Innovation

Warum das K.O.-Tropfen Armband genau zur richtigen Zeit kommt

K.O.-Tropfen sind die beliebtesten Partydrogen in Berlin, um Opfer gefügig zu machen. Eine Studentin sagt ihnen jetzt mit einem Armband den Kampf an.

Frauen auf einem Festival
Auch auf Musikfestivals werden K.O.-Tropfen immer wieder eingesetzt. (Credit: domoyega)

Eine junge Studentin aus Karlsruhe hat einen Schnelltest für K.O.-Tropfen in Form eines Armbands entwickelt. Dieses soll besonders Frauen vor Übergriffen in Clubs oder Festivals schützen. Aber müssen wir uns überhaupt noch Gedanken über K.O.-Tropfen machen?


Das K.O.-Tropfen Armband: Dein Bodyguard auf Partys und Festivals

Schon als Teenagern wurde uns eingeimpft, seinen Drink auf öffentlichen Partys nie aus den Augen zu lassen. Besonders als Frau solle man sich lieber einen neuen bestellen, als aus dem beisete gestellten Glas Bier noch einen Schluck zu nehmen. Gläser von Fremden soll man erst Recht nicht anfassen.

Früher gab es häufig Horror-Stories von Frauen, die ohne Erinnerungen irgendwo in der Stadt aufgewacht sind und nicht wussten, was passiert ist. Genauso erging es laut eigener Aussage einer Freundin von Kim Eisenmann. Zusammen waren sie auf einem Stadtfest gewesen, hatten sich irgendwann verloren und am nächsten Tag wachte ihre Freundin mit zerissener Kleidung und Gedächtnislücken im Park auf.

Studentin entwickelt das Xantus-Armband, ein Schnelltest für K.O.-Tropfen

Für Kim war klar, dass eine Lösung hermuss. Zusammen mit Sven Häuser hat sie ein Papierarmband entwickelt, welches man problemlos zu öffentlichen Veranstaltungen tragen kann, um in sekundenschnelle einen zuverlässigen Schnelltest auf K.O.-Tropfen durchzuführen.

Das K.O.-Tropfen Armband sieht aus wie ein Einlassbändchen und hat zwei Testfelder. Hat man seinen Drink länger ubeobachtet gelassen, kann man einfach einen Tropfen der Flüssigkeit auf das Testfeld geben und mittels Farbveränderung weiß man, ob das gefährliche GHB (Gamma-Butyro-Lacton) enthalten ist. Zwei Getränke kann man mit einem Armband testen.

Mit dieser Idee war die junge Studentin 2018 bei der TV-Show "Hol dir die Kohle" und überzeugte Investoren von ihrer Idee. Seit April 2019 kann man das Armband bei dm und online für 5,45 € (für 2 Stück) kaufen. Innerhalb von wenigen Stunden waren sie komplett ausverkauft.


Getränke auf einer Party
Seine Getränke sollte man auf Partys nie allein lassen. Obwohl wir das wissen, halten wir uns oft aus Bequemlichkeit nicht daran.,


Warum K.O-Tropfen und andere Partydrogen immernoch legal erhältlich sind

Wir bewundern den Erfindergeist von Kim, aber eine Frage bleibt offen: Warum brauchen wir eine solche Erfidnung überhaupt? K.O.-Tropfen sind nur ein Problem unter vielen frei zugänglichen Partydrogen. Warum kommen wir so einfach da heran?

In Deutschland fallen gängige Drogen normalerweise unter das Betäubungsmittelgesetz, so auch "reine" K.O.-Tropfen wie GBL (Gamma-Butyro-Lacton). Dieses kann nur von Ärzten genutzt werden. Die Vorstufe von GBL, nämlich GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure) hingegen, wird in der Industrie gebraucht und kann in großen Mengen von jedermann bestellt werden.

Die Problematik dabei ist, dass GHB in Verbindung mit Wasser zu GBL reagiert. Wird GHB also in einen Drink gegeben, oder gelangt trocken in den menschlichen Körper, wird es durch das Wasser sofort umgewandelt zu der gefährlichen Droge. Es sind also nicht die K.O.-Tropfen an sich frei verkäuflich, sondern die wichtigste Zutat dafür.

Wie könnte Deutschland mit der K.O.-Tropfen Problematik umgehen?

Weil GHB von der Industrie stark nachgefragt ist, kann es nicht als Betäubungsmittel deklariert werden, so die offizielle Stellungsahme des Bundesgesundheitsministeriums. Eine Lösung wäre, das GHB mit Bitterstoffen zu versetzen, so der Vorschlag eines befragten Arztes bei Galileo.

