Corona-Impfplan
Wie gut durchdacht ist der Corona-Impfplan? (Photo: bojanstory/ istock) Source: bojanstory/ istock

Corona-Impfplan: Hat sich die Regierung da verzählt?

Gerade wurde der Corona-Impfplan vorgestellt. Doch: Ist der überhaupt realistisch? wmn erklärt, warum das Vorhaben scheitern könnte.

Was passiert, wenn der Impfstoff gegen das Coronavirus auf dem Markt ist?

Auf diese Frage antwortet die Bundesregierung mit einem Corona-Impfplan. Dieser zeigt, wie die millionenfachen Impfungen organisiert werden sollen.

wmn erklärt, was das 24-seitige Papier aussagt und was Experten dazu sagen.

Corona: Impfplan besteht aus drei Stufen

Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland liegt das Papier vor. Demnach basiert der Plan auf drei Phasen. In den ersten beiden Phasen wird der Impfstoff noch begrenzt zur Verfügung stehen und es wird wahrscheinlich hohe Anforderungen an die Lagerungen der Vaccinen geben, beispielsweise die Kühlung bei minus 60 Grad. In dieser Zeit sollen die Impfzentren die Arbeit übernehmen.

Danach folgt die dritte Phase. In dieser kommen dann die Arztpraxen ins Spiel. Das Bundesgesundheitsministerium rechnet damit, dass ein Arzt mindestens fünf Minuten pro Person und pro Impfung braucht. Für Patienten soll es schnell gehen: Von der Anmeldung bis hin zur Impfung soll es lediglich 15 Minuten dauern. Für die Ärzte aber bedeutet das: Sie sollen an einem Tag bis zu 96 Patienten impfen. Wobei die Impfung von medizinischem Personal übernommen werden und die Aufklärung durch einen Arzt erfolgen kann.

Doch: Sind 96 Impfungen pro Tag für Ärzte überhaupt machbar? Der Hausarzt Thomas Aßmann bezweifelt in der Bild-Zeitung, dass ein Arzt die Impfung und Aufklärung wirklich in der geplanten Zeit schaffen kann.

Was hilft gegen das Coronavirus? Im Video geben wir Tipps.

Ein weiteres Problem sieht der Mediziner auch in der Kontrolle von möglichen Impffolgen. Denn der Gesundheitsstatus der Patienten soll eigentlich überprüft werden. Doch aus Sicht des Arztes müsse deutlicher geregelt werden, wie Patienten nach der ersten Impfung beobachtet werden. So fragt er: „Soll der Patient dann einmal am Tag oder einmal pro Woche in dieses Impfzelt reinmarschieren und sagen, ich habe dieses oder jenes Problem?“

Es gibt noch weitere Herausforderungen

Doch bevor es mit dem Impfen losgeht, müssen zuerst einmal die Impfzentren eingerichtet werden. Dies bedeutet vor allem viel Organisation. Und bei dieser sollen laut dem Papier mehrere Institutionen unterstützen. Etwa der Öffentliche Gesundheitsdienst, niedergelassene Ärzte und ihre Organisationen, Kliniken, die Bundeswehr sowie Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz

Geimpft werden soll dann zum Beispiel in Kirchen, Zelten und Containern.

Wer soll zuerst geimpft werden?

Zuerst sollen Menschen aus der Risikogruppe, medizinisches Personal und andere wichtige Berufsgruppen geimpft werden. Danach sollen die "normalen" Bürger folgen.

Es gibt einen weiteren entscheidenden Faktor

Ob der Corona-Impfplan in Zukunft aufgehen wird, hängt jedoch nicht nur von der Logistik und Organisation ab. Auch die Bereitschaft der Menschen sich überhaupt impfen lassen zu wollen, muss vorhanden sein. Doch eine Umfrage von infratest dimap zeigt, dass ausgerechnet jetzt die Impfbereitschaft leicht zurückgeht. So würden sich aktuell 37 % auf jeden Fall impfen lassen. Im August lag der Wert jedoch noch bei 44 %. Wahrscheinlich impfen lassen, würden sich 34 % und 29 % sagen, dass sie es „wahrscheinlich nicht“ oder „auf gar keinen Fall“ tun würden. Mediziner rechnen allerdings damit, dass ungefähr 60 bis 70 % der Bevölkerung geimpft sein müsste, damit die Pandemie gestoppt wird.

Wenn sich tatsächlich diejenigen impfen lassen würden, die in der Umfrage „auf jeden Fall“ oder „wahrscheinlich“ angaben, käme man bereits auf einen ausreichenden Wert von 71 %

Aber was ist, wenn die Impfbereitschaft noch weiter zurückgeht? Dann steht der Corona-Impfplan der Bundesregierung auf mehr als wackeligen Beinen. 

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