Arbeitsvermittlerin
Arbeitsvermittlerin: Ein Job, bei dem es auch auf das Zwischenmenschliche ankommt. (Symbolbild) (Photo: shutterstock/ Undrey) Source: shutterstock/ Undrey

#Corona-AlltagsheldInnen: Wie die Corona-Krise den Berufsalltag einer Arbeitsvermittlerin verändert hat

Während Tausende um ihren Job bangen, ist ihrer krisensicher: Maria ist Arbeitsvermittlerin im Jobcenter. Erfahre hier, was Maria über ihre Berufswahl denkt.

Die Corona-Pandemie ist eine Herausforderung. Seit Monaten begleitet uns eine Unsicherheit. Die Unsicherheit, ob wir uns mit dem Virus infizieren. Die Unsicherheit, ab wann wir wieder unsere Zukunft planen können. Und vor allem auch die Unsicherheit, wie sich die Corona-Krise auf die Wirtschaft und auf unsere eigene Arbeitssituation auswirken wird.

Immerhin sitzen nun viele Menschen im Homeoffice, fast zwei Millionen sind in Kurzarbeit, die Arbeitslosenquote ist nach oben geklettert und Selbstständige stehen vor dem Nichts.

Nur wie ist es eigentlich – inmitten der Krise – Menschen in einen neuen Job zu vermitteln? Ihnen in Zeiten von Trostlosigkeit Mut zu schenken? Und ist ein Job im Öffentlichen Dienst in der Krise wirklich besser?

Arbeitsvermittlerin während der Corona-Krise – So ist es wirklich

Im Rahmen unserer Reihe #Alltagsheldinnen haben wir die Arbeitsvermittlerin Maria aus Berlin über ihren Berufsalltag ausgequetscht. wmn erzählt sie, warum sie dankbar für ihren Job ist und warum er ihr seit der Krise dennoch viel weniger Spaß macht als sonst.

wmn: Hey Maria, du arbeitest seit mehr als drei Jahren als Arbeitsvermittlerin in einem Berliner Jobcenter. Hat sich dein Berufsalltag mit der Pandemie sehr verändert?

Ja, allerdings. Mein Berufsalltag hat sich komplett verändert. Als Arbeitsvermittlerin berate ich SchülerInnen und junge Menschen, die ins Arbeitsleben einsteigen wollen. Vor der Pandemie habe ich pro Tag vier bis acht KundInnen persönlich gesehen und mit ihnen über ihre Chancen, Berufsaussichten und Möglichkeiten gesprochen. Aber seit März kann ich sie leider kaum noch sehen. Stattdessen muss ich vermehrt mit ihnen telefonieren.

Und funktioniert das genauso gut wie ein Gespräch im Büro?

Ja; aber der persönliche Austausch funktioniert besser. Vor allem für KundInnen, die Lernbehinderungen haben oder nicht so gut Deutsch sprechen. 

Also ist das Homeoffice für deinen Job ein Fluch?

Nein, die Möglichkeit zuhause zu arbeiten, ist zwar auch ein Fluch aber gleichzeitig auch ein Segen. Denn schon vor der Corona-Krise wollten viele meiner KollegInnen öfter Homeoffice machen. Aber die technischen Mittel waren begrenzt und wir durften nur von zuhause aus arbeiten, wenn es einen wichtigen Grund gab. Jetzt, in der Pandemie, ging es dann plötzlich doch. Und viele hoffen, dass das auch so bleiben wird, weil sie mit dem Homeoffice eine bessere Work-Life Balance haben.

Aber…?

Dass ich die meiste Zeit alleine im Homeoffice sitze, führt dazu, dass mir mein Job weniger Spaß macht. Ich merke, dass ich davor besser drauf war. Dass ich motivierter war, weil ich mich auf meine KundInnen und meine KollegInnen gefreut habe. Gemeinsame Mittagspausen, all das Zwischenmenschliche, das fällt ja jetzt weg. Aber ich will mich nicht beschweren. Ich habe einen krisensicheren Job und bekomme immer noch mein volles Gehalt, während es Menschen gibt, deren Existenz durch die Krise zerstört wurde.

Also bist du froh, im Öffentlichen Dienst zu arbeiten?

Ja, ich bin super dankbar für die Stelle. Vor allem, weil mir die Entscheidung, in den Öffentlichen Dienst zu gehen, am Anfang sehr schwer fiel. Weil ich erst meine kreative Seite ausleben wollte. Aber wenn ich jetzt sehe, wie schlecht es manchen Branchen geht, von denen man so einen Zusammenbruch vor der Corona-Krise niemals erwartet hätte, bin ich sehr dankbar über die Entscheidung.

Apropos Öffentlicher Dienst: Bemerkst du, dass in Folge der Krise mehr Menschen in den Öffentlichen Dienst wechseln wollen oder verstärkt auf der Suche nach einem krisensicheren Job sind?

Nein, die Berufswahl hat sich nicht geändert. Aber was ich merke, ist, dass junge Menschen Angst vor der Zukunft haben. Denn es sind viele Praktikumsplätze weggefallen und das bremst SchulabgängerInnen natürlich total aus. Sie können nicht mehr so einfach in verschiedene Berufe reinschnuppern und sich ausprobieren und sammeln weniger Berufserfahrung. Vielen geht es psychisch nicht gut. Sie fühlen sich gehemmt, trauen sich nicht mehr raus vor die Tür. Und haben Angst, dass sie ihren Schulabschluss nicht bestehen, weil sie zuhause mit dem Lernen nicht hinterherkommen oder technisch nicht so gut ausgestattet sind. 

Mein Job ist deshalb nicht nur der eines Vermittlers, sondern beinhaltet auch - noch viel stärker als sonst - eine starke psychologische Komponente. Ich versuche, den Kunden so gut wie es geht, die Zukunftsängste zu nehmen und sie bestmöglich zu beraten. Aber ich muss sie natürlich auch darauf hinweisen, dass eine Ausbildung in manchen Branchen gerade nicht möglich ist. Denn viele Betriebe können keine Azubis mehr aufnehmen oder haben ihre MitarbeiterInnen in Kurzarbeit geschickt. Das geht einem schon nah, wenn man sieht, wie Jobträume zerplatzen.

Erfahre im Video, was du in Videokonferenzen unbedingt beachten solltest.


Im letzten Jahr sind die Arbeitslosenzahlen gestiegen. Wie wirkt sich das auf eure Arbeit aus? Müsst ihr mehr arbeiten als sonst? 

Ja, vor allem die Abteilungen, die für die Auszahlung des Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeldes zuständig sind. Die KollegInnen gehen wirklich auf dem Zahnfleisch. Die sind seit Monaten überlastet und kommen nicht mehr hinterher. Mittlerweile wurden sogar schon die Arbeitszeiten erweitert, sodass sie am Samstag arbeiten können. Aber sie bekommen auch viel Unterstützung von den KollegInnen aus anderen Bereichen. Neben all den negativen Effekten, die die Pandemie auf unser Leben hat, ist es auch schön zu sehen, dass die Menschen auch mehr zusammenrücken.

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