Der zugefügte Bitterstoff würde die K.O.-Tropfen ungenießbar machen und man würde sie sofort herausschmecken. Das K.O.-Tropfen Armband könnte man sich also sparen. Ein ähnliches Verfahren hat es schon bei industriellem Ethanol gegeben. Dieser wird durch eine weitere Zutat für den Menschen ungenießbar gemacht. Leider sind derartige Pläne vom Gesundheitsministerium derzeit nicht bekannt.


Infobroschüre für Opfer von Ko Tropfen
Opfer von K.O.-Tropfen Übergriffen können sich an den "Weißen Ring" wenden. Dieser hat auch eine Hilfshotline.


Wie groß ist die Gefahr von K.O.-Tropfen in Deutschland?

Die gesamte Thematik um K.O.-Tropfen wurde durch die Entwicklung des Xantus K.O.-Tropfen Armbands noch einmal ins Zentrum der Öffentlichkeit gebracht. Vorfälle mit der Partydroge schaffen es immer wieder in die Schlagzeilen. Aber wie viele Opfer gibt es in Deutschland und wie aufmerksam müssen wir wirklich sein?

Die Berliner Polizei erfasst alle angezeigten Fälle auf K.O.-Tropfen in einem jährlichen Bericht. Tatsächlich hält sich die Zahl der Opfer in Grenzen. Jedoch ist seit 2017 ein Anstieg zu spüren. Gab es 2012 nur 150 erfasste Anzeigen in der Hauptstadt, sind es 2017 schon 211 und 2018 knapp 230. Die erfassten Fälle beinhalteten jegliche Art von Partydrogen, wie auch die Vergewaltigungsdroge Rohypnol, Ketamin oder Liquid-Ectasy.

Die Dunkelziffer bei K.O.-Tropfen liegt vermutlich weitaus höher. Da sie meist in Verbindung mit Alkohol eingenommen werden, ist vielen Opfern überhaupt nicht bewusst, dass der Filmriss vielleicht nicht mit Cocktails, sondern Betäubungsmitteln zusammenhängt. 


Flyer mit Regeln zum Verhalten bei K.O. Tropfen
Der "weiße Ring" engagiert sich für bessere Aufklärung zum Thema K.o.-Tropfen Missbrauch und Bewusstsein.


Woran du K.O.-Tropfen erkennst und was du tun kannst, um dich zu schützen

Da K.O.-Tropfen bevorzugt bei Veranstaltungen mit Alkohol genutzt werden können die Täter ihre Opfer leicht unter dem Vorwand "die betrunkene Freundin nach Hause zu bringen" wegschmuggeln. Die Opfer sind oft derart abwesend und gelähmt, dass sie sich nicht wehren können. 

Selbst für Security ist da oft nicht einfach herauszufinden ob es sich um ein K.o.-Tropfenopfer handeln könnte. Deshalb kommt das K.o.-Tropfen Armband genau richtig. Es gibt aber auch andere Methoden, um dich und deine Freunde zu schützen.

  • Rede über die Problematik mit deinem Party-Squat und macht gemeinsam Regeln aus.
  • Keiner sollte in einem "berauschten" Zustand alleine gelassen werden. Ist ein Freund ausgeknockt, solltet ihr euch darum kümmern, dass er sicher Heim kommt. Bestellt ein Taxi, wenn ihr noch weiterfeiern wollt.
  • Achtet auf Auffälligkeiten. K.O.-Tropfen wirken extrem schnell. Sollte eine Freundin oder ein Freund von jetzt auf gleich Taumeln und Lallen, seid beunruhigt.
  • Wenn ihr Drinks von Fremden annehmt (weil man einen süßen Flirt nicht gleich abblocken will), dann kannst du deinen Freunden ein Zeichen geben, dass sie dich in der nächsten halben Stunde im Auge behalten sollen.
  • Hast du deinen Drink stehen gelassen, kannst du ebenso wie oben verfahren. Natürlich sollten dann nicht alle aus deiner Gruppe einen Schluck nehmen. 
  • Hast du den Verdacht, dass du übermäßig berauscht bist, dann gib deinen Freunden oder der Security Bescheid.


Mit dem K.O.-Tropfen Armband unbeschwerter Feiern

Danke für deine Erfindung, liebe Kim! Denn wir alle wollen unsere Parties genießen. Vor allen Partydrogen schützt das Xantus K.O.-Tropfenarmband zwar noch nicht. Bisher kann es nur GHB nachweisen. In Zukunft soll es allerdings auch auf andere Betäubungsmittel reagieren. 

Bis es soweit ist, oder vom Gesundheitsministerium gehandelt wird, solltest du dir beim Feiern der möglichen Gefahr bewusst sein. Es ist aber kein Grund, sich die Stimmung versauen zu lassen, denn ein achtsames Miteinander ist der beste Schutz.