Annalena Baerbock ist derzeit der Liebling der Medien. Das liegt allerdings nicht unbedingt daran, dass sie so beliebt bei Wähler:innen oder Journalist:innen ist. Sie scheint allein schon damit zu polarisieren, dass sie überhaupt in der politischen Landschaft existiert. Am Sonntag hat Annalena Baerbock sich allerdings im Sommerinterview für ihre Politik rechtfertigen müssen und wurde dabei Opfer von Sexismus. Die vermeintlich sexistische Frage der Moderatorin bezieht sich auf Baerbocks Kinder.

Das Sommerinterview 2012 mit Annalena Baerbock

Das Sommerinterview der ARD ist kein Zuckerschlecken, das wissen die meisten Menschen in Deutschland bereits. Hier werden Politiker:innen von den Moderator:innen gegrillt und mal so richtig auf die Probe gestellt. Auch dieses Jahr im Sommerinterview muss sich die Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock für ihre Entscheidungen (gute wie schlechte) rechtfertigen. Wir haben uns das Interview angeschaut und uns ist aufgefallen: So bissig war die Moderatorin Tina Hassel lange nicht mehr. Sie schaffte es zwar, die Politikerin in die Enge zu treiben, jedoch stellte sie ihr auch eine Frage, die sie Baerbocks männlichen Konkurrenten nicht stellen würde.

Tina Hassel & Annalena Baerbock: Keine Liebe in Sicht

Das Sommerinterview zwischen den beiden Frauen war ein Kräftemessen der Meinungen. Während die Moderatorin Tina Hassel sich vorgenommen hatte, Annalena Baerbock aus der Reserve zu locken, war diese darauf vorbereitet, auf alles eine diplomatische Antwort zu geben. Doch mit einer Frage machte sich die Moderatorin nicht sonderlich beliebt.

Sexismuskritik an Tina Hassel

Tina Hassel lässt nicht locker und macht klar: „Die kommende Regierung […] könnte die letzte sein, in der die Klimakatastrophe überhaupt noch abzumildern ist“. Daraufhin stellt die sie Annalena Baerbock eine Frage, die die Moderatorin im Nachhinein noch bereuen könnte: „Wie würden Sie das ihren Kindern erklären, wenn durch die vermeidbaren Fehler ihrer Mutter vielleicht die Grünen ihre Chance verspielt hätten, diese entscheidenden Weichen in der Regierung zu stellen?“

Das Einbeziehen Baerbocks Kinder ist für viele Zuschauer:innen ein absolutes No-Go, vor allem wenn man bedenkt, dass das Thema weder bei Olaf Scholz, noch bei Armin Laschet, der ebenfalls mehrere Kinder hat, zur Sprache kam. Stattdessen wurden die beiden Herren lediglich zur Dauer der Regierungsbildung und zum EM-Finale befragt.

Handelt es sich hier also um Sexismus oder war die Frage einfach nur blöd gewählt? Zuschauer:innen kreiden es der Moderatorin jedenfalls an, so eine Frage einer Frau überhaut gestellt zu haben und werfen ihr Sexismus vor. Daraufhin entschuldigte sich die Moderatorin sogar bei Annalena Baerbock, vergessen können wir es jedoch nicht.

Dieser Satz ist wirklich radikal – endlich!?

Der Rest des Sommerinterviews verlief jedoch auch spannend. Tina Hassel setzte Annalena Baerbock unter den Druck, etwas über die Afghanistankrise zu sagen. Natürlich ist Annalena Baerbock als Bundeskanzler:innenkandidatin dafür zuständig, sich zu solchen Dingen zu äußern und eine führende und dezidierte Meinung dazu zu haben. Ihre Antwort traf aber auf genauso viel Unverständnis wie Akzeptanz.

Annalena Baerbock schlug vor, die Fußball-WM in Qatar im Jahr 2022 abzusagen. Ihrer Meinung nach könnte man es politisch und menschlich nicht mit sich vereinbaren, ein solches Spektakel stattfinden zu lassen.

Politisch ist die Golfregion rund um Katar nämlich verschwägert mit den Taliban. Wenn die WM 2022 dort stattfände, würden wir alle indirekt das Geschehen in Afghanistan unterstützen. Annalena Baerbock sagte dazu: „Wenn ihr weiter die Taliban auf diese Weise unterstützt, wenn ihr weiter auf diese massive Art zu Menschenrechtsverletzungen beitragt, können wir nicht demnächst bei euch Fußball spielen“

Fußball-WM? Nicht mit Annalena Baerbock!

Viele Menschen unterstützen Annalenas Meinung, dass man die Taliban und somit die Macher:innen der WM nicht unterstützen darf. Andere Menschen in Deutschland können sich nicht vorstellen, die Fußball-WM nicht abhalten zu können. Doch schon seit Beginn der Baumaßnahmen für die WM 2022 hagelt es heftige Kritik und immer wieder fragt sich die Öffentlichkeit: Sollten wir die WM in Katar absagen? Bereits im März 2021 berichteten Medien von über 6.500 Leichen, die mit dem Aufbau der Stadien in Katar in Verbindung stehen. Auch Menschenrechtsausbeutungen werden immer wieder angekreidet. Auch Armin Laschet ist sich aus diesem Grund sicher, dass die WM 2022 abgesagt werden sollte.

Annalena Baerbock hat sich mit diesem Satz bei einem großen Teil der Online-Community Respekt verschafft. Viele, selbst Fußballfanatiker:innen begrüßen den Vorschlag, die WM abzusagen. So hat Annalena mit ihrer radikalen Äußerung etwas richtig gemacht!

Das wird Annalena Baerbock alles vorgeworfen

  • Sie bezog Nebeneinkünfte, die sie zu spät gemeldet hatte. Mehr dazu hier.
  • Sie musste sich mit Plagiatsvorwürfen beim Schreiben ihres Buches „Jetzt. Wie wir Deutschland erneuern“ herumschlagen. Mehr dazu hier.
  • Das Management der Grünen ist im Saarland „verkorkst“. Leider kann man hier Annalena Baerbock gar nicht erst wählen. Mehr dazu hier.

Annalena Baerbock reagierte diplomatisch, aber keineswegs gelassen. Während sie versuchte eine gute Miene aufzusetzen, geriet sie teilweise ins Straucheln. Wir können es ihr nicht verübeln, immerhin hat sie mit harten Vorwürfen zu kämpfen. Außerdem steht Annalena Baerbock gerade in den Umfragewerten der Forsa-Sonntags-Umfragen sehr weit hinten. Vor wenigen Monaten hatte sich noch bei 27% gestanden, heute liegt sie bei gut 17% der Deutschen, die sich wählen würden, wäre morgen Bundestagswahl.

Annalena Baerbock: „Man darf den Kopf nicht in den Sand stecken“

Es wäre nicht Annalena Baerbock, wenn sie nicht wenigstens ein paar Floskeln herauskramen würden. So sagte sie beispielsweise „Man darf den Kopf nicht in den Sand stecken.“ Sie will also nicht aufgeben und erst einmal genauso weitermachen wie bisher. Auf die Frage, wie sie sich denn vorstelle mit ihren schlechten Umfragen das Land zu regieren, sagte sie, dass sie das Land nicht allein regieren wolle, sondern alle zusammen an einem Strang ziehen müssen.

Hier wurde es knifflig zwischen den beiden Frauen

Als nächstes sprach Tina Hassel den Elefanten im Raum an: Annalena Baerbocks Vize Robert Habeck kommt derzeit in den Umfragen viel besser weg als die Kanzlerkandidatin. Er ist nach Angela Merkel sogar der zweitbeliebteste Politiker in Deutschland. Das ist Baerbock durchaus bewusst. Sie will Robert Habeck seinen Glanz nicht absprechen, sondern sagt, dass es nicht nur der Verdienst einer Person ist, wenn man gewinnt.

Auf Tina Hassels Frage hin, ob die Grünen vielleicht die falsche Entscheidung getroffen hätten als sie Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin machten, kam sie ins Straucheln. Ihr Blick im ARD Sommerinterview verriet ihr Unbehagen. Mit starrer Miene antwortete sie Tina Hassel und sagte:

„Wir wollen in der Politik nicht mehr gegeneinander arbeiten, sondern miteinander.“

Robert Habeck ist viel beliebter als Annalena Baerbock.

Über ein wichtiges Thema noch keine Gedanken gemacht

Damit meint Annalena vieles: Sie erklärt, dass die Parteien besser miteinander kooperieren sollten. Sie will aber auch deutlich machen, dass sie selbst noch nicht genau weiß, welche Aufgaben und Ministerien sie und Robert Habeck jeweils einnehmen, wenn sie gewählt werden. Um die Details werden sich später gekümmert.

Annalena Baerbock schlägt sich trotz Stress wacker

Die Bundeskanzler:innenkandidatin bringt das Sommerinterview zwar mit einigen Blessuren, aber mit Bravur hinter sich. Nach ihrem Antritt zur Bundeskanzler:innenkandidatin ist ihr in den letzten Monaten so viel widerfahren, dass ihre gestrige Unsicherheit gut zu verkraften ist. Annalena hat ihre Wähler:innen um Entschuldigung für Versäumnisse gebeten und ist nun auf dem besten Weg zurück in die Spitzenpolitik.

Disclaimer: Wir von wmn geben keine Wahlempfehlungen. Jedem Menschen ist es komplett selbst überlassen, was er oder sie bei der Bundestagswahl wählen will. Alles, was wir tun wollen, ist zu informieren und dazu aufzurufen überhaupt in die Wahlkabine zu gehen.