in Leipzig-Connewitz randaliert und Autos angezündet.

Antisemitismus in Deutschland: Es gibt ihn noch

Auch heutzutage ist Hass auf jüdische Menschen keine Seltenheit. In einer Autoritarismus-Studie der Universität Leipzig aus dem Jahr 2020 haben 10,2 Prozent der Befragten angegeben, dass ihrer Meinung nach Juden zu viel Einfluss auf die Gesellschaft haben. 24,6 Prozent tendieren zu der Aussage.

Auch die Anzahl der antisemitischen Vorfälle in Deutschland zeigt, dass das Problem der Judenfeindlichkeit immer noch ein Problem ist. Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) meldete 2020 1909 antisemitische Vorfälle. 450 mehr als im Jahr zuvor.

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