Corona Taiwan
Corona? Nein! In Taiwan wird gefeiert! (Photo: imago images/ZUMA Wire) Source: Brennan O Connor via www.imago-images.de

Wieso Taiwan feiert & wir immer noch im Lockdown hocken

In Taiwan haben Tausende Menschen ein Festival gefeiert - ohne Maske. Wieso finden dort wieder Parties statt? wmn erklärt Taiwans Umgang mit dem Coronavirus.

Housebeats dröhnen in die Menge, während sich die Körper im Takt bewegen und die Hände in die Luft ragen. Die Stimmung ist ausgelassen hier in Taiwan, in Chinas kleinem Nachbarstaat. Tausende Menschen sind vor ein paar Tagen in die Hauptstadt Taipei geströmt, um das Ultra-Festival zu feiern. Eine Party ohne Maske und ohne Abstand, das ist wirklich eine Situation, von der wir hierzulande nur träumen können.

Doch: Wieso können die Menschen in Taiwan feiern, während Corona uns einen Strich durch die Rechnung macht? Wie konnte es der Staat ohne Lockdown durch die Pandemie schaffen und das mit so wenig Corona-Infizierten? wmn erklärt die Strategie der Insel.

Taiwan & das Coronavirus

Zurück zu den Anfängen der Pandemie: Im Januar diskutierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch munter darüber, ob der internationale Gesundheitsnotstand ausgerufen werden soll oder lieber doch nicht - doch Taiwan war schon einige Schritte schneller und schaltete in den Notfallmodus um. Damit war der Staat der WHO mehrere Tage voraus. 

Tausende Menschen kamen für das Festival zusammen.

Taiwans Strategie basierte vor allem darauf, dass niemand das Coronavirus von außen einschleppt. So wurden Passagiere aus Wuhan, dem Epizentrum des Coronavirus, bereits im Flugzeug auf Symptome hin untersucht. Jeder, der einreisen wollte, musste in Quarantäne. Genauso wie diejenigen, die Kontakt zu Infizierten hatten. Und ab dem 7. Februar verbot Taiwan schließlich auch die Einreise für alle, die 14 Tage zuvor in China waren. Unabhängig davon, aus welcher Region jemand kam. 

Corona: Taiwan hatte einen kleinen Vorsprung

Dass Taiwan so blitzschnell und umsichtig reagierte, hat jedoch auch einen bestimmten Grund. Denn der Staat hat bereits Vorerfahrungen im Umgang mit Pandemien sammeln können. Als sich im Jahr 2002 der Sars-Erreger verbreitete, starben in Folge 73 Menschen in Taiwan. Eine Lehre, aus der der Staat seine Lektion gelernt und ein hocheffizientes Pandemie-System erarbeitet hat.

Taiwans Strategie gegen Corona: Echtzeitdatenbestand von Masken

Obwohl der ein oder andere davon ausgehen könnte, dass es Taiwan nur aufgrund seiner Insellage geschafft hat, das Coronavirus in Schach zu halten, beweisen Großbritannien und die Philipinnen, dass diese nicht ausschlaggebend im Kampf gegen Viren ist. Vielmehr sind es auch strenge Maßnahmen, die Taiwan im Kampf gegen Corona geholfen haben. Zum Beispiel das obligatorische Tragen einer Maske. Eine Maßnahme, mit der sich bis heute viele in Deutschland nicht anfreunden können und die in vielen asiatischen Ländern längst bei normalen Erkältungswellen eingesetzt wird.

Im Video erfährst du, wodurch sich eine Allergie und Corona unterscheiden.

Damit es auch genug Mund-Nasen-Schutz für die Bürger gibt, hat Taiwan auf ein Exportverbot von Masken gesetzt und die Produktion schnell hochgefahren. Wer in einem Geschäft keine Maske mehr kaufen konnte, konnte einfach sein Handy zücken und per App einsehen, wo es noch welche zu erwerben gab. Ein hilfreiches Tool, das wir hier ebenfalls dringend gebraucht hätten. Schließlich erinnern wir uns noch daran, dass es gerade zu Beginn der Krise kaum noch Masken zu kaufen gab.

Aufklärung anstatt Fake News

Aber weiter im Vergleich. Während bei uns im Netz Verschöwungstheorien geteilt werden oder Spots der Bundesregierung für Hohn und Kritik sorgen, liefen in Taiwan im Fernsehen Aufklärungsclips über das Coronavirus. Und das rauf und runter. Der Minister trat live immer wieder vor die Kameras und beantwortete Fragen. Aber auch wer zur Arbeit, Uni oder anderen öffentlichen Einrichtungen wollte, musste sich vor dem Eintritt ins Gebäude Fieber messen lassen

Quarantäne während andere normal weiterleben

Und die Quarantäne wurde komplett anders organisiert. Wer infiziert war, durfte keinen Fuß vor die Tür setzen. Eine Regel, die auch akribisch überprüft wurde. Mithilfe der Funkzellenortung wurden die Handys der Betroffenen überwacht. Entfernte sich die Person zu weit weg vom Haus, wurde das Smartpone einfach abgeschaltet. 

Der Vorteil der Funkzellenortung gegenüber dem GPS-System? Während die Funkzellenortung anzeigen soll, ob jemand einen Straßenblock verlässt, zeigen die GPS-Daten an, in welchen Laden jemand geht. Die gespeicherten Daten sollen jedoch nach einer Quarantänezeit von 14 Tagen gelöscht werden.

Aber damit nicht genug. Auch tägliche Kontrollanrufe gehörten zum Quarantäne-Alltag. Und wehe, es wurde nicht abgenommen, dann so der Journalist Klaus Bardenhagen im ntv, klopfte schon jemand an deine Tür. Wer in Quarantäne war, wurde mit Lebensmitteln versorgt und Einheimische erhielten pro Tag Quarantäne-Geld. Am Ende waren es jedoch nur wenige Tausende, die in Taiwans strenge Quarantäne mussten. Dafür konnten über 20 Millionen andere Bürger ihr Leben fast normal weiterführen.

Wer heute auf die Zahlen schaut, stellt fest, dass Taiwan etwas mehr als 600 Corona-Fälle hat. Es haben sich hier zwar auch nicht so viele Menschen testen lassen, aber laut des Ministers haben sich auch nicht viel mehr Menschen mit Symptomen gemeldet. Was also können wir von Taiwan lernen?

Fazit: Corona in Taiwan besser unter Kontrolle

Zuallererst lässt sich festhalten, dass Taiwan die Corona-Krise mit Bravur gemeistert hat. Die Insel konnte dabei auf frühere Erfahrungen zurückgreifen und macht uns damit Hoffnung, dass auch wir künftige Krisen besser meistern können. Dennoch basiert Taiwans Erfolgsmodell vor allem auf einem Deal: Ein Sieg gegen das Virus gibt es bislang nur im Austausch gegen Daten.

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