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Weltfrauentag – warum ist der Tag überhaupt wichtig?

Warum gibt es den Weltfrauentag? Brauchen wir den Tag noch oder ist er längst überholt? Erfahre alles Wichtige rund um den internationalen Frauentag.

selbstbewusste weibliche Aktivistin mit dem Wort strong auf der Brust protestiert mit anderen Frauen im Hintergrund
Am Weltfrauentag geht es um die Gleichberechtigung aller Geschlechter. (Credit: Unsplash)

Bald werden anlässlich des Weltfrauentags wieder Blumen verteilt und Glückwünsche ausgesprochen. Im Jahr 2019 war der Tag sogar erstmals ein Feiertag in Berlin. Aber was hat es damit auf sich? Brauchen wir den Weltfrauentag überhaupt noch?

Wann ist der Weltfrauentag? 

Der erste Weltfrauentag wurde am 19. März 1911 gefeiert. Heute wird der internationale Frauentag überall auf der Welt am 8. März gefeiert. Warum sich der 8. März als Datum durchsetzte, ist nicht eindeutig geklärt. 

Eine mögliche Erklärung: Am 8 März 1917 – nach dem julianischen Kalender in Russland der 23. Februar – starteten Proteste von Anwohnerinnen der Armen-Stadtviertel in Petrograd. Diese Streiks waren einer der Gründe für die Februarrevolution in Russland, welche die Zarenherrschaft im Land beendete. Zu Ehren der Streikenden wurde daher in Moskau der 8. März als internationaler Frauentag ausgewählt.

1975 verkündeten die Vereinten Nationen den 8. März zum Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden.

Demonstration mit vielen Menschen und Protestschild the future is female
Viele Menschen nutzen den Weltfrauentag, um für mehr Frauenrechte zu protestieren.

Warum feiern wir den internationalen Frauentag?

Am Weltfrauentag werden die sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Errungenschaften von Frauen gefeiert. Der Tag ist aber auch ein Aufruf zum Handeln, um die Gleichstellung der Geschlechter zu beschleunigen. 

Entstanden ist der Weltfrauentag aus der Arbeiterbewegung. Die deutsche Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin schlug ihn 1910 auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor. Einer der wichtigsten Forderungen waren das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Mit Erfolg: In Deutschland können Frauen seit 1919 wählen. In der Schweiz profitieren Frauen erst seit 1971 vom Wahlrecht, in Liechtenstein sogar erst seit 1984.

Dieser Internationale Frauentag ist die wichtigste Kundgebung für das Frauenwahlrecht gewesen, welche die Geschichte der Bewegung für die Emanzipation des weiblichen Geschlechts bis heute verzeichnen kann.
Clara Zetkin, Frauenaktivistin, 1911

Warum ist der Weltfrauentag ein Feiertag?

Aktuell ist der Weltfrauentag ein Feiertag in 26 Ländern. Dazu gehören beispielsweise Armenien, Kambodscha, Kuba, Sambia, Uganda und Weißrussland. In manchen Ländern, zum Beispiel China, Madagaskar und Nepal gilt der Feiertag nur für Frauen. In Deutschland wurde der internationale Frauentag 2019 nur in Berlin als Feiertag beschlossen.

Eine offizielle Begründung für die Feiertagsregelung: Besonders (ehemalige) kommunistische und sozialistisch geprägte Staaten legen viel Wert auf den internationalen Frauentag. In Berlin wurde der Feiertag einerseits aus praktischen Gründen eingeführt – Berlin hat im bundesweiten Vergleich besonders wenige Feiertage – andererseits, weil Grüne und SPD sich dafür eingesetzt haben. Die Grünen wollen so den Einsatz für Frauenrechte und Gleichberechtigung stärken.

Toilettenschild mit den Symbolen von Mann und Frau
Einige Feministinnen empfinden den Weltfrauentag als reine Augenwischerei im Kampf um die Gleichberechtigung.

Warum wird der Frauentag in Deutschland kritisiert?

Vor allem Menschen aus den Gebieten der ehemaligen DDR blicken dem Tag kritisch entgegen. Denn früher wurden den Frauen zwar gelbe Nelken überreicht, aber es wurden keine gesellschaftlichen Strukturen in Frage gestellt. Frauen waren trotz Berufstätigkeit für Haushalt und Kinder zuständig und in den Führungsetagen waren ebenfalls wenige bis gar keine Frauen vetreten. 

In der Sowjetunion wurden zwar die Errungenschaften der Revolution gefeiert, aber auch hier wurden keine Missstände in den Mittelpunkt gerückt. Das ist einer der Gründe dafür, warum manche Feministinnen die Abschaffung des Weltfrauentags fordern. 

Ist der Tag bis heute relevant?

Untersuchungen wie der Global Gender Gap Report 2020 zeigen, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau noch in weiter Ferne liegt. Denn es gibt weiterhin viele Missstände. Dazu gehört, dass Frauen weniger als Männer verdienen. Frauen sind häufiger von Altersarmut betroffen, werden öfter Opfer von häuslicher Gewalt und sind seltener in Führungspositionen vertreten als Männer. 

Auch die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen ist weiterhin ein wichtiges Thema. Zuletzt zeigte auch die Debatte um Kristina Hänel – die Ärztin wurde verurteilt, weil sie auf ihrer Webseite über Schwangerschaftsabbrüche informiert – und den Paragraphen 219a (Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft), dass Frauenrechte noch weiter gestärkt werden müssen.

Frau mit den Buchstaben
Laut dem Global Gender Gap Report erreichen wir die vollständige Gleichberechtigung erst in 99,5 Jahren, deswegen ist persönliches Engagement umso wichtiger.(Photo: Youngoldman)

Fight for your right – Setz dich für Gleichberechtigung ein!

Du kannst den Weltfrauentag am 8. März nutzen, um für gleiche Rechte zu demonstrieren und dich gegen Diskriminierung stark zu machen. Aber am besten nutzt du aber auch die restlichen Tage des Jahres, um dich für Gleichberechtigung und sexuelle Selbstbestimmung einzusetzen. So kannst du auch den zunehmenden Antifeminismus in Deutschland eine weitere Stimme entgegensetzen. 

Der aktuelle Global Gender Gap Report gibt an, dass vor allem weibliche Vorbilder ein wichtiger Faktor für die Gechlechtergleichberechtigung sind. Lass dich also von unseren weekly heroines wie Margarete Stokowski oder Comic-Heldin Priya Shatki inspirieren dich für feministische Anliegen einzusetzen. Denn jeder Mensch kann einen Beitrag zur Gleichberechtigung leisten.