Berufliche Neuorientierung
Berufliche Neorientierung (Photo: istock/ vm und 4fr) Source: istock/ vm und 4fr

Berufliche Neuorientierung: Von der Ingenieurin zur Yogalehrerin

Wie gelingt eine berufliche Neuorientierung? Eine Ingenieurin verrät, wie sie es geschafft hat - ohne ihr komplettes Leben zu verändern

Jede Zweite ist unzufrieden im Job!

Dennoch fällt der Schritt, etwas an der Situation zu verändern, nicht immer leicht. Eine, die es dennoch getan und eine berufliche Neuorientierung gewagt hat, ist Sarah. 

In wmn spricht sie über diesen Schritt und warum sie mehr Menschen dazu motivieren will, eine berufliche Neuorientierung zu wagen.

wmn: Hey Sarah, du hast nach dem Abitur ein duales Studium gemacht und als Projektmanagerin gearbeitet. Der Job klingt ist doch gesellschaftlich sehr angesehen. Warum warst du dennoch nicht glücklich?

Sara: Als Ingenieurin habe ich millionenschwere Projekte betreut. Ich hatte eine sehr große Verantwortung. Ich habe fünf Tage die Woche Multitaskingarbeit geleistet. Immer wach sein. Ansprechpartner für Projektbeteiligte und Baufirmen sowie viel unterwegs sein. Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass der Beruf eine Menge Kopfarbeit mitbringt.  

Mir hat jedoch der Sport schon immer gelegen. Und der kam bei dem Beruf einfach zu kurz.

wmn: Aber dann hättest du ja einfach nach dem Feierabend ins Fitnessstudio gehen können, oder?

Naja, bei einer 40 Stunden Woche verbringen wir 71 % unserer Zeit auf der Arbeit. Uns bleiben eigentlich nur 29 % für die Familie, Freunde, Hobbies oder eben den Sport. Ich wollte nicht einfach nur nach der Arbeit noch mal kurz ins Fitnessstudio gehen, um mich auszutoben. Sondern vor allem habe ich mir eine ganz andere Tagesstruktur gewünscht.

Ich wollte mehr Raum für persönliche Entfaltung. Und die einzige Lösung war, entweder im Hamsterrad zu bleiben, meinen Wunsch nach anderer Struktur zurückzustellen oder eine berufliche Neuorientierung anzufangen.

wmn: Wie bist du die berufliche Neuorientierung angegangen?

Sara: Obwohl ich wusste, dass ich einen physischen Ausgleich zu der mentalen Arbeit brauche, habe ich mich ganz lange nicht getraut, auch nur einen einzigen Schritt in Richtung beruflicher Neuorientierung zu gehen. Aber irgendwann kam ich an den Punkt, an dem mir alles zu viel wurde

An dem ich für mich selbst entschieden habe, mir eine Auszeit zu gönnen. Und ich hatte schon länger den Wunsch, eine Yogalehrerausbildung zu machen. In dieser Pause hatte ich endlich die Zeit und den Kopf dafür.

Die Ingenieurin arbeitet nun auch als Yogalehrerin

wmn: Wieso gerade eine Yogalehrerausbildung?

Sara: Ich mache seit über fünf Jahren selbst Yoga. Und jede einzelne Stunde hat mir dabei geholfen, klarer und ruhiger zu werden. Den Tag besser zu starten, weniger Stimmungsschwankungen zu haben und bessere Entscheidungen zu treffen. Diese Energie, diese Veränderung, die ich dabei spüre, das wollte ich anderen Menschen weitergeben.  

wmn: Und nach deiner Yogalehrerausbildung hast du trotzdem nicht deinen Ingenierusjob an den Nagel gehängt?

Sara: Nein. Der Job macht mir ja immer noch viel Spaß. Nur will ich ihn eben momentan nicht in Vollzeit ausüben.

wmn: Das heißt, du arbeitest in Teilzeit als Ingenieurin und gibst nebenbei noch Yogakurse?

Sara: Genau. Und das war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.

wmn: Und das, obwohl du jetzt viel weniger Geld verdienst als davor als Vollzeitingenieurin?

Sara: Klar, ich verzichte auf Geld. Viel Geld. Aber das war für mich nie das entscheidende Kriterium. Denn mir ist es wichtiger, mehr Energie und Lebensfreude zu spüren. 

Das ist es, was für mich unbezahlbar ist. Und was sich nicht nur im beruflichen Kontext, sondern auch in allen Beziehungen zu Freunden, Partner und Familie widerspiegelt. 

wmn: Viele Menschen trauen sich aber gar nicht, eine berufliche Neuorientierung einzugehen. Kennst du das Gefühl?

Sara: Auf jeden Fall. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viele von uns eine ganz oder gar nicht Mentalität haben. Und das ist falsch! Eine Veränderung muss ja nicht immer die Kündigung bedeuten. Heute gibt es so viele verschiedene Arbeitszeitmodelle, wie etwa Flexzeiten, Teilzeit, Homeoffice, Remote... Nicht immer muss man direkt den Sprung in die Selbstständigkeit wagen.

Oft sind es auch wir selbst, die sich im Weg stehen. Die nur die Grenzen anstatt die Möglichkeiten sehen. Aber so viele Menschen haben längst innerlich gekündigt und fühlen sich gefesselt an ihren Job. Wer sich in diesem Dilemma befindet und dennoch gerne etwas verändern will, aber nicht weiß, wo er anfangen soll, dem empfehle ich ein Berufscoaching.

wmn: Kein Yoga?

Sara: Yoga würde ich allen Menschen empfehlen. Unabhängig von der beruflichen Situation. Denn es hilft uns dabei, vom Denken ins Fühlen zu kommen. Die eigenen Bedürfnisse besser zu spüren und den inneren Kritiker auszuschalten. 

wmn: Danke, für das Gespräch!

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