Prostituierte: So leiden sie unter Corona

Sexarbeiter trifft die Corona-Krise besonders hart. Nun fordern auch Politiker das Aus der Prostitution. Doch: Was würde das bedeuten?

Im Zuge des Lockdowns mussten auch Sexarbeiter ihre Arbeit niederlegen. Doch während Branchen, wie etwa die Gastronomie, der Einzelhandel oder die Fitnessstudios schrittweise wieder öffnen dürfen, gibt es für die bis zu 400.000 geschätzten Prostituierten bislang keinen genauen Termin, wann sie wieder arbeiten können. Nicht einmal eine Perspektive.

Wer sich nicht an das Verbot hält, kann mit Strafen von bis zu 5.000 € rechnen. Somit ist die Prostitution von der Corona-Krise hart getroffen.

Prostitution in Zeiten von Corona

Problematisch ist vor allem, dass viele Prostituierte einen Migrationshindergrund haben und an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Einige haben keinen sogenannten „Hurenpass“ und keine Aufenthaltserlaubnis. Können sie nicht arbeiten gehen, bekommen sie im Gegensatz zu Solo-Selbstständigen oder Hartz-4lern kein Geld vom Staat. In Folge der Corona-Krise stehen sie vor dem Nichts.

Aber auch angemeldete, deutsche Sexarbeiter haben vor der Krise oftmals kein Geld zur Seite gelegt, wodurch ihnen jetzt wichtige Einnahmen wegbrechen.

Prostitution Corona
Sexarbeit: Wie geht es nach der Corona-Krise weiter?(Photo: Dzelat/ Shutterstock)

Viele der Prostituierten kommen aus Ländern, wie Rumänien, Bulgarien oder Ungarn. Mit dem Geld, das sie verdienen, versorgen sie Eltern, Kinder oder andere Verwandte. Die Geldnot in Folge der Corona-Krise treibt viele dazu, illegal Sex für billig Preise für unter 5 Euro anzubieten

Doch Prostituierte, die kein Geld haben und im Moment illegal anschaffen gehen und erwischt werden, müssen eine hohe Geldstrafe zahle. Nur ist die Gefahr groß, dass diejenigen dann wieder anschaffen gehen, um das für die Strafe benötigte Geld aufzutreiben. Ein Teufelskreis ergibt sich.

Als sich das Coronavirus weiter verbreitet hat, sind viele der Frauen zurück zu ihren Familien nach Osteuropa gefahren. Doch nicht alle haben es rechtzeitig geschafft, bevor die Grenzen dicht gemacht haben. Zum einen weil sie keinen Pass oder nicht genügend Geld da war.

Virtuelle Dienstleistungen wurden schon als Lösung In Betracht gezogen

Harriet Langanke, die Direktorin der Kölner Gemeinnützigen Stiftung Sexualität und Gesundheit erklärt derweil, dass Teilöffnungen für Bondage, Sadomaso und Escort wieder ermöglicht werden sollen. Der Berufsverband Sexarbeit plädiert auch für die Zulassung von Domina-Diensten und erotischen Massagen.

Einige Virologen sehen das allerdings anders und warnen davor, dass Bordelle die Ausbreitung des Coronavirus begünstigen können. Und fordern, dass diese erst wieder öffnen, wenn es einen Impfstoff gibt.

Doch: Wieso können die Prostituierten in dieser Zeit nicht einfach auf Online-Dienste ausweichen? Aus der Branche selbst heißt es, dass es vielen Kunden um Nähe und Körperlichkeit geht, und diese Wünsche mit Online-Diensten nicht erfüllt werden können.

Prostituierte in times of Corona: Droht ihnen jetzt das Aus?

Die Lage für die Sexarbeiter könnte sich auch weiter verschärfen. Denn 16 Bundestagsabgeordnete von Union und SPD haben in einem Brandbrief gefordert, käuflichen Sex komplett zu verbieten. So handele es sich bei dieser Arbeit um eine menschenunwürdige Tätigkeit, die ein extrem hohes Ansteckungsrisiko birgt. Die Abgeordneten schreiben: „Diesen Frauen hilft nicht die Wiedereröffnung der Bordelle, sondern eine Ausbildung oder Tätigkeit in einem existenzsichernden Beruf“. 

Prostitution während Corona
Käuflicher Sex ist mit Corona unmöglich geworden.(Photo: shutterstock, RedlineVector)

Aus der Branche hagelt es dafür Kritik. Sexarbeiter erklären, dass die Corona-Krise dafür genutzt wird, um die Prostitution durch die Hintertür zu verbieten. So begrüßen sie zwar, dass es für diejenigen, die aussteigen wollen, Ausstiegsmöglichkeiten geben soll. Doch sie warnen auch davor, dass mit einem Verbot die Prostitution tatsächlich nicht mehr stattfindet. 

Denn Menschenhandel oder Ausbeutung, so erklären sie, finden trotz entsprechender Gesetze noch statt. Bei der Sexarbeit sei nichts anderes zu erwarten. Deshalb sei es besser, das Gewerbe transparenter zu gestalten. Denn nur so können Hygienestandards überprüft und Infektionsketten nachvollzogen werden.

Tatsächlich wird im Rahmen solcher Diskussionen immer wieder Schweden als Vorzeigemodell genannt. Denn dort gibt es ein sogenanntes Sexkaufverbot. Während ehemalige Prostituierte und Polizisten erklären, dass dieses geholfen habe, um Menschenhandel und Prostitution zu verhindern, warnen andere davor, dass das so nicht richtig sei und verweisen auf die Auswertung von Berichten und Dokumenten.

Doch: Was passiert nun mit Prostituierten in Not? Der Berufsverband Sexarbeit hat nicht nur ein Hygiene-Konzept vorgelegt. Sondern auch einen Fond ins Leben gerufen, der die Sexarbeiter finanziell auffangen soll.

